Haltungsfragen

Führungskräfte und der Fehlgebrauch von Coaching-Techniken

Haltungsfragen
© Foto: Dmytro Zinkevych/Shutterstock.com

Vom Coachen alleine lässt es sich schwer leben. Viele Praktiker bieten daher weitere Beratungsleistungen an. Ebenso gehören Ausbildungen zum Angebot nicht weniger Coaches. Zugute kommen dürfte ihnen hierbei die gestiegene Nachfrage durch Führungskräfte außerhalb der Personalabteilungen. Diese sind zunehmend angehalten, Coaching-Techniken in ihre Arbeit zu integrieren. Die Entwicklung von Haltung darf in den Ausbildungen und darüber hinaus jedoch nicht hinter der Vermittlung von Fragetechniken anstehen, soll schädlichem Gebrauch vorgebeugt werden.

Viele Manager absolvieren inzwischen eine Coaching-Ausbildung. Doch nicht wenige nutzen hier gelernte Methoden, ohne je eine Haltung entwickelt zu haben. So kann jede Frage ins Absurde geführt und als Machtinstrument missbraucht werden. Führungskräften ist dringend zu raten, sich weniger mit Methoden als vielmehr mit dem eigenen Mindset und den Grundannahmen, auf denen es basiert, zu beschäftigen: Habe ich eine wirkliche Haltung – und worauf baut diese auf?

Fragen haben einen guten Ruf. Sie dienen der sanften Kommunikation, unterstützen die partizipative Führung. „Wer fragt, führt“, lautet ein Postulat des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick. Fragen und Führung passen gut zusammen. Führung kann als das Bestimmen der Richtung von Bewegung und erfolgreiches Intervenieren in kritischen Situationen definiert werden. Es bestehen vier Führungsrichtungen: von oben, von der Seite (lateral), von unten und aus der Mitte. Aus der Mitte – damit ist Selbstführung gemeint. Nur Menschen, die sich selbst führen können, können Verantwortung übernehmen. Aus einem solchen Blickwinkel sind Fragen ideal geeignet, die Bewegung aus sich selbst heraus in Gang zu setzen, also Selbstführung zu unterstützen.

Das passt zum aktuellen Trend. Viele Unternehmen setzen im agilen Kontext verstärkt auf Selbstorganisation. Aber auch außerhalb der agilen Szene wünschen sich viele Führungskräfte sehnlichst Mitarbeiter, die Verantwortung übernehmen. Die Selbstverantwortung durch Fragen zu stärken, ist vom Prinzip her ein guter Ansatz. Doch in der Praxis wird dieser selten produktiv genutzt. Und das liegt an fehlender Haltung. Haltung kann man sich als Rückgrat vorstellen. Es ist das, was die Persönlichkeit aufrichtet, was sie ethisch und integer agieren lässt. Es ist sicher kein Zufall, dass Integrität als Prognose-Item den Führungs- und Unternehmenserfolg am besten voraussagt. Dies belegte die Studie „How Extraordinary Leaders Double Profits“ von Zenger und Folkman (2014). Eine daraus abgeleitete Hypothese könnte lauten, dass integre Personen auch besser in der Lage sind, Coaching-Fragen zu nutzen.

Beispiele für falsch angewendete Fragen

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