Themenzentrierte Interaktion

Das Selbstverständnis des Coachs aus der Perspektive der Themenzentrierten Interaktion

Themenzentrierte Interaktion
© Foto: g-stockstudio/Shutterstock.com

Coaching ist zwischenmenschliche Begegnung. Veränderung entsteht in der Interaktion zweier (oder mehrerer) Persönlichkeiten. Will der Coach seinem Klienten hierbei gerecht werden, so bedarf dies bestimmter Haltungen, Fähigkeiten und Eigenschaften; kurzum: eines gelebten Selbstverständnisses, das dem Klienten bestmögliche Entfaltungschancen ermöglicht. Das Konzept der Themenzentrierten Interaktion stellt einen theoretischen Bezugsrahmen für die Beschreibung eines solchen Selbstverständnisses dar.

Persönlichkeit, Charakter und Kompetenzen des Coachs

„Am wichtigsten im Coaching ist die Haltung, nicht die Tool-Box“, war der Titel der Ausgabe 1/2014 des Coaching-Magazins. Nun ist damit nicht alleine die Körperhaltung gemeint, sondern auch die eigene Überzeugung, der Standpunkt, die Gesinnung, Disziplin, die innere Verfassung und das Verhalten – Eigenschaften, die durchaus auch der Persönlichkeit und dem Charakter eines Menschen zugeordnet werden können.

Die Persönlichkeit und der Charakter des Coachs sollten durch eine bestimmte Haltung und besondere Eigenschaften geprägt sein. Für den optimalen Umgang mit Gefühlen und Konflikten sollte der Coach über seelische Stabilität und „Gesundheit“ verfügen. Der Coach sollte seine eigenen störenden Verhaltensweisen abgelegt haben, um im Verlauf der Zusammenarbeit mit dem Klienten störende Verhaltensmuster aufdecken zu können. Nimmt der Coach die richtige Haltung ein und verfügt er über die notwendige Stabilität und seelische „Gesundheit“, wirkt sich dies positiv auf seine Umgebung und seinen Klienten aus. Konkret kann sich der Coach dadurch auf den Klienten und seine Gefühle einlassen, kann sich einfühlen und die Ängste, Hemmungen und Schwierigkeiten des Klienten wahrnehmen, ohne zu bewerten.

Dazu sollten die Persönlichkeit und der Charakter des Coachs unter anderem Merkmale wie Mut, Echtheit, Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein aufweisen. Neben der seelischen Stabilität ist die persönliche Integrität von besonderer Bedeutung für die Persönlichkeit des Coachs. Gemeint ist damit die Übereinstimmung von Werten, Überzeugungen und Idealen mit dem eigenen Verhalten. Ist sein Verhalten nicht kongruent zu den von ihm dargestellten Werten und Überzeugungen, kann der Klient kein Vertrauen zum Coach aufbauen.

Der „ideale“ Coach

Zu den personenspezifischen Anforderungen an den „idealen Coach“ gehören nach Schreyögg (2012) neben der seelischen Gesundheit unter anderem eine breite Lebens- und Berufserfahrung, eine gute persönliche Ausstrahlung und ein angemessener Interaktionsstil. Schreyögg bezeichnet die Persönlichkeit und den Charakter des Coachs in Bezug auf die Wirkung innerhalb des Coachings als dessen „menschliche Qualifikation“. Die Wahrnehmung dieser Eigenschaften durch den Klienten, bezeichnet sie allerdings als höchst subjektives Phänomen. Die breite Lebens- und Berufserfahrung zeichne sich dadurch aus, dass der Coach selbst bereits Höhen und Tiefen im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit erfahren hat, um sich entsprechend auf die Situation des Klienten einstellen zu können.

Gerade in diesem Punkt unterscheidet sich der Coach von seinem Gesprächspartner, da er eine breite Gesamtperspektive benötigt, um seinen Klienten helfen zu können. Ist diese Voraussetzung nicht erfüllt, besteht die Gefahr, dass der Coach als „hilfloser Helfer“ zu sehr mit seinem eigenen Unvermögen beschäftigt ist (Schreyögg, 2012).

Zu der guten persönlichen Ausstrahlung, welche Schreyögg (2012) ebenfalls als Voraussetzung für die Persönlichkeit eines Coachs angibt, zählt die Fähigkeit, dem Klienten ein gewisses Maß an Ermutigung und Hoffnung vermitteln zu können. Die Persönlichkeit des Coachs sollte allerdings nicht in das andere Extrem verfallen und dem Klienten unangebracht eine „Traumwelt“ in Aussicht stellen. Der Coach sollte ein menschlich breiter „Resonanzkörper“ sein, der sich auf die Anliegen des Klienten einstellen kann (ebd.).

Das allgemeine Einfühlungsvermögen, die allgemeine Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen sowie Empathie und Wertschätzung zu zeigen, sind grundlegende Eigenschaften und Fähigkeiten, die ein Coach mitbringen sollte (Greif, 2008).

Der Klient ist der Experte für seine Realitätskonstruktion, die er im Coaching überprüfen und eventuell verändern will, wobei der Coach als Prozessbegleiter agiert (Neumann, 2014). Nach Expertenmeinungen sollen Coaches Fähigkeiten wie Offenheit, Kommunikationsfähigkeit und Selbstreflexion mitbringen (Greif, 2008).

Themenzentrierte Interaktion

Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) beschreibt die Begründerin Ruth Cohn (2013) als eine Modifikation gruppentherapeutischer Technik zum Zweck der Führung von Erziehungs- und anderen Kommunikationsgruppen unter Berücksichtigung des Themas als Mittelpunkt interaktioneller Gruppen.

Spielmann (2014; 15) definiert die TZI als „ein umfassendes , ganzheitliches Handlungskonzept mit dem Ziel, Situationen, in denen Menschen miteinander arbeiten, lernen und leben, bewusst, human und humanisierend zu gestalten“. Dabei geht die TZI von der Veränderungsfähigkeit und der Lernfähigkeit der Menschen sowie von der Möglichkeit aus, Arbeits- und Lernprozesse humanisierend gestalten zu können (ebd.). Etwas praktischer ausgedrückt dient die TZI dazu, Themen, Ideen und Aufgaben in das Zentrum der beteiligten Personen zu stellen (themenzentriert), um diese dann zwischen allen Beteiligten zu bearbeiten (Langmaack, 2011).

Grundwerte der TZI und deren Umsetzung

Die ethische Grundlage für das Handlungskonzept der TZI bilden die Axiome, welche sowohl als antreibende Kraft als auch als Begrenzer zu verstehen sind (Langmaack, 2011). Neben den Axiomen gibt es in der TZI Postulate, die formulieren, wie die Axiome im alltäglichen gesellschaftlichen Leben zum Ausdruck kommen sollen (Löhmer & Standhardt, 2010).

Axiome der TZI
Die drei Axiome bieten eine wertgebundene Ausgangsbasis. Sie sind als ethische Forderungen richtungsweisend und somit nicht verhandelbar (ebd.). Nachfolgend werden die drei Axiome dargestellt, wobei die Reihenfolge aus anwendungs- und handlungsbezogenen Gründen nicht auswechselbar ist (ebd.):

1. Das existenziell-anthropologische Axiom:
„Der Mensch ist eine psychobiologische Einheit. Er ist auch Teil des Universums. Er ist darum autonom und interdependent. Autonomie (Eigenständigkeit) wächst mit dem Bewusstsein der Interdependenz (Allverbundenheit).“ (Cohn, 2013; 120)

„Psychobiologische Einheit“ bedeutet, dass der Mensch physische, emotionale und intellektuelle Bedürfnisse und Erfahrungen hat, die nicht voneinander getrennt werden können, sondern stets Teilaspekte des Menschen als Einheit bleiben (Langmaack, 2011). Daneben thematisiert das Axiom die Grundaspekte „Eigenständigkeit“ und „Entscheidungsfreiheit“ des Menschen sowie die Verbundenheit mit den Menschen und der gesamten Schöpfung (Löhmer & Standhardt, 2010). Der Mensch genießt die Entscheidungsfreiheit, ist aber auch auf andere Menschen angewiesen. Je mehr sich der Mensch dieser Zusammenhänge und Abhängigkeiten bewusst ist und sich darauf einlässt, umso mehr hat er die Möglichkeit, zu wählen und zu entscheiden (Langmaack, 2011).

2. Das ethisch-soziale Axiom:
„Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum. Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll; Inhumanes ist wertbedrohend.“ (Cohn, 2013; 120)

Dieses Axiom weist darauf hin, dass der Mensch herausfinden muss, welche möglichen Handlungen das Lebendige bewahren und fördern (Langmaack, 2011). Darüber hinaus drückt das Axiom aus, dass nicht nur der Intellekt und der Verstand gefördert werden dürfen, auch die emotionale Seite des Menschen verdient Beachtung, um wertvolle und wertschätzende Handlungen zu fördern (Löhmer & Standhardt, 2010).

3. Pragmatisch-politisches Axiom:
„Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender innerer und äußerer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich.“ (Cohn, 2013; 120)

Dieses Axiom besagt, dass der Mensch freier entscheiden kann, wenn er gesund, intelligent und materiell gesichert ist (Cohn, 2013). Somit ist dieses Axiom als Ergänzung zu den vorigen Axiomen zu sehen, da es auf die Bedeutung vorgegebener Grenzen für die freie Entscheidung hinweist (Langmaack, 2011). Die Bewusstheit menschlicher Entscheidungsfähigkeit und ihrer Grenzen ermöglicht es dem Menschen, diese „partielle Mächtigkeit“ in jeder neuen persönlichen, politischen und sozialen Situation zu erkennen und zu berücksichtigen (Löhmer & Standhardt, 2010).

Postulate der TZI
Während die Axiome ethische Fix- und Orientierungspunkte im TZI-Konzept darstellen, dienen die Postulate als konkrete Praxishilfen (von Kanitz, 2014). Die Postulate stellen klar, dass jeder Einzelne für die Interaktionen mit anderen verantwortlich ist (Löhmer & Standhardt, 2010).

Das erste Postulat der TZI lautet: „Sei dein eigener Chairman, der Chairman deiner Selbst.“ (Cohn, 2013; 120) Langmaack (2011; 123) bezeichnet dieses Postulat als „Herausforderung, die Wirkung des eigenen Handelns selbst zu überprüfen“. Cohn beschreibt, welche Bedeutung es hat, „sein eigener Chairman“ zu sein. Cohn, so Langmaack (2011), führt aus, dass es heißt, auf die eigene innere Stimme zu hören, die eigenen verschiedenen Bedürfnisse, Wünsche, Motivationen und Ideen wahrzunehmen.

Das zweite Postulat lautet: „Beachte Hindernisse auf deinem Weg, deine eigenen und die von anderen. Störungen haben Vorrang.“ (Cohn, 2013; 121) Dabei wird das Wort „Störungen“ nicht zwingend negativ bewertet, da diese auch einen wichtigen Hinweis auf einen Aspekt geben können, welcher vorher nicht wahrgenommen wurde (Löhmer & Standhardt, 2011). Das Störungspostulat sagt aus, dass gute Arbeitsergebnisse nur dann zu erreichen sind, wenn die Beteiligten ohne Ablenkung bei der Sache sein können (Langmaack, 2011). Aus diesem Grund ist die Störung zunächst zu bearbeiten, da sich Störungen ansonsten ohnehin „ihr Recht verschaffen, egal ob Teilnehmende und Leitende dies wollen“ (Löhmer & Standhardt, 2010; 49).

Das Vier-Faktoren-Modell der TZI

In der TZI werden Gruppeninteraktionen durch vier Faktoren beeinflusst: das Ich, das Wir, das Es und den Globe. Löhmer und Steinhardt (2010) definieren die vier Faktoren wie folgt:

Als „Ich“ wird die einzelne Person in einer Gruppe und ihr Anliegen bezeichnet. Um ihr Anliegen zu definieren, muss die Person zunächst herausfinden, was sie will, denkt, fühlt und wahrnimmt oder auch erkennt. Das „Wir“ beschreibt die Interaktionen einer Gruppe. Es setzt sich aus den einzelnen „Ichs“ zusammen, die miteinander kommunizieren. Dabei sollte sich „niemand für die Gruppe aufgeben“, im Gegenteil: Die Mitglieder sollten sich „eingeben“, damit zum einen die Selbsterfüllung des einzelnen „Ichs“ gefördert, zum anderen der Wir-Anteil vergrößert wird. Das „Es“ ist das Sachanliegen, der Lernstoff oder die Aufgabe einer Gruppe und damit der inhaltliche Bezugspunkt einer TZI-Gruppe. Der Globe beschreibt das nahe und ferne Umfeld einer Gruppe. Dazu zählen alle Umweltbedingungen und Menschen, die außerhalb der „Hier-und-Jetzt-Situation einer Gruppe“ liegen.

Zentrales Prinzip der TZI ist die dynamische Balance zwischen den Eckpunkten „Ich“, „Wir“ und „Es“. Cohn betont, dass die Anerkennung und Förderung der Gleichgewichtigkeit der Faktoren im Globe die Basis für TZI-Gruppenarbeit darstellt (Löhmer & Standhardt, 2010). Die klärende Frage, um die Balance zu erreichen, lautet: Welcher der Faktoren muss stärker beachtet werden, damit der Mensch oder die Gruppe gleichzeitig zufriedener und effektiver im Globe leben kann? (Langmaack, 2011) Wenn beispielsweise eine Gruppe einseitig auf der Beziehungsseite – dem „Wir“ – arbeitet, kann der Gruppenleiter das Sachthema in den Vordergrund rücken, um die Gleichgewichtigkeit der Faktoren im Globe zu erreichen.

Selbstverständnis des Coachs vor dem Wertehintergrund der TZI

Der Wertehintergrund der TZI ist aus den beschriebenen Axiomen und Postulaten abzuleiten.

Ableitungen aus den Axiomen

Das existenziell-anthropologische Axiom besagt, dass der Mensch stets als „Ganzes“ zu betrachten ist und die Teilaspekte wie physische, emotionale und intellektuelle Bedürfnisse und Erfahrungen nicht voneinander getrennt werden können. Aus der Perspektive der TZI lässt sich für den Coach aus diesem Axiom ableiten, dass dieser den Klienten und auch sich selbst mittels breiter Gesamtperspektive stets als Einheit mit sämtlichen Facetten wahrnehmen sollte. Des Weiteren gehört zum Selbstverständnis des Coachs, dass er sich der Autonomie und Interdependenz eines jeden Menschen bewusst ist. Dieses Wissen kann er nutzen, um dem Klienten Zusammenhänge und Abhängigkeiten bewusst werden zu lassen. Dadurch ermöglicht der Coach dem Klienten mehr Handlungs- und vor allem mehr Entscheidungsfreiheit.

Im zweiten, dem ethisch-sozialen Axiom, wird die Wert- und Sinnhaftigkeit des menschlichen Handelns beschrieben. Für das Selbstverständnis des Coachs bedeutet dies, dass er sich zunächst darüber im Klaren sein muss, welche möglichen Handlungen das Lebendige bewahrt und fördert und was ihm eher schadet. Dazu benötigt der Coach seelische Gesundheit und Stabilität, um aus dem eigenen Selbstverständnis humane und wertschätzende Entscheidungen treffen zu können. Persönlicher Mut zur Echtheit, ausgewogenes Selbstvertrauen, Entscheidungsbereitschaft und viele weitere Eigenschaften sind Voraussetzungen, damit der Coach das ethisch-soziale Axiom erfüllt.

Das pragmatisch-politische Axiom besagt, dass die Bewusstheit menschlicher Entscheidungsfähigkeit und ihrer Grenzen es dem Menschen ermöglicht, die eigene partielle Mächtigkeit zu erkennen und zu berücksichtigen. Aus dieser Perspektive ist es für den Coach unerlässlich, dass dieser den Klienten als Experten für seine eigene Realitätskonstruktion wahrnimmt. Damit der Coach sich auf die Wirklichkeit des Klienten einlassen kann, benötigt er Fähigkeiten wie Offenheit, Kommunikationsvermögen und Selbstreflexion. Der Coach braucht die Fähigkeit, sich in die Kultur, die Situation und die Probleme des Klienten hineinversetzen zu können, um dessen Wirklichkeit zu verstehen und dem Klienten dabei zu helfen, die eigene partielle Mächtigkeit zu erkennen.

Ableitungen aus den Postulaten

Das erste Postulat: Aus der Perspektive der TZI hat der Coach die Aufgabe, den Klienten darin zu unterstützen, „sein eigener Chairman“ zu sein. Der Coach soll den Klienten ermutigen, ohne ihm dabei eine unangebrachte Traumwelt anzubieten. Als Prozessbegleiter sollte er als Resonanzkörper agieren, dem Klienten die Möglichkeit geben, eigene und realistische Entscheidungen zu treffen.

Aus der Perspektive des zweiten Postulats ist es wichtig, dass der Coach zum einen Störungen verhindert oder beseitigt, zum anderen Störungen als Hinweis auf einen dahinterliegenden Sachverhalt wahrnimmt. Dabei lohnt die Unterscheidung zwischen dem „Inneren“ des Coachs und dessen äußeren Handlungen. Zunächst sollte es dem Selbstverständnis des Coachs entsprechen, eigene – innere – Störungen zu beseitigen, bevor das Coaching beginnt. Dies führt wieder zurück zu der seelischen Gesundheit und Stabilität des Coachs. Kombiniert mit seiner persönlichen Integrität, der Übereinstimmung von Werten, Überzeugungen und Idealen, kann er sich ganz auf den Klienten konzentrieren und wirkt dabei authentisch. In seinen äußeren Handlungen sollte der Coach ebenfalls darauf bedacht sein, Störungen zu erkennen und zu beseitigen bzw. weiterzuverfolgen. Dies setzt ein Selbstverständnis voraus, indem das allgemeine Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, Empathie und Wertschätzung zeigen zu können, einen hohen Stellenwert genießt.

Ich – Wir – Es – Globe und das Selbstverständnis des Coachs

Bei der Untersuchung des Selbstverständnisses des Coachs unter Berücksichtigung des Vier-Faktoren-Modells der TZI lohnt sich die Betrachtung sowohl von Gruppen- als auch von Einzelgesprächssituationen. In beiden Situationen benötigt der Coach eine breite Gesamtperspektive, da er die vier Faktoren „Ich“, „Wir“, „Es“ und den „Globe“ im Blick haben sollte. Dieses Selbstverständnis benötigt der Coach, um dem zentralen Prinzip der TZI, der dynamischen Balance zwischen den Faktoren, gerecht werden zu können. Das Modell der vier Faktoren bezieht sich nicht nur auf die Stimmigkeit in Gruppen, auch in jedem Einzelnen können Gleichgewichtsstörungen auftreten. Der Coach muss dabei herausfinden, welche Faktoren stärker beachtet werden sollten, damit der Klient gleichzeitig zufriedener und effektiver im „Globe“ leben kann. Zunächst sollte der Coach die einzelnen Faktoren kennen und deuten können.

Um den „Globe“ zu verstehen, benötigt der Coach neben einer guten Auffassungsgabe eine intellektuelle Flexibilität, welche es ihm ermöglicht, sich auf die Konstellation mit unterschiedlichem Komplexitätsgrad einzustellen. Zum Erkennen und Verstehen des „Ichs“ benötigt der Coach Einfühlungsvermögen, um herauszufinden, was der Klient will, was er denkt, fühlt, wahrnimmt oder auch erkennt. Das „Wir“ beschreibt die Interaktionen einer Gruppe untereinander. Ein angemessener Interaktionsstil, der sich dadurch auszeichnet, dass der Klient die Möglichkeit erhält, mehr über die eigene Situation zu verstehen, ist Voraussetzung, um das „Wir“ zu erfassen. Das „Es“ bezeichnet das Sachanliegen und damit den inhaltlichen Bezugspunkt. Um dieses zu erkennen, benötigt der Coach die geeignete fachliche und die methodische Kompetenz. Feldkompetenz ist Voraussetzung, um das Sachanliegen nachvollziehen zu können. Beschränkt sich der Coach auf sein psychologisches Wissen, schränkt er die Themenvielfalt des Klienten ein und verschiebt möglicherweise die Fragestellungen in die „Ich“- oder „Wir“-Ecke.

Es wird deutlich, wie sehr das Selbstverständnis des Coachs, so wie es in vielen Standardwerken zum Thema Coaching beschrieben wird, den Grundwerten und dem Modell der TZI entspricht. Das Modell eignet sich hervorragend, um ein Selbstverständnis des Coachs zu definieren, welches die Coaching-Arbeit zum einen professionell, zum anderen wertbewahrend und human werden lässt. Ein Coach, der sich auf der Suche nach dem eigenen Selbstverständnis befindet, ist gut beraten, sich mit den Grundwerten und dem Vier-Faktoren-Modell der TZI vertraut zu machen.

Literatur

  • Cohn, Ruth C. (2013). Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Greif, Siegfried (2008). Coaching und ergebnisorientierte Selbstreflexion. Göttingen: Hogrefe.
  • Kanitz, Anja von (2014). Einführung zu den Axiomen und Postulaten. In Jochen Spielmann, Mina Schneider-Landolf & Walter Zitterbarth (Hrsg.). Handbuch Themenzentrierte Interaktion (TZI). Göttingen: Vandenhoeck. 78–79.
  • Langmaack, Barbara (2011). Einführung in die Themenzentrierte Interaktion. Weinheim, Basel: Beltz.
  • Löhmer, Cornelia & Standhardt, Rüdiger (2010). TZI – Die Kunst, sich selbst und eine Gruppe zu leiten. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Neumann, Gerhard (2014). Interview mit Gerhard Neumann. In Coaching-Magazin, 1/2014, 12–18.
  • Schreyögg, Astrid (2012). Coaching: Eine Einführung für Praxis und Ausbildung. Frankfurt: Campus.
  • Spielmann, Jochen (2014). Was ist TZI? In Jochen Spielmann, Mina Schneider-Landolf & Walter Zitterbarth (Hrsg.). Handbuch Themenzentrierte Interaktion (TZI). Göttingen: Vandenhoeck. 15–17.
  • Vogelauer, Werner (2013). Coaching-Praxis. Weinheim, Basel: Beltz.
Notwendige Cookies akzeptieren
Notwendige Cookies
Diese Cookies und Services sind für die korrekte Funktion der Webseite verantwortlich und daher zwingend erforderlich.
Details >Details ausblenden
Analyse
Diese Anbieter und deren Cookies verwenden wir für die Auswertung des Nutzungsverhaltens. Dies hilft uns, unsere Webseite stetig zu verbessern und Ihnen das bestmögliche Besuchserlebnis zu bieten.
Details >Details ausblenden
Werbung
Diese Anbieter und deren Cookies verwenden wir für Werbezwecke und deren Auswertung.
Details >Details ausblenden