Business-Coaching und seine Entwicklungssprünge

Versuch einer Orientierung in der Undurchschaubarkeit

Business-Coaching und seine Entwicklungssprünge
© Foto: fran_kies/Shutterstock.com

Der Begriff des Coachings hat mittlerweile Karriere gemacht. Es entstanden neue Beratungsmärkte, Verbände, eine beträchtliche Menge an Fachliteratur, beachtliche Umsätze – und ebenfalls schwarze Schafe. Als Begleiterscheinungen des Coachings gelten die Undurchschaubarkeit des Marktes und eine nicht unerhebliche Begriffsverwirrung. Dieser Beitrag soll die Ursprünge des Coachings skizzieren, seine Entwicklungssprünge beschreiben und somit Orientierung in einem schwer zu überblickendem Feld ermöglichen.

Der Anglizismus Coaching, wahrscheinlich vom Kutscher abgeleitet (König & Volmer, 2002), suggeriert ein neues Beratungsformat. Betrachtet man den angloamerikanischen Sprachraum, mag dies zutreffen. Fokussiert man die europäische Geschichte und nicht das neue Wort Coaching, sondern die Dienstleistung dahinter, entdecken wir eine Geschichte von mehr als zweitausend Jahren (Schwertl, 2015).

Es liegt in der Natur des Beitrages, dass Einteilungen, notwendige Verkürzungen und Schlussfolgerungen kontingent sind. Nicht der Anspruch allgemeingültiger Wahrheit, sondern Nützlichkeit ist das Ziel. Gewiss ist lediglich die Einstweiligkeit, denn es wird neue Entwicklungen geben.

Historische Herleitungen

Der im deutschsprachigen Raum führende Coaching-Verband für Business-Coaching und Leadership, der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. (DBVC, 2012, S. 20), definiert Coaching wie folgt: „Coaching ist die professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen mit Führungs- und Steuerungsfunktionen und von Experten in Organisationen [bezüglich primär beruflicher Anliegen].“

Folgt man sinngemäß dieser Definition, öffnet sich eine große historische Tradition, wenn auch die angebotenen Dienstleistungen früher mit anderen Bezeichnungen versehen waren (Schwertl, 2015). Ohne große Mühe finden sich Vorfahren des Business-Coachings in der Antike. Platon und Sokrates boten ihre Dienste an. Mit Kunden sokratische Dialoge zu führen, gehört auch heute zur großen Kunst von Business-Coaching. Sie gaben Unterricht und unterstützten junge Männer dabei, einen Beitrag für die Polis zu leisten und ihre Interessen zu verfolgen.

Die Tätigkeit umfasste Lebensthemen, juristische und politische Beratung, die Erziehung der Kinder in wohlhabenden Häusern oder das Verfassen von Reden. Bereits in der Antike wurde die Spannung zwischen Weisheit (Philosophie) und der Fähigkeit, diese über Rhetorik zu vermitteln, deutlich. Diese Balance gerät auch heute immer wieder aus den Fugen. Während in der griechischen Antike die Rhetorik (Redekunst) als Wissenschaft angesehen wurde, geriet sie im Zuge der Aufklärung, die nach Wahrheit strebte, in Verruf. Überzeugungstäter und Worthülsenverkäufer dieser Welt (Schwertl, 2014) stehen heute – arm an Inhalten, aber mit telegener Performanz ausgestattet – auf der einen, und eine Menge hochqualifizierter Kolleginnen und Kollegen auf der anderen Seite.

Es macht keine Mühe, Seneca den Älteren (54 v. C. – 39 n. C.) als einen der prominentesten Konsultanten der römischen Antike zu sehen. Er war der Erzieher und später der wichtigste Berater des Kaisers Nero. Dieser galt als unbeherrscht, zu großen Wutanfällen und zu Irrationalitäten neigend. Die unterschiedlichsten Beschreibungen über das Verhältnis des römischen Kaisers zu seinem wichtigsten Berater lassen manche Analogien zu prominenten Vorständen und ihren Coaches zu.

Eine sehr heterogene Gruppierung bildet der Stand der Sekretäre. Die Bedeutung dieses Berufs wandelte sich immer wieder sehr stark. Geheime Räte unterstanden dem jeweiligen Fürsten. Über lange Zeit des Wirkens der Geheimen Räte gab es immer wieder Vermischungen von Einflussnahme durch Rat geben und dem Schaffen von Verordnungen und Gesetzen. Geheimräte, mehr oder weniger freie Denker wie z.B. Friedrich Schiller oder Wolfgang von Goethe, bildeten quasi den Gegenpol zu subalternen Beamten. Die Entourage der heutigen CEOs großer Konzerne und ihre Beraterstäbe sind vergleichbar.

Medien sind relevante Beobachter von gesellschaftlicher Kommunikation (Schmidt, 2004). Sie brachten indirekt den Marketingberater hervor. Mit dem größer werdenden Einfluss der Medien entstand für Politiker und Spitzenmanager die Notwendigkeit, sich öffentlichkeitswirksam und mediengerecht darzustellen. Kommunikation ist immer Inhalt und Performanz (Schmidt, 2007). Ob diese Balance immer gewahrt wird, darf bezweifelt werden. Es wäre aber ein eigenes Thema. In einer sehr umfangreichen Studie datierten Steinke und Steinke (2019) die Entstehung des Begriffes Coaching auf das Jahr 1911.

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