Coaching-Tools

Reflexions- und Handlungsimpuls – „Lieblingsmensch“

Ein Coaching-Tool zur Klärung von Wertvorstellungen, Bedürfnissen und Beziehungsmustern

13 Min.

Coaching-Magazin Online, 11.02.2026

Mehrere Hände formen zusammen ein Herz.

Kurzbeschreibung

„Welche Werte, Charaktereigenschaften, Wesenszüge und Verhaltensweisen hat dein Lieblingsmensch?“

Durch multiperspektivische Beschäftigung mit dieser Frage lernen Klientinnen und Klienten, ihre Entscheidungen in Beziehungen rational wie emotional zu reflektieren und bewusst danach zu gestalten, wie und wo sie ihre Energie, Aufmerksamkeit und Zuwendung einsetzen möchten. Die Übung „Lieblingsmensch“ aktiviert nicht nur persönliche, zielorientierte Vorstellungen, sondern legt auch Bedürfnisse, Wünsche und biografische Muster offen. Der Lieblingsmensch kann eine Projektion, aber auch ein Spiegel sein. In seiner Beschreibung verdichten sich Ideale, Erfahrungen und nicht zuletzt ein tiefer Wunsch danach, gesehen, verstanden und unterstützt zu werden.

Anwendungsbereiche

Die Methode Lieblingsmensch wird im Coaching als Reflexions- und Handlungsimpuls genutzt, um Klientinnen und Klienten über die Beschreibung eines „Lieblingsmenschen“ Zugang zu ihren eigenen Wertvorstellungen, Bedürfnissen und Beziehungsmustern (intrapsychisch und intersubjektiv) zu eröffnen. Mögliche Coaching-Anlässe:

  • Klärung von Werten und Bedürfnissen: Die Übung dient dazu, das implizite Maß für Beziehungen sichtbar zu machen.
  • Selbst- und Fremdbild reflektieren: Sie hilft, Diskrepanzen zwischen eigenen Ansprüchen, inneren Leitbildern und realen Erfahrungen zu erkennen.
  • Kulturelle und biografische Muster hinterfragen: Durch den Einbezug von Menschenbildern werden unbewusste kulturelle Prägungen in der Beziehungsgestaltung reflektierbar.
  • Handlungsorientierung gewinnen: Klientinnen und Klienten entwickeln ein bewusstes Kriterium für die Gestaltung, Intensivierung oder Veränderung ihrer Beziehungen.

Effekte

Das Tool zeigt nicht nur, welche Qualitäten sich Klientinnen und Klienten in Beziehungen wünschen, sondern auch, welche alten Muster sie loslassen dürfen, um diese Qualitäten zu leben. Die Übung unterstützt sie dabei, die eigene Wahrnehmung von Beziehungen zu vertiefen und ihre persönlichen Bedürfnisse klarer zu erfassen. Durch Reflexion und Austausch entsteht Bewusstsein darüber, welche Beziehungen ihnen guttun und wie sie selbst – beruflich oder privat – zu gelingenden Beziehungen beitragen können.

Im Prozess zeigt sich, dass Bilder vom Lieblingsmenschen eng mit biografischen Erfahrungen verknüpft sind. Gleichzeitig bringt die Methode Werte ins Bewusstsein, die für Beziehungs- und Lebensentscheidungen leitend sind. Sie hilft, verdeckte Wertekonflikte (z.B. Loyalität vs. Selbstfürsorge) sichtbar zu machen. Die Person entdeckt im Bild ihres Lieblingsmenschen nicht nur Projektionsflächen für Wünsche, sondern auch Spiegelungen des eigenen Selbstbildes, familiärer Prägungen und ihrer inneren Anteile. Das Bild des Lieblingsmenschen ist zugleich Ideal, Spiegel sowie Resonanzraum für das eigene Selbstbild und eröffnet so eine Brücke zwischen Fremd- und Selbstwahrnehmung. Die Methode sensibilisiert dafür, wie kulturelle und familiäre Menschenbilder die Vorstellung vom „Lieblingsmenschen“ formen. Coaches können hier helfen, aufzudecken, ob es sich um internalisierte alte Muster oder um zukunftsgerichtete eigene Werte handelt.

Das Tool wirkt transformativ, indem es von einer Projektion („Mein Lieblingsmensch hat folgende Eigenschaften.“) zu einer Handlungsorientierung führt („Welche Beziehungen will ich künftig pflegen, welche Grenzen setzen, welche Netzwerke suchen?“).

Die Grafik zeigt den Umriss eines Menschen mit ausgebreiteten Armen und fragt nach dessen Charakter, Verhaltensweisen und Werten.

Ausführliche Beschreibung

Im Laufe der eigenen Entwicklung, des individuellen biografischen Reifungsprozesses, verändern sich Vorstellungen davon, was einen Lieblingsmenschen ausmacht. Diese Entwicklung ist häufig mit Erfahrungen verbunden, die von tiefer Enttäuschung bis zu größter Freude reichen. Beides sind wertvolle Quellen für die persönliche Reifung und helfen bei der Erkennung von Kriterien für gute Beziehungen und von Kriterien für die Herausbildung des „Lieblingsmenschen“.

Meist existiert der so konstruierte Lieblingsmensch nicht vollständig in unserem gegenwärtigen Umfeld. Viele Klientinnen und Klienten stellen bei dieser Übung fest, dass kaum eine Person alle gewünschten Werte und Eigenschaften vereinen kann – wobei gerade diese Erkenntnis klärend wirkt. Denn jede Beziehung hat sowohl bereichernde als auch herausfordernde Seiten. Jede Entscheidung für Nähe oder Bindung schließt immer auch anderes aus.

Mitunter schätzen wir an anderen Menschen v.a. das Vertraute: dass sie uns in unseren Gewohnheiten bestätigen oder unsere Sichtweisen teilen. Dadurch bleiben wir oft in Mustern, die uns Sicherheit geben, aber wenig Entwicklung erlauben. Es kann daher bereichernd sein, sich bewusst auch mit Menschen zu umgeben, die uns irritieren oder zum Nachdenken anregen – denn genau dort entsteht häufig persönliches Wachstum.

Denn wir möchten uns zwar weiterentwickeln, doch zugleich das Vertraute bewahren. Es braucht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Veränderung und Beständigkeit. Ein offener Blick auf die eigenen – oft unbewussten – Erwartungen und Wünsche hilft, diese kritisch zu prüfen: Entsprechen sie wirklich den eigenen Zielen und Bedürfnissen oder stammen sie noch aus früheren Lebensphasen? In diesem Prozess begegnen Personen sowohl ihrem Selbstbild als auch dem Bild, das andere von ihnen haben. Eine Frage, die hier besondere Einsichten ermöglicht, lautet: „Wie bist du ein wenig nachsichtiger und verständnisvoller dir selbst gegenüber geworden?“ Denn häufig stehen das Idealbild, das wir von uns selbst haben, und das Bild, das wir bei anderen hervorrufen möchten, in engem Zusammenhang – was selten zu echter innerer Zufriedenheit führt. Menschen versuchen oft, das eigene Idealbild nach außen zu vermitteln. Das ideale Selbstbild und das reale Selbstbild stehen als intrapsychisches Spannungsfeld im Fokus. Es ist Ziel dieser Methode, die Klientinnen und Klienten dabei zu unterstützen, nachsichtiger und verständnisvoller mit sich selbst zu werden, um Selbst- und (störende) Fremdbilder und Zuschreibungen zu erkennen. Deshalb wird hier mit „konstruktiver Unterstellung“ als Impuls/Irritation gearbeitet.

Übungsanleitung

Der Coach leitet die Klientin bzw. den Klienten zu folgender Übung an:

  • Reflexion: Denken Sie in Ruhe darüber nach, welche Werte, Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen Ihren (potenziellen) Lieblingsmenschen auszeichnen. Welche Art von Beziehung, Freundschaft oder Nähe tut Ihnen gut? In welchen Momenten haben Sie sich besonders inspiriert, gestärkt oder angenommen gefühlt?
  • Schreiben: Erstellen Sie eine Liste der Merkmale, die Sie an einem Lieblingsmenschen schätzen. Dabei hilft es, an konkrete Situationen zu denken, in denen Sie sich dank einer Person geborgen, unterstützt oder auch zu persönlichem Wachstum herausgefordert gefühlt haben. Notieren Sie außerdem, welche Formen von Austausch, Unterstützung sowie welches Maß an Nähe und Distanz für Sie bedeutsam sind.
  • Anwenden 1: Tauschen Sie sich zum Abschluss mit einer anderen Person darüber aus, welche Werte und Eigenschaften Ihnen beiden in Beziehungen besonders wichtig sind. Welche Gemeinsamkeiten stellen Sie fest? Wo zeigen sich Unterschiede? Welche Schlüsse ziehen Sie daraus für Ihre eigene Beziehungsgestaltung? Dieser intersubjektive Austausch, das Explizieren eigener (und fremder) Präferenzen im Miteinander, schärft das Bewusstsein für eigene Werte, Bedürfnisse und Ressourcen.
  • Anwenden 2: Im Coaching werden die gewonnenen Erkenntnisse systematisch  reflektiert.

Hinweise für Coaches

In der Begleitung der Klientin bzw. des Klienten beherzigt der Coach folgende Aspekte:

  • Rahmen schaffen: Der Coach sorgt für eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der die gecoachte Person offen über prägende Beziehungen und ideale Eigenschaften sprechen kann. Er erläutert den Zweck der Übung (Bewusstwerden wichtiger Beziehungsaspekte) und gibt Raum für Nachdenken und Nachfühlen. Stillephasen in begleiteter Introspektion sind wünschenswert.
  • Hilfestellung bieten: Falls der Klientin bzw. dem Klienten das Antworten schwerfällt, hilft der Coach mit gezielten Nachfragen. Beispielsweise bittet er sie/ihn, an konkrete Personen zu denken: „Wann hast du dich zuletzt richtig wohl bei jemandem gefühlt – was genau trug dazu bei?“ Oder: „Gab es eine Person, die dich positiv herausgefordert hat – was machte diese Person aus?“ Solche Anknüpfungen an reale Erfahrungen erleichtern das Benennen von wichtigen Eigenschaften.
  • Emotionen aufgreifen: Die Reflexion über den Lieblingsmenschen kann gemischte Gefühle auslösen – von Dankbarkeit bis Enttäuschung. Sollte die gecoachte Person feststellen, dass niemand im Umfeld dem Ideal entspricht, betont der Coach einfühlsam, dass dies normal ist (jeder Mensch hat Stärken und Schwächen). Er hebt hervor, wie wichtig diese Erkenntnis ist. Sie bildet die Basis, um realistischer und zugleich bewusster an Beziehungen heranzugehen.
  • Transfer fördern: Der Coach ermutigt sein Gegenüber, aus den Ergebnissen konkrete Schritte abzuleiten. Was könnte die Klientin bzw. der Klient tun, um mehr von den gewünschten Qualitäten (z.B. die eigenen Werte in Gemeinschaft leben zu können) in ihr/sein Beziehungsleben zu bringen? Das kann bedeuten, bestehende Kontakte bewusster zu pflegen, in allen lebensweltlichen Bezügen neue Menschen mit ähnlichen oder komplementären Werten kennenzulernen oder auch die eigenen Erwartungen zu überdenken. Dabei geht der Coach auch auf die ergänzende Frage ein: „Wie bist Du nachsichtiger und verständnisvoller Dir selbst gegenüber geworden?“ – oft liefert diese Reflexion Hinweise darauf, wie wir unsere Erwartungen an uns und andere neu justieren können.
  • Austausch anregen: Im Gespräch (z.B. im Coaching selbst oder mit einer vertrauten Person) entstehen zusätzliche Einsichten. Der Coach kann hier als Dialogpartner dienen oder die Klientin bzw. den Klienten dazu anregen, sich mit einem nahestehenden Menschen auszutauschen. Durch den Vergleich der gegenseitigen Vorstellungen (Schritt „Anwenden“) erkennt der Klient/die Klientin Gemeinsamkeiten und Unterschiede und kann seine/ihre Perspektive erweitern. Effekte davon können sein: eine bewusste und handlungsleitende Fokussierung auf individuell Wesentliches und so auf Dauer ggf. eine Transformation jener Lebensbereiche, in denen das erwünscht ist.

Mit diesen Impulsen begleitet der Coach Klientinnen und Klienten dabei, klarer zu definieren, was in Beziehungen wirklich wichtig ist – und wie sie diese Erkenntnisse sowohl in der eigenen Haltung als auch im sozialen Umfeld aktiv umsetzen können. Coaching wird in diesem Verständnis zu einer „ressourcenorientierten Autonomieermöglichung“ (Zimmermann 2024, S. 13), die durch Reflexion und Resonanz neue Sichtweisen eröffnet. Die Methode Lieblingsmensch folgt diesem Prinzip, indem sie anregt, das Bild eines idealisierten Anderen nicht als feststehendes Konstrukt, sondern als Spiegel der eigenen Entwicklungs- und Beziehungsmuster zu betrachten.

Mögliche Fragen und ihre potenzielle Wirkung

Welchen Filmcharakter, Superhelden oder fiktiven Charakter würden Sie gern in Ihrem Team oder an Ihrer Seite wissen?

Die Frage lädt zu einer lockeren, fantasievollen Vorstellung ein und kann gleichzeitig indirekt zum realen Lieblingsmenschen der Person hinführen, indem klar wird, welche Werte, Wesenszüge, Eigenschaften, Ressourcen wirklich wichtig sind.

Was müsste Ihr Lieblingsmensch tun, um nicht mehr Ihr Lieblingsmensch zu sein?

Vielen Menschen fällt es leichter, zu benennen, was sie nicht wollen, als klar auszusprechen, was sie wollen. Indem die Klientin bzw. der Klient über Verhaltensweisen nachdenkt, die den eigenen Lieblingsmenschen quasi „entthronen“ könnten, erkennt man auf indirektem Weg, was  einem in Beziehungen (beruflich und privat) wirklich wichtig ist. Über das Ausschlussprinzip lassen sich positive Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Werte, Eigenschaften oder Taten den Lieblingsmenschen ausmachen sollen. Werte sind in allen Kontexten und Lebensbereichen handlungsleitend. Eine Beschäftigung damit lohnt sich übergreifend. Die Kräfte, die beim Verhalten in der Arbeitswelt virulent werden, entstammen keineswegs (vermutlich sogar nur zu einem geringen Teil, je nach Problematik) aus nur der Arbeitswelt selbst, sondern aus den komplexen (weitgehend auch außer-arbeitsweltlichen) Erfahrungs- und Lernprozessen der Menschen (siehe dazu auch Kriz‘ vier Prozessebenen; Kriz, 2024 & 2027).

Wenn Sie eine Traumreise gewinnen würden, wen würden Sie mitnehmen und warum?

Den Klienten bzw. die Klientin gedanklich in ein freudiges Szenario zu versetzen, lenkt den Fokus auf positive Aspekte einer potenziellen Begleitperson und darauf, was er/sie an einem Menschen schätzt, mit dem er/sie gern Glücksmomente teilen würde – höchstwahrscheinlich Qualitäten, die auch seinen tatsächlichen Lieblingsmenschen auszeichnen. So können die Werte und Bedürfnisse sichtbar gemacht werden, die der Klient bzw. die Klientin in Beziehungen sucht. Auch wenn der arbeitsweltliche Rahmen häufig zunächst als Anlass eines Coachings expliziert wird, wird meist rasch klar, dass es sich um Lebenswelt übergreifende Denk- und Handlungsmuster handelt, die einer Reflexion bedürfen. Insofern ist klar, dass im Life-Coaching eher biografische Erfahrungen und deren affektiv-emotionale Bedeutungen im Fokus stehen, während im arbeitsweltlichen Coaching auch funktionale Aspekte von Rollen, Strukturen, Machtverhältnisse zum Thema werden.

Wann haben Sie sich wohl und gesehen gefühlt? Woran haben Sie das gemerkt?

Durch diese Reflexion wird klarer, welche Bedürfnisse Klientinnen und Klienten in Beziehungen haben und welche Eigenschaften eine andere Person mitbringen muss, damit sie sich angenommen fühlen. Nicht zuletzt betont die Frage auch die Gestaltungsmacht der Klientin bzw. des Klienten: Sie/er kann bewusst auswählen, in welchen Kontexten und mit welchen Menschen sie/er sich umgibt.

Wie müsste sich Ihr Lieblingsmensch in einer bestimmten Situation verhalten, damit er auch in dieser Situation Ihr Lieblingsmensch bleibt?

Dieser Impuls öffnet die Tür zu individuellen Selbst- und Fremdzuschreibungen und tiefer liegenden Erwartungshaltungen. Die Frage ist besonders wirksam, da sie nicht abstrakt bleibt, sondern in eine konkrete Entscheidungssituation hineinführt. Werte zeigen sich besonders dann, wenn sie unter Druck geraten – und genau an solchen Punkten wird die Vorstellung vom „Lieblingsmenschen“ auf die Probe gestellt. Die Effekte von Selbst- und Fremdattribution werden dann ebenso aufgezeigt wie die von individuellen ((un-)bewussten) Erwartungshaltungen.

Wie muss ich mich eigentlich selbst verhalten oder weiterentwickeln, damit ich meinem Lieblingsmenschen begegnen kann und auch er mich als Lieblingsmensch wahrnimmt?

Diese Frage regt einen Perspektivwechsel an: Der Blick wird von der äußeren Erwartungshaltung nach innen gerichtet. Es geht hier dann um Toleranz, Akzeptanz und auch um Selbstverantwortung, durchaus auch ein Reflexionspunkt mit Blick auf potenzielle persönliche Doppelmoral. Dies eröffnet eine neue Tiefe: nicht nur zu überlegen, wen wir gut finden, sondern ob wir selbst der Mensch sind, den wir uns für andere wünschen würden. In diesem Zusammenhang kann Selbstkritik wachstumsförderlich sein.

Voraussetzungen

Vorhergehende Auseinandersetzung mit den Themen Menschenbilder, Werte und Wertearbeit sowie Vorkenntnisse zu förderlichen Fragetechniken sind für die Durchführung der Übung unabdingbar.

Persönlicher Hinweis

Die Methode Lieblingsmensch wurzelt im Credo eines interdisziplinären Coaching-Verständnisses, das sich dem Perspektivenwechsel und der Integration vielfältiger Sichtweisen verpflichtet fühlt. Hierbei wird betont, dass es nicht die eine Wahrheit gibt, vielmehr gilt es, „Erklärungsansätzen, Deutungsmustern und Wertvorstellungen der Klient:innen mit bedingungslosem Respekt […] zu begegnen“ (Zimmermann 2024, S. 14). Genau dieses Verständnis bildet den Boden, auf dem das Tool Lieblingsmensch seine Wirkkraft entfaltet: Es lädt ein, unterschiedliche Perspektiven auf Beziehungen, Werte und Selbstbilder zu erkennen, zu würdigen und miteinander in Resonanz zu bringen.

So wird das Bild des Lieblingsmenschen nicht als fixe Projektion verstanden, sondern als Spiegel und Entwicklungsraum. Wer sich damit auseinandersetzt, entdeckt in der Beschreibung des Anderen zugleich Facetten des eigenen Selbstbildes, der eigenen biografischen Prägungen und Beziehungsentwürfe. Es geht damit nicht um eine „richtige“ Definition des Menschen, sondern um das bewusste Erkennen der Vielfalt möglicher Perspektiven. Die Methode Lieblingsmensch steht somit exemplarisch für das, was Coaching im interdisziplinären Verständnis leisten kann: das Üben von Perspektivenvielfalt als Weg zu Selbstverstehen, Beziehungskompetenz und innerer Klarheit.

Literatur

Kriz, J. (2024). Impulse aus der personzentrierten Systemtheorie – „Angemessene Verstörung“ als Essential für Wandlungsprozesse im Coaching. In M. Zimmermann (Hrsg.), Coaching – zum Wachstum inspirieren. Ein interdisziplinäres, integratives Handbuch (S. 307–331). Heidelberg: Carl-Auer.

Kriz, J. (2017). Subjekt und Lebenswelt. Personzentrierte Systemtheorie für Psychotherapie, Beratung und Coaching. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Ponzelar, G. (2018). Menschenbild und Subjektkonstitution: Zum Zusammenhang von symbolischer Ordnung und Subjektentwicklung. Berlin: LIT.

Zimmermann, M. (2026). Fragen im Coaching-Prozess – Stupser für Perspektivenwechsel. In M. Zimmermann & J. Wunder (Hrsg.), Du bist die Methode. Professionell Coachen durch Interdisziplinarität und Perspektivenreichtum. Heidelberg: Carl-Auer.

Zimmermann, M. (2024). Einleitung. In M. Zimmermann (Hrsg.), Coaching – zum Wachstum inspirieren. Ein interdisziplinäres, integratives Handbuch (S. 9–34). Heidelberg: Carl-Auer.

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