Verbreitung und Ursachen von Coaching-Abbrüchen

„Ich glaube, der kommt nicht mehr ...“

Verbreitung und Ursachen von Coaching-Abbrüchen
© Foto: Liderina/Shutterstock.com

Freiwilligkeit gilt als Voraussetzung eines erfolgreichen Coachings. Dieser Aspekt umfasst sowohl die freie Entscheidung, ein Coaching zu beginnen, als auch die Möglichkeit, es jederzeit beenden zu können. Bricht ein Klient sein Coaching vorzeitig ab, so bedeutet dies aufseiten des Coachs nicht nur finanzielle Einbußen. Häufig bleiben wichtige Fragen offen, was Evaluation und Selbstreflexion erschwert. Mit den hier vorgestellten Studien wurde der Verbreitung und den Ursachen von Coaching-Abbrüchen auf den Grund gegangen. 

Klienten in Psychotherapien und Coachings brechen immer wieder die Zusammenarbeit mit ihren Psychotherapeuten und Coaches ab. Während für den psychotherapeutischen Kontext bereits Metaanalysen zu dieser Thematik existieren (z.B. Wierzbicki & Pekarik, 1993), sind Coaching-Abbrüche weitestgehend unerforscht geblieben. Doch Coaching-Abbrüche können für Coaches, Klienten und Organisationen unangenehme Konsequenzen haben. Coaches erleiden durch Coaching-Abbrüche unter Umständen Verdienstausfälle und können sich in ihrem beruflichen Selbstwert angegriffen fühlen. Klienten verzichten durch einen Abbruch auf eine Bearbeitung ihrer Ziele und die vielen positiven Konsequenzen, die abgeschlossene Coachings haben können (siehe dafür z.B. die Metaanalyse von Theeboom et al., 2013). Organisationen müssen durch einen Abbruch auf den Return on Investment ihrer bisher getätigten Coaching-Investitionen verzichten.

Da das Thema bisher nicht erforscht wurde und eine hohe praktische Relevanz zu besitzen scheint, wurden Coaching-Abbrüche und deren Ursachen in zwei Studien untersucht. In der ersten Studie wurden mögliche Ursachen qualitativ exploriert. In der zweiten Studie wurde die Verbreitung von Abbrüchen und deren Ursachen quantitativ erhoben und abgebrochene Coachings mit nicht abgebrochenen Coachings verglichen. Die Ergebnisse wurden in der von der amerikanischen Psychologenvereinigung herausgegebenen Zeitschrift „Consulting Psychology Journal: Practice and Research“ veröffentlicht (Schermuly, 2018) und sollen in diesem Artikel für ein deutsches Publikum zusammengefasst dargestellt werden.

Definition von Coaching-Abbrüchen

Die Erschließung eines neuen Forschungsfelds macht es im ersten Schritt notwendig, dieses zu definieren, was im Folgenden getan werden soll. Arbeiten Klienten mit einem Coach zusammen, dann schließen sie in der Regel zwei Arten von Verträgen ab (Rauen, 2008). Im psychologischen Vertrag wird festgelegt, welche Ziele im Coaching erreicht werden sollen. Der förmliche Vertrag definiert u.a. die Anzahl der vereinbarten Coaching-Sitzungen. Ein Abbruch liegt nur vor, wenn beide Verträge nicht eingehalten werden (siehe Tabelle 1).

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