Führungskräfte-Coaching

Ein unterschätztes Potenzial für das Betriebliche Gesundheitsmanagement?

Führungskräfte-Coaching
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Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz ist ein hochaktuelles Thema, das zunehmend als Anforderung moderner Führungsarbeit verstanden wird. Schließlich sind es die Führungskräfte, die – nicht nur aufgrund ihrer Vorbildfunktion – einen wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter haben. Folglich muss gefragt werden: Welchen Beitrag kann Führungskräfte-Coaching zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement leisten? Inwieweit wird es in Unternehmen bereits gesundheitsbezogen eingesetzt?

Führungskräfte im Kontext der Gesundheit im Unternehmen

Führungskräfte stehen in der sich wandelnden Arbeitswelt vor großen Herausforderungen wie dem Demografischen Wandel, dem Fachkräftemangel, der Verdichtung von Arbeitsprozessen sowie einer Zunahme psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz (Gerardi et al., 2014).

Als Vorbilder für ihre Mitarbeiter und Gestaltende der Rahmenbedingungen von Arbeit nehmen Führungskräfte bei der Bewältigung dieser Entwicklungen eine zentrale Position ein und gelten als kritischer Erfolgsfaktor für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). Dieses kann als Dachorganisation aller Handlungsfelder, die das Thema „gesunde Arbeit“ berühren, verstanden werden (Uhle & Treier, 2015). Es verankert Gesundheit als betriebliches Ziel unter Inanspruchnahme von Managementstrategien (Faller, 2012). Oberziel ist dabei die Erreichung einer Win-win-Situation, bei der die Beschäftigten an Gesundheit gewinnen und damit einhergehend die Profitabilität des Unternehmens steigt (Kaminski, 2013). Die Kombination aus Einbindung der Beschäftigten und einem authentischen und nachhaltigen Engagement der Führungskräfte für ein erfolgreiches BGM stellt Badura (2001) als dessen Kernelemente heraus.

Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen konnten zeigen, dass Führungskräfte einen großen Einfluss auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter haben, und belegen den Einfluss „gesunder Führung“ auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Belegschaft (u.a. Gerardi et al., 2014).

Gesundheit im Kontext der Arbeitswelt wird einerseits durch gesunde Beziehungen zwischen Führungskraft und Mitarbeitern gefördert, die durch Vertrauen, Respekt, Wertschätzung und Gerechtigkeit gekennzeichnet sind. Andererseits müssen die Rahmenbedingungen der Arbeit den Mitarbeitern Transparenz (Verstehbarkeit), Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit vermitteln und ihnen Entscheidungsräume und Gestaltungsmöglichkeiten zugestehen (Ducki, 2012). Zudem fungieren Führungskräfte als Vorbilder, weshalb ihre (gesundheitsbezogene) Selbstführung nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer Mitarbeiter beeinflussen kann. Das Konzept des Health oriented Leadership umfasst daher über die Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen und Interaktion zwischen Führungskraft und Mitarbeitern hinaus auch die Vorbildwirkung der Führungskraft (Franke & Felfe, 2011).

Sind die Faktoren Vorbildfunktion, Beziehungsgestaltung und Rahmenbedingungen der Arbeit positiv ausgefüllt, können Mitarbeiter besser mit Stressoren umgehen und hohe Anforderungen zu anregenden Herausforderungen werden (Demerouti & Bakker, 2011).

Badura et al. (2013) veranschaulichen die Wirkungen dieser Bedingungen im Treiber-Indikatoren-Modell, welches die Auswirkungen von Arbeits- und Organisationsmerkmalen (Treibern) auf Befinden und Leistungsfähigkeit von Erwerbstätigen beschreibt (Tintor, 2014). Die Treiber wirken sich auf die Entstehung von Früh- und Spätindikatoren aus. Die Indikatoren haben Ergebnischarakter (Uhle & Treier, 2015). Dabei weisen Frühindikatoren im Sinne eines Frühwarnsystems darauf hin, ob sich Prozesse in die erwünschte Richtung bewegen. Sie zeigen gesundheitsbezogenen Interventionsbedarf an und können wiederum als Treiber für die Entstehung von Spätindikatoren wirken (Tintor, 2014). Die Treiber stellen in diesem Modell wichtige Stellhebel dar, um durch Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen negative Auswirkungen auf Früh- und Spätindikatoren zu verhindern. Sie sind der Nährboden einer gesunden Organisation (Uhle & Treier, 2015).

Coaching ist ein häufig eingesetztes Instrument der Führungskräfteentwicklung, das Führungskräfte bei der Bewältigung ihrer Aufgaben unterstützen und ihre Führungskompetenzen erhöhen soll. Bei einer gegenüberstellenden Betrachtung von Coaching und BGM im Hinblick auf deren elementare Grundsätze, Ziele und Handlungsweisen fallen zahlreiche Parallelen auf (siehe Tabelle). Diese geben Anlass zu der Annahme, dass Führungskräfte-Coaching sich sinnvoll und zielführend als gesundheitsförderliches Instrument in Unternehmen integrieren lassen kann und ein Potenzial für den Erfolg des BGM darstellt.

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