Der Abschluss eines Coachings

Was ist zu beachten?

Der Abschluss eines Coachings
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Der Fokus vieler Publikationen richtet sich – und dies ist gut begründet – auf den Anfang eines Coaching-Prozesses und damit auf Aspekte wie die Auftrags- bzw. Zielklärung, die für das Gelingen der anschließenden Begleitung maßgeblich sind. Aber auch die Gestaltung des Endes eines Coaching-Prozesses verdient Aufmerksamkeit, denn hier können ebenfalls Potenziale ungenutzt bleiben oder gar Fehler geschehen, die negative Folgen für die Klientinnen und Klienten nach sich ziehen können.

Ein definitorisches Merkmal des Coachings besteht darin, dass es sich um eine zeitlich begrenzte Begleitung der gecoachten Person handelt. Der Grund hierfür ist simpel: Es soll verhindert werden, dass eine zunehmende Unselbstständigkeit entsteht. Im Gegenteil: Stattdessen sollen die Selbstmanagementfähigkeiten der Klientinnen und Klienten gefördert werden. Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre Herausforderungen eigenständig meistern zu können. Der Coach wird somit im Idealfall abkömmlich. (Rauen, 2014)

Nach den Ergebnissen der Coaching-Marktanalyse 2021 (Rauen, 2021) umfasst ein Coaching-Prozess im Durchschnitt – Vor- und Nachbereitung der Sessions nicht eingerechnet – 13,46 Stunden. Was gilt es zu beachten, wenn das Erreichen der vereinbarten Stundenanzahl näher rückt und der Abschluss eines Coachings ansteht (oder ein Coaching vorzeitig beendet wird)? Im Folgenden soll ein knapper Überblick einiger wichtiger Aspekte vorgenommen werden.

Evaluation

Die Evaluation erfolgter Coachings ist zentraler Bestandteil der von Coaches durchgeführten Qualitätssicherung. Um ihre Coachings zu evaluieren, setzen sie überwiegend auf Abschlussgespräche, wie die Coaching-Marktanalyse 2021 zeigt (Rauen, 2021). Die Prüfung der Zielerreichung ist laut den Ergebnissen der Analyse in 94,30 Prozent der Fälle Gegenstand der Evaluation eines Coachings. Sie steht damit an erster Stelle. Es folgen – mit ebenfalls recht hohen Werten –  die generellen Veränderungen durch das Coaching (81,20 Prozent) und der Coaching-Prozess selbst (80,34 Prozent).

Zunächst sei angemerkt, dass neben der abschließenden Evaluation auch eine regelmäßige Zwischenevaluation des Erreichten im Verlauf des Prozesses oder im Rahmen jeder Sitzung sinnvoll sein kann. Lindart (nach Ebermann, 2022, S. 17) führt in diesem Kontext an, dass der Blick auf die bereits erzielten (Teil-)Erfolge auf Klientenseite dem „Vertrauen in den Coaching-Prozess sowie in die eigenen Veränderungsmöglichkeiten“ zugutekommen könne. Somit gehe es beim Thema Evaluation auch um Ressourcenorientierung.

Diese Logik kann auf die Abschlussevaluation übertragen werden. Sie stellt daher nicht „nur“ eine Qualitätssicherungsmaßnahme dar, die dem Coach hilfreiche Informationen hinsichtlich der Gestaltung zukünftiger Coachings liefern soll. Die Evaluation der abschließenden Zielerreichung kann darüber hinaus für den Erfolg des jeweiligen Coachings selbst relevant sein, denn: Die nochmalige Wahrnehmung der Erfolge kann das Selbstwirksamkeitsempfinden der Klientinnen und Klienten stärken und somit zur nachhaltigen Sicherung der Entwicklungsschritte und zu ihrer weiteren Überführung in den (Berufs-)Alltag beitragen. Nach Rauen (2014) erfolgt eine Veränderung im Zuge eines Coachings oft schleichend, sodass der Klient bzw. die Klientin sich der vollzogenen Entwicklung am Ende des Prozesses nicht zwingend bewusst ist. Die schriftliche Protokollierung des Coachings einschließlich der festgelegten Ziele sowie messbarer Erfolgs- bzw. Qualitätskriterien sei hinsichtlich der Evaluation von Vorteil.

Im Rahmen der Abschlussevaluation sollte jedoch nicht ausschließlich auf realisierte Erfolge geblickt werden. Ebenfalls bietet es sich an, der Frage nachzugehen, welche Themen eventuell offen geblieben sind. Schermuly (nach Ebermann, 2021, S. 15) weist auf die Problematik im Coaching angestoßener Inhalte hin, die z.B. aus Zeitgründen unbearbeitet bleiben: „Es kann dann sein, dass der Klient bzw. die Klientin mit offenen, möglicherweise schmerzhaften Themen umgehen muss, ohne dabei durch einen Coach begleitet zu werden.“ Aus der Forschung, so Schermuly weiter (ebd., S. 16), sei bekannt, dass sich ein sogenanntes „Themenhopping“ ungünstig auswirken könne, „denn viele Themen werden dann nur angerissen, aber nicht tiefer bearbeitet“.

Sind im Coaching tatsächlich Themen offen geblieben oder weitere Entwicklungsbedarfe ausfindig gemacht worden, so können Coach und Klient/in gemeinsam erörtern, ob eine professionell begleitete Bearbeitung dieser sinnvoll und gewünscht ist. Dies sollte nicht als Akquise-Tool verstanden werden. So sind neben der Frage, ob ein Bedarf besteht, auch folgende Fragen von Neuem zu beantworten: Welches Beratungsformat (Coaching, Training etc.) ist für die Bearbeitung des Anliegens am besten geeignet? Durch wen kann und soll die Begleitung ggf. erfolgen? Kurz gesagt: Die Passung ist erneut zu prüfen.

Apropos Passung: Die im Coaching sehr bedeutende Arbeitsbeziehung zwischen Coach und Klient/in ist mit einem Wert von 53,56 Prozent vergleichsweise selten Teil der Evaluation, wie aus der Coaching-Marktanalyse 2021 (Rauen, 2021) hervorgeht. Hier besteht durchaus Nachholbedarf.

Weiterführende Informationen zum Thema Evaluation finden Interessierte beispielsweise auf der Homepage bzw. im Kompendium des Deutschen Bundesverbands Coaching e.V. (DBVC).

Nachverfolgung des Transfers

Wie kann vermieden werden, dass realisierte Entwicklungsschritte verpuffen, sobald die gecoachte Person den sicheren Raum des Coachings verlässt und sich im Alltag bewähren muss, ohne parallel durch einen Coach begleitet zu werden? Wie ist also Nachhaltigkeit zu sichern? Zusätzlich zur Evaluation, die am Ende des eigentlichen Prozesses stattfinden sollte, können Coach und Klient bzw. Klientin einen weiteren Termin vereinbaren, der mit einigem zeitlichen Abstand zum Coaching stattfindet. Der Sinn dieses Vorgehens besteht darin, den Transfer des im Coaching Gelernten bzw. der vollzogenen Entwicklung in den (Berufs-)Alltag zu reflektieren und Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Im Interview mit dem Coaching-Magazin (Ebermann, 2022, S. 17) führt Lindart mit Blick auf seine Klientinnen und Klienten aus: „Meiner Erfahrung nach bleiben sie gedanklich länger am Ball, wenn es einen vereinbarten Zeitpunkt in der Zukunft gibt, an dem erneut auf das Erreichte geblickt wird.“

Fortlaufende Pflichten

Nicht zuletzt sollte jedem professionellen Coach klar sein, dass Pflichten, die zum Wohle des Klienten bzw. der Klientin (oder auch der beauftragenden Organisation) während des Coachings einzuhalten sind, selbstverständlich auch über die Dauer des Coachings hinaus fortbestehen. Was bedeutet das im Einzelnen?

Der im Februar 2016 von der Association for Coaching (AC) und dem European Mentoring & Coaching Council (EMCC) ins Leben gerufene Global Code of Ethics (GCoE), der die Sicherung von Qualitätsstandards in Coaching, Mentoring und Supervision fördern soll, gibt hierzu Auskunft. Folgt man den Ausführungen (GCoE, 2021, S. 7), so umfassen die fortbestehenden Pflichten eines Coachs die „Wahrung der Vertraulichkeit aller Informationen in Bezug auf Klienten und Sponsoren mit sorgfältigem und ethischem Umgang mit vertraulichen, persönlichen oder anderen Daten.“ Zu vermeiden sei zudem jegliches Ausnutzen der früheren beruflichen Beziehung, das der Professionalität oder Integrität der Berufsgemeinschaft schaden könnte, wie aus dem GCoE eher schwammig hervorgeht. Auch die „Durchführung aller vereinbarten Folgeevaluierungen oder -maßnahmen“ ist als fortlaufende Pflicht im Code festgehalten.

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Schlussbemerkung

Zu Beginn eines Coaching-Prozesses bzw. in dessen Vorfeld gilt es, erfolgsrelevante Weichen zu stellen, um mit der gemeinsamen Arbeit auf ein gutes Fundament aufbauen zu können. Der Abschluss eines Coachings verdient grundsätzlich dieselbe Aufmerksamkeit: Anhand der Schlussevaluation – insbesondere der Feststellung der Zielerreichung und der vollzogenen Fortschritte – sowie im Rahmen einer späteren Nachverfolgung des Praxistransfers kann zur nachhaltigen Sicherung der Erfolge beigetragen werden. Es kann sich daher auch über die ohnehin notwendige Qualitätssicherung hinaus lohnen, diese Schritte zu gehen.

Rauen (2021) merkt kritisch an, dass Coaches eher selten auf Evaluationsbögen oder strukturierte Verfahren der Qualitätssicherung setzen. Es seien, wie aus den Ergebnissen der Coaching-Marktanalyse 2021 gefolgert wird, insgesamt wenig standardisierte bzw. etablierte Prozesse der Qualitätssicherung erkennbar. Folglich sei eine systematischere Herangehensweise an die Evaluation, die bisher vor allem in mündlicher Form erfolgt, wünschenswert. Es besteht demnach noch Optimierungspotenzial.

Weshalb kann eine strukturierte Herangehensweise vorteilhaft sein? Greif und Jonas (2021, S. 348) stellen den Wert einer Coaching-Evaluation, die „lediglich auf informellen Bewertungen beruht“, in Zweifel und begründen dies wie folgt: „Coaching fördert in der Regel die Entwicklung einer vertrauensvollen persönlichen Beziehung. Das macht es für die Coaches leicht, positives Feedback zu erhalten.“ Ein zur Anwendung im Coaching entwickeltes Evaluationsmodell finden Interessierte in Greif und Jonas (ebd.).

Letztlich haben Coaches bei der Evaluation viele Gestaltungsmöglichkeiten. Erhebungen via Online-Fragebogen können beispielsweise zu anderen Ergebnissen führen als Befragungen, die der Coach im persönlichen Gespräch selbst durchführt. Findet eine Befragung sechs Monate nach einem Coaching statt, können sich die Schilderungen von den Eindrücken unterscheiden, die kurze Zeit nach Coaching-Abschluss entstanden sind. Auch die Themen, die man nicht erfragt, beeinflussen das entstehende Bild. Zudem ist in Betracht zu ziehen, dass der Auftraggeber eines Coachings dessen Ergebnis möglicherweise anders beurteilen wird als der Klient bzw. die Klientin, sodass es sinnvoll sein kann, ein Abschlussgespräch auch in der Dreieckskonstellation zu führen. Coaches sollten sich darüber bewusst sein, wie die Gestaltung der Evaluation das Gesamtbild und dessen Aussagekraft beeinflussen kann, um dieses für sich stimmig einordnen zu können.

Literatur