Emotionen im Coachingprozess

Business-Coachs und ihre Ansätze im Umgang mit Emotionen

Emotionen im Coachingprozess
© Foto: Jenny Sturm/Shutterstock.com

Emotionen nehmen einen wesentlichen Einfluss auf eine Vielzahl von Aspekten unseres Lebens, so auch auf unsere Arbeit (Ashworth & Humphrey, 1995, Goleman, 1996), auf unsere Widerstandskraft in Krisen (Frederickson, 2003), sowie auf unsere Fähigkeit, Situationen zu analysieren und auf unsere Entscheidungsprozesse (Damasio, 1994; Caruso & Salovey, 2004). Sind Coachs oder Führungskräfte effektiver, die mit Emotionen im Coaching gut umgehen können? Internationale Coaching-Verbände, wie z.B. das ICF (International Coach Federation) fordern bereits von ihren Mitgliedern den Nachweis eines kompetenten Umgangs mit Emotionen im Coaching. Katina Cremona, Executive Coach und Consultant, setzt sich mit den folgenden Fragen in ihrer Untersuchung qualitativ auseinander: Wie gehen Coachs mit Emotionen im Coachingprozess um und welche Bedeutung schreiben sie Emotionen zu?

Neun Führungskräfte-Coachs (4 Frauen und 5 Männer) mit durchschnittlich elf Jahren Coaching-Erfahrung wurden interviewt. Ihre Coaching-Konzepte reichen von den klassischen Ansätzen wie dem systemischen Coaching, dem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Ansatz, oder dem Gestalttherapeutischen Ansatz bis hin zur Transaktionsanalyse.

Auf die Frage, wie die Coachs mit Gefühlen im Coachingprozess umgehen, fanden sich folgende Antworten:

Die häufigste Variante im Umgang mit Emotionen im Coachingprozess, ist diese wahr-genommenen Gefühle in Handlungen oder Gedanken einzubinden (z.B. „Was würde ihnen jetzt dabei helfen, aus diesem Gefühl etwas zu lernen, dieses Gefühl zu verstehen?“).

Außerdem spiegeln mehr als die Hälfte der Coachs dem Klienten die wahrgenommenen Gefühle und intensivieren ferner in solchen Momenten die Coaching-Beziehung, d.h. sie versuchen dem Klienten eine vertrauensvolle Atmosphäre anzubieten, in der diese Emotionen angesprochen werden können. Vielfach verlangsamen sie zusätzlich den Coaching-Prozess, indem sie Pausen und Schweigen einsetzen.

Während einer Coachingsitzung achtet der Großteil der befragten Coachs auf ihr eigenes emotionales Befinden sowie auf ihre Körperhaltung und bringen diese -wenn hilfreich- als zusätzlich Informationsquelle in den Prozess mit ein. Ebenso häufig werden diese in Supervisionen thematisiert.

Eine alternative Strategie im Umgang mit Emotionen besteht darin, sich an dem Sitzungsziel oder dem geschlossenen Coaching-Vertrag zu orientieren, ob sie tiefer auf die Emotionen des Klienten eingehen. Seltener greifen die hier befragten Coachs auf spezifische therapeutische oder kreative Techniken zurück oder nutzen Metaphern.

Wie die inhaltlichen Analysen des Interviews weiterhin zeigten, betrachten alle befragten Coachs Emotionen als einen wesentlichen Bestandteil und Einflussfaktor auf das Arbeitslebens und der dort erbrachte Leistung. Eine weitere Annahme besteht darin, dass individuelle Unterschiede in der Bereitwilligkeit bestehen, sich mit den eigenen Emotionen auseinanderzusetzen.

Dies gilt ebenfalls für die befragten Coachs. Auch wenn sie den Emotionen vor allem für das Führungsverhalten, die Interaktion mit Mitarbeitern und für die Leistungsmotivation eine große Bedeutung beimessen, führt dies nicht zwangsläufig zu einem offenen Umgang mit Emotionen im Coaching. Dies ist scheinbar vielmehr abhängig von dem eigenen Coaching-Konzept, aber auch von den eigenen Erfahrungen mit Emotionen. Für diese Untersuchung gilt, dass sich diejenigen Coachs mit Emotionen im Coachingprozess leichter tun, die bereits an einem psychologischen Training teilgenommen oder andere psychotherapeutische Erfahrung haben. Einen wesentlichen Beitrag scheinen aber auch die Art der Coaching-Ausbildung und die ethischen und beruflichen Grundsätze (z.B. der Coaching-Verbände) zu leisten.

Fazit: Emotionen haben einen enormen Einfluss auf unser Leben und unsere Lebensführung. Eine scheinbar triviale Aussage, die die Autorin in dieser Studie aufgreift und daraus relevante Fragen für den Coachingprozess ableitet. Ein besonderer heuristischer Nebeneffekt der Studie ist es, den Leser anzuregen, seinen eigenen Umgang mit Emotionen zu reflektieren. Wie gehen Sie mit Emotionen im Coachingprozess um? Für die befragten Coachs scheint der bewusste Umgang mit Emotionen sehr stark von der eigenen Vertrautheit mit Gefühlen abzuhängen, die vor allem durch Erfahrungen im alltäglichen Leben beeinflusst wird. Aber auch die Coaching-Ausbildung und die ethischen Grundsätze prägen die Art, Emotionen wahrzunehmen und bewusst in den Coachingprozess einzubinden. Letzteres wird bereits von internationalen Coaching-Verbänden gefordert. Sollte sich diese Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, wäre es eine zentrale Aufgabe der Ausbildungsinstitute die Sensibilität ihrer Teilnehmer in Bezug auf Emotionen zu identifizieren und inhaltlich auf Unsicherheiten und Wissenslücken einzugehen.

Kritisch anzumerken bleibt, dass angesichts der sehr kleinen und selektiven Stichprobe eine Generalisierbarkeit der Ergebnisse nicht gegeben ist. Alle befragten Coachs wiesen eigene Therapieerfahrung oder sogar eine Ausbildung in einem therapeutischen Ansatz auf. Ungeklärt bleiben die Fragen, ob Coachs ohne psychologischen Hintergrund Emotionen eine ähnliche Relevanz beimessen und welche Strategien sie im Umgang mit Emotionen im Coachingprozess präferieren.

Quelle: Cremona, K. (2010). Coaching and emotions: an exploration of how coaches engage and think about emotion. Coaching: An International Journal of Theory, Research and Practice, Vol.3, No. 1, pp. 46-58.

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