Gründer-Coaching

Coaching von Gründern im Spannungsfeld zwischen Prozess- und Expertenberatung

Gründer-Coaching
© Foto: Sergey Nivens/Shutterstock.com

Eine Existenzgründung ist kein leichtes Unterfangen. Gründer haben vielfältige Herausforderungen zu bewältigen. Um nur einige Aspekte exemplarisch anzuführen: Es gilt, sich relevantes Fachwissen anzueignen, ein nutzbringendes Netzwerk aufzubauen, Chancen und Risiken seines Vorhabens zu hinterfragen sowie eigene Stärken und Schwächen bewusst wahrzunehmen, soll ein böses Erwachen vermieden werden. Aus der Unterschiedlichkeit dieser Hürden lässt sich die Frage ableiten: Wo positioniert sich Gründer-Coaching im Spannungsfeld zwischen Prozess- und Expertenberatung? Eine Studie gibt Aufschluss.

Coaching ist inzwischen ein fester Bestandteil vieler Unterstützungsprogramme für Gründer geworden. Bislang ist allerdings nicht erforscht worden, welchen Nutzen Coaching für Gründer erfüllt und auf welche Art und Weise Gründer im Coaching beraten werden. Eine groß angelegte Studie mit Coaches und Gründern in Deutschland zeigt, dass im Gründer-Coaching sowohl Prozess- als auch Expertenberatung von Bedeutung sind und Coaches in dieser Hinsicht verschiedene Rollen einnehmen. Außerdem erzielt Gründer-Coaching Wirkungen auf den Ebenen von Reaktionen, Lernen, Verhaltenstransfer und konkreten Ergebnissen.

Einleitung

Unterstützung für Gründer nimmt einen immer höheren Stellenwert ein, so dass das Ziel, unternehmerisches Denken und Handeln zu fördern, fest im Aktionsplan 2020 der Europäischen Kommission verankert ist. Während Formate wie Training, Mentoring und klassische Start-up-Erstberatung schon seit Langem zur Förderung von Gründern etabliert sind (Volkmann et al., 2009), gilt Coaching als relativ neues Angebot im Gründungsbereich. Im Gegensatz zum Großteil der bestehenden Unterstützungsformate kann Coaching als individuelles Lern- und Entwicklungsformat gezielt an die Bedürfnisse der Gründer angepasst werden. Per Definition ist Coaching zielfokussiert, beziehungsorientiert und zielt darauf ab, die Selbstreflexionsfähigkeit zu fördern (Greif et al., 2018). Dementsprechend erscheint es besonders geeignet zur Unterstützung von Gründern: als Reflexionshilfe, zur emotionalen Unterstützung, zur Entwicklung einer Gründerpersönlichkeit und zur Entwicklung gründungsrelevanter Kompetenzen (Kutzhanova & Lyons, 2008).

Inzwischen wird Coaching zunehmend in Gründerzentren und Inkubatoren verankert. Gleichzeitig werden die Begriffe Coaching und fachlich orientierte Beratung – insbesondere im Gründungskontext – nicht selten synonym verwendet und machen das Beratungsangebot für Gründer intransparent. Diese fehlende Konzept- und Begriffsabgrenzung ist problematisch, da die unterschiedlichen Beratungsformate sich beispielsweise durch ihr Beratungsziel und dahinterliegende Prozesse deutlich unterscheiden und Gründern somit unterschiedlichen Nutzen bieten (Müller & Diensberg, 2011). Die in der Praxis fehlende Abgrenzung spiegelt sich auch in der Forschung wider. Bis heute ist nicht erforscht, welche Funktionen Coaching für Gründer erfüllt und welchen Nutzen Gründer konkret erwarten können (Brinkley & Le Roux, 2018). Diese Forschungslücke ist im Rahmen vorliegender Studie geschlossen worden.

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