Synchronisation im Coaching-Prozess

Wirkungsvolles Coaching durch Kommunikation auf einer Wellenlänge

Synchronisation im Coaching-Prozess
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Dass Coaching maßgeblich auf Beziehungsgestaltung aufbaut, darf als Konsens verstanden werden. Noch nicht beantwortet sind damit hingegen die Fragen, wie eine erfolgversprechende Arbeitsbeziehung zwischen Coach und Klient aussieht, wie sie hergestellt werden kann und welche Komponenten in die dabei notwendige Kommunikation einfließen sollten. Das hier vorgestellte Kommunikationsmodell berücksichtigt bei der Klärung dieser Fragen sowohl kognitive als auch emotionale Prozesse der Informationsverarbeitung.

Im Coaching ist es wesentlich, dass der Klient sich verstanden fühlt und auch der Coach wirklich versteht, wo der Schuh seines Kunden drückt. Wirkungsvolles Coaching beruht auf gegenseitigem Verständnis. Da systemisch betrachtet zwei unterschiedliche Systeme aufeinandertreffen und jedes seine eigene Logik mitbringt, ist ein gegenseitiges kommunikatives „Einschwingen“ unabdingbar. Somit ist gelingende Kommunikation im Coaching durchaus eine Herausforderung. Das Prinzip der Synchronisation versucht diesen komplexen Kommunikationsprozess und damit auch den Beziehungsaufbau detailliert zu erklären.

Beziehung als Wirkfaktor im Querschnitt von Coaching-Ansätzen

Beziehung ist ein bedeutender allgemeiner Wirkfaktor – zumindest ist dies in der Psychotherapie als Nachbardisziplin des Coachings evident – z.B. als Working Alliance im Generic Model of Psychotherapy (Orlinsky et al., 2004). Die Bedeutung von Beziehung im Coaching wird jedoch je nach theoretischem Ansatz anders interpretiert. Unterschiede bestehen darin, inwiefern Beziehung als sich automatisch konstituierend betrachtet wird (psychoanalytisch) oder der Beziehungsaufbau aktiv erarbeitet werden muss (kognitiv-behavioral, personzentriert). Außerdem bestehen Differenzen im Grad der Symmetrie der beiden Personen und in der Bedeutung der Beziehung für die Wirksamkeit des Coachings.

Zweifelsohne prägen die personzentrierten Basisvariablen (Akzeptanz, Echtheit und Wertschätzung) einer wirksamen Therapiebeziehung viele Coaching-Schulen. In diesem Ansatz ist die Beziehung elementar notwendig und hinreichend für Veränderungen. Ein symmetrisches Miteinander, indem der Coach dem Klienten einen Rahmen ermöglicht, um sich immer weiter und angstfrei selbst zu reflektieren und zwar mit positiven wie auch negativen Seiten, ist Kern des Wirksamkeitsgedankens. Es bedarf in diesem non-direktiven Ansatz keiner weiteren Fragetechniken oder Methoden. Psychoanalytisch betrachtet dient die Beziehung als Basis für Deutungen und Übertragungsmuster auch als zentrales Diagnose- und Wirkmoment. Gemäß des kognitiv-behavioralen Coaching-Ansatzes wird die Beziehung hingegen als Mittel zum Zweck betrachtet, damit Interventionen wirken können. Auch systemische Coaching-Ansätze vertreten dieses Prinzip der Utilisation bezüglich des Beziehungszwecks, denn Systeme existieren nicht ohne Grund. Der Anlass des Coaching-Systems ist nicht der Beziehungsaufbau, sondern die Zielerreichung des Klienten (Friesenhahn, 2017).

Beziehung ist über die Ansätze hinweg außerdem ein heterogen verwendeter Begriff (z.B. als Arbeitsbündnis, Arbeitsbeziehung, Synchronisation oder Übertragungsbeziehung). Es fehlt demnach aktuell ein Beziehungsverständnis, das sich zwischen humanistischem Selbstzweck und utilitaristischem Mittel zum Zweck verorten lässt sowie konkrete Hinweise gibt, wie eine gelungene, wirksame Beziehung im Coaching aufgebaut werden kann.

Synchronisation als allgemeines Wirkprinzip im Coaching

Nach einem integrativen, nicht schulenspezifischen Ansatz kann Coaching als selbstorganisierter Problemlöseprozess betrachtet werden, bei dem gewisse Phasen mit der Berücksichtigung bestimmter Wirkfaktoren zusammenfallen. Das Ziel ist es, möglichst gute Bedingungen für die Selbstorganisation – die Hilfe zur Selbsthilfe des Klienten – zu schaffen. Das wesentliche Wirkprinzip während des gesamten Coaching-Prozesses hinweg ist das Prinzip der Synchronisation (Schiersmann et al., 2015).

Synchronisation meint die kontinuierliche, dynamische Ab- und Einstimmung zweier Personen, um sich wirklich zu verstehen. In diesem Prozess ist nicht nur Harmonie wichtig, sondern auch Krisen gehören dazu. Diese können aber durch die flexible Verbindung ausgesprochen und damit bearbeitet werden, anstatt unausgesprochen und unbewusst die Wellenlänge zu stören. Durch die bisherige Betonung von Empathie, Akzeptanz und Wertschätzung in der Beziehungsgestaltung besteht die Gefahr, dass der Coach eine „Pseudo-Allianz“ entwickelt, doch eigentlich eine innere Ablehnung von Äußerungen des Klienten empfindet. Dies kann der Klient jedoch intuitiv ebenfalls wahrnehmen. Es entsteht damit eine Doppelbotschaft, die die Synchronisation nachhaltig stört.

Außerdem ist für eine gelingende Synchronisation nicht unbedingt eine möglichst enge Beziehung anzustreben, sondern eine Anpassung beider Kommunikationsseiten. In den empirischen Ergebnissen gibt es deutliche Hinweise darauf, dass sobald der Coach eine Hypothese hat und diese fest verfolgt, der Klient aber dabei das Gefühl hat, nicht zu wissen, was er antworten soll, die Gefahr für eine Rückzugsruptur (der Klient verschließt sich noch mehr) hoch ist. Mitunter könnte es auch sein, dass das Coaching ganz abgebrochen wird, ohne explizit eine Begründung zu nennen (sog. Abbruchsruptur, vgl. Gumz, 2015). Liegt aber eine ähnliche Einschätzung der jeweiligen Faktoren von Synchronisation vor, ist Kommunikation „auf gleicher Wellenlänge“ möglich. Die Synchronisation erfordert dabei nur eine geringe Kopplungskraft, um synchron, aber nicht im völligen Gleichtakt miteinander zu arbeiten. Das verständnisvolle „Einschwingen“ ermöglicht auch Flexibilität auf beiden Seiten. Nur so können emergente Prozesse neue Muster entstehen lassen (Friesenhahn, 2017).

Faktoren interindividueller Synchronisation

Aus der Analyse bestehender Coaching-Ansätze sowie Wirkfaktorenmodelle wurden insgesamt fünf Elemente herausgefiltert, die für die gegenseitige Synchronisation im Coaching entscheidend sind und nachfolgend skizziert werden. Diese wurden zudem bereits explorativ anhand von Fallstudien untersucht und so durch empirische Erkenntnisse detailliert beschrieben, um das bisher vage Konstrukt einer Coaching-Beziehung beobachtbar, beschreibbar und trainierbar zu machen (Friesenhahn, 2017).

Emotionale Stabilität

Da Coaching-Prozesse häufig auch mit einer Phase emotionaler Aufgewühltheit einhergehen, da sich Kognitions-Emotions-Verhaltens-Muster reorganisieren, ist es wichtig, im Coaching-Setting eine emotionale Stabilität zu fördern. Durch einen wertschätzenden, verständnis- und vertrauensvollen Umgang entsteht eine Gesprächsatmosphäre, die die Coaching-Situation entsprechend rahmt und stabilisiert. Auf Basis emotionaler Stabilität können zwischen Coach und Klient z.B. negative und ärgerliche Gefühle ausgesprochen oder provokative Fragen gestellt werden. Gesprächspausen werden auch still ausgehalten, ohne dass jemand sofort unterbricht, was die Selbstreflexion fördert. Das gegenseitige Verständnis wird durch aktives Zuhören und Paraphrasieren erreicht (Rogers, 2013). Nonverbal zeigt sich das u.a. in gegenseitigem Anlächeln, aufmerksamem Blickkontakt sowie einer zugewandten und entspannten Körperhaltung. Der Coach weckt das Vertrauen des Klienten und damit auch dessen Engagement für Veränderung, u.a. durch sein kompetentes, selbstsicheres Auftreten.

Auch der Coach sollte den Klienten als kompetent für dessen Veränderungsprozess ansehen und auf dessen Fähigkeit zur Selbstorganisation vertrauen. Die gegenseitige Kompetenzanerkennung zeigt sich im Gespräch z.B. anhand von Komplimenten. Komplimente aktivieren außerdem die Ressourcen des Klienten, sodass dieser sich selbst mehr zutraut, was dessen Selbstwirksamkeit zusätzlich fördern kann und damit die emotionale Stabilität aus dem Klienten selbst heraus. So kann Unsicherheit über die anstehende Veränderung – gerade zu Beginn eines Coachings – abgefedert werden.

Empathisches Gespür

Aus Empathie, dem Prozess des sich Einfühlens, erwächst ein empathisches Gespür füreinander. Dieses Element basiert auch auf den Grundannahmen von Rogers (2013) und berücksichtigt die Bedeutung empathischer Resonanz nach dem Generic Model of Psychotherapy (Orlinsky et al., 2004).

Das empathische Gespür ist durch ein wechselseitiges Verständnis und Nachempfinden des Gefühls des Gegenübers geprägt sowie durch ein sensibles, bedürfnisgerechtes aufeinander Eingehen. Die Gefühle werden gespürt, auch ohne, dass sie explizit vom Klienten angesprochen werden. In diesem Fall zeigt sich Synchronisation auch darin, dass der Coach Gefühle verbalisiert, die der Klient noch nicht benennen kann – auch wenn diese noch am Rand der Gewahrwerdung sind. Der Coach erhält über das empathische Gespür einen Eindruck der emotionalen Befindlichkeit des Klienten und kann das bei der Auswahl seiner Interventionen nutzen. Aber auch der Klient nimmt die Stimmung des Coachs zum Teil wahr, sodass dieser seine eigenen Gefühle metakommunikativ einbringen sollte, damit nichts Unausgesprochenes vage im Raum stehen bleibt.

Die Synchronisation nonverbalen Ausdrucks gilt als Zeichen für das Verständnis des emotionalen Zustands des anderen sowie als Zeichen von Verbundenheit (Altmann, 2013). Dabei wird zwischen der gesamten Körperhaltung und der Mimik (besonders bei Empathie) unterschieden. Nonverbal kann sich also eine bestehende Synchronisation in einer gespiegelten Körperhaltung zeigen.

Passung der Interventionen

Mit Interventionen ist hier die gesamte Vielfalt von Fragetechniken bis hin zu umfangreichen Methoden (wie z.B. Aufstellungen) gemeint. Fragen können sehr unterschiedliche Intentionen beinhalten: von Interesse bis hin zur Anregung der Selbstreflexion. Neben der passenden Auswahl an Interventionen ist ebenso das Zeitgefühl im Gespräch und im gesamten Coaching-Prozess entscheidend. Der Coach benötigt ein Gespür dafür, in welcher Phase und auf welche Weise das System auf Interventionen reagiert (Strunk & Schiepek, 2014). Dies kann der Fall sein, wenn z.B. die Zeit drängt, aber noch etwas Unausgesprochenes im Raum steht. Es kann auch die Frage nach dem passenden Moment für eine konfrontative Frage sein, ohne den Klienten durch diese frühzeitig zu überfordern.

Der Klient sollte den übergeordneten Zweck einer bestimmten Methode und die Intention des Coachs verstehen, um sie als sinnvoll zu erachten. Der Sinn und die Transparenz des Vorgehens stehen hier im Fokus. Auch sollten die eingesetzten Interventionen zum Stil, der Haltung und dem Menschenbild des Coachs passen, um authentisch zu sein. Die Passung zeigt sich z.B. daran, dass der Coach sie gut und selbstsicher erklärt oder der Klient interessiert und motiviert reagiert. Ansonsten sollte der Coach über ein so breites Methodenrepertoire und eine Flexibilität verfügen, dass Interventionen variiert werden können, bis der Klient mitgehen kann.

Aufnahmebereitschaft

Zur Synchronisation ist es außerdem wichtig, dass beide Beteiligten eine offene Haltung gegenüber den Äußerungen des jeweils anderen haben und diese akzeptieren – der Coach für die Erzählungen und Fragestellung des Klienten und der Klient für die Impulse des Coachs. Je größer die Selbstöffnung ist, desto mehr Einblick bekommt das Gegenüber in die inneren Verarbeitungsprozesse. Öffnet sich z.B. der Klient mit einer zaghaften Bemerkung zunächst nur leicht, sollte der Coach dafür aufnahmebereit sowie achtsam sein und diese nicht zu schnell übergehen, sondern damit weiterarbeiten.

Für den Coach ist es wichtig, dass er aufnahmebereit für die Gefühlswelt und Perspektiven des Klienten ist sowie selbstreflexiv bleibt. Die Stimmung, Ziele, Motivation, Bedürfnisse etc. des Coachs fließen ebenso in die Synchronisation ein und müssen daher auf der Metaebene beobachtet (self-relatedness) und ggf. zur Prozesssteuerung genutzt werden (Orlinsky et al., 2004).

Verarbeitungstiefe

Die Verarbeitungstiefe beschreibt die Intensität, mit der das Coaching-Thema bearbeitet wird. Dabei geht es eher um zyklische, nicht lineare Lernschleifen. Der Coach muss also wahrnehmen, wie sehr der Klient mit seinem Anliegen und inneren Suchprozessen beschäftigt ist. Ist er z.B. bereit, die Ursache bei sich zu suchen und unangenehme Sachverhalte zu reflektieren? Die Gefühle, die diese Reflexionsprozesse begleiten, sowie die emotionale Expressivität stehen hier im Fokus. Außerdem drückt sich in der Verarbeitungstiefe aus, inwiefern der Klient in der Lage und bereit ist, das Problemempfinden nachzuerleben, um bestehende Muster verändern zu können. Durch eine entsprechende Verarbeitungstiefe können Ursachen und Zusammenhänge des Anliegens erkannt und neue Muster ausgebildet werden, die zu veränderten Perspektiven, Wahrnehmungen oder emotionalen Einschätzungen sowie Verhaltenstendenzen führen.

Fünf Elemente von Synchronisation im Coaching-Prozess

Abb.: Fünf Elemente von Synchronisation im Coaching-Prozess

Mit Blick auf die beschriebenen fünf Elemente von Synchronisation wird insgesamt deutlich, dass sie im vielschichtigen Interaktionsprozess nur analytisch voneinander getrennt werden können. In ihrer Wechselseitigkeit entstehen Synchronisationsmuster in der Kommunikation, die praktisch gleichzeitig von allen Elementen geprägt sind. Außerdem ist die Systemgrenze zwischen dem sozialen Coaching-System sowie des jeweiligen innerpsychischen Systems von Coach und Klient fließend. Daher sollten für eine gelingende Synchronisation stets die Sensibilität und Reflexion intrapsychischer Prozesse sowie die Art der Kommunikation Beachtung finden.

Die Rolle von Emotionen in der Kommunikation

Interindividuelle Synchronisation drückt sich kommunikativ aus: verbal wie auch nonverbal (Friesenhahn, 2017). Die eigenen Emotionen, die persönliche Einstellung sowie die Haltung finden damit Ausdruck in der Interaktion im Coaching. In sogenannten Mikroausdrücken werden Emotionen z.B. so schnell gezeigt, dass sie nur unbewusst wahrgenommen werden. Daher ist es nicht nur notwendig, in der Interaktion eine Synchronisation anzustreben, sondern ebenso in der eigenen Person – also intraindividuell (Friesenhahn, 2017). Gleichzeitig verlaufen diese Prozesse so schnell und so vielschichtig, dass eine rein kognitive Verarbeitung gar nicht möglich ist, sondern ebenso eine intuitive, emotionale Verarbeitung notwendig wird (Friesenhahn, 2017):

  • Emotionale Bewusstheit ermöglicht die gezielte Wahrnehmung und Reflexion eigener Gefühle, um sie aus Sicht des Coachs zur Prozesssteuerung nutzen zu können. Aus Sicht des Klienten ist hier auch eine Emotionsregulation wichtig, um sich z.B. von zu starken Gefühlen wie Angst oder Selbstzweifel nicht blockieren zu lassen.

  • Empathie als Prozess wechselseitigen Hineinversetzens (kognitiv) und Hineinfühlens (affektiv) in die Emotionen des Gegenübers ermöglicht das empathische Gespür.

  • Intuition umfasst eine holistische Wahrnehmung, die Komplexität reduziert und Details zu einem Bild integriert. Sie drückt sich in Handlungswissen (implizitem Wissen) aus, das auf Erfahrungen beruht und mit Gefühlen verknüpft ist, z.B. durch ein Gefühl der Stimmigkeit. Intuition beeinflusst die Methodenauswahl des Coachs und damit die Passung der Interventionen. Doch auch ein plötzlicher Geistesblitz des Klienten oder dessen Gefühl der Stimmigkeit eines Lösungsansatzes sind Formen von Intuition. Intuitive Urteile können unzutreffend sein, weshalb die kritische Überprüfung auf Basis expliziten Wissens nötig ist.

  • Somatische Marker, als körperbezogener Anteil von Intuition, werden umgangssprachlich als Bauchgefühl bezeichnet. Es kann sich hemmend oder fördernd, unbewusst oder bewusst auf Entscheidungen auswirken. Daher sind die Reflexion und der bewusste Einbezug zur Entscheidungsfindung nötig. Im Coaching sind sie z.B. bei der Einschätzung des Gesagten, der Erarbeitung einer Vision oder Zielklärung relevant.

Zur gelingenden Synchronisation sind somit kognitive und emotionale Verarbeitungsprozesse gleichermaßen von Bedeutung. Für ein wirkungsvolles Coaching ist es daher von Seiten des Coachs nötig, für diese Kanäle sensibel zu sein, doch ebenso den Klienten zur entsprechenden Selbstreflexion anzuregen.

Krisen gehören zum Interaktionsprozess

Da der Beziehungsbegriff eher mit Harmonie und Stabilität assoziiert wird und kein einheitliches Beziehungsverständnis vorherrscht, wurde hier das Prinzip der Synchronisation erläutert. Das Miteinander im Coaching organisiert sich selbst, ebenso wie andere Systeme durch De- und Restabilisierung (Friesenhahn, 2017). Neben dem Gefühl einer vertrauensvollen Basis sind auch Krisen im Interaktionsprozess normal und sogar notwendig, denn eine zu starke Einstimmung aufeinander würde kaum Flexibilität und Ergebnisoffenheit erlauben. Für diese komplexe Interaktion sind sowohl kognitive wie auch emotionale Informationsverarbeitungsprozesse wichtig. Weder Methodenwissen allein, noch pure Intuition oder Gefühl reichen aus. Synchronisation ist für die Wirksamkeit eines Coachings elementar und grundlegend.

Der Aufbau von Synchronisationskompetenz erfordert damit eine fundierte Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung, den Bedürfnissen und Motiven, den typischen Verhaltensweisen und die Klarheit über die eigene Wirkung als Coach. Dies ist nötig, um sich einerseits auf das Gegenüber „einschwingen“ zu können und andererseits keine Authentizität einzubüßen. Äquivalent sollten Coaches den wissenschaftlichen Kontext kennen und diesen mit Intuition und Erfahrung anreichern, sodass beides zum Expertentum verknüpft werden kann. Daher ist es wichtig, dass Weiterbildungen neben Methoden- und Fachwissen auch die Wahrnehmung für die emotional-intuitive Perspektive im Coaching sensibilisieren. Dazu gehört es zudem, sich mit der eigenen Kommunikationsweise auseinanderzusetzen. Gegenseitiges Verständnis, eine synchrone Kommunikation, ist der Schlüssel, um Selbstorganisation im Coaching zu ermöglichen und so die Problemlösung zu fördern. Dies dürfte künftig nicht nur face-to-face relevant sein, sondern auch in digitalen Formen an Bedeutung zunehmen.

Literatur

  • Altmann, Uwe (2013). Synchronisation nonverbalen Verhaltens. Wiesbaden: Springer.
  • Friesenhahn, Johanna (2017). Kommunikation als Basis wirkungsvollen Führungskräfte-Coachings. Wiesbaden: Springer.
  • Gumz, Antje (2015). Die Bedeutung von Krisen in der therapeutischen Beziehung. In Isa Sammet, Gerhard Damman & Günter Schiepek (Hrsg.), Der psychotherapeutische Prozess (S. 41–52), Stuttgart: Kohlhammer.
  • Orlinsky, David E.; Ronnestad, Michael H. & Willutzki, Ulrike (2004). Fifty years of psychotherapy process-outcome research. In Michael J. Lambert (Hrsg.), Bergin and Garfield's handbook of psychotherapy and behavior change (S. 307–389), New York: Wiley.
  • Rogers, Carl R. (2013). Therapeut und Klient. Frankfurt: Fischer.
  • Schiersmann, Christiane; Friesenhahn, Johanna & Wahl, Ariane (2015). Synergetisch beraten im beruflichen Kontext. Göttingen: Hogrefe.
  • Strunk, Guido & Schiepek, Günter (2014). Therapeutisches Chaos. Göttingen: Hogrefe.