Die Heißluftballonanalyse

Ein Coaching-Tool von Ricarda Holtmann

Die Heißluftballonanalyse
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Kurzbeschreibung

Betrachtung der aktuellen Berufs- und Lebenssituation des Klienten. Was treibt den Klienten an und was hemmt ihn gerade?

Anwendungsbereiche

Das Tool eignet sich gut für verkopfte Klienten, die über das analoge Arbeiten mehr über sich und die aktuelle Situation erfahren möchten. Zusätzlich dient das Tool ambivalenten Klienten dazu, Entscheidungen zu treffen und neue Handlungsschritte umzusetzen. Auch für klagende Klienten ist das Tool gut geeignet. Die Motivation zur Veränderung wird angeregt und kann für den wei-
teren Prozess genutzt werden.

Zielsetzung & Effekte

Mögliche Ziele sind:

  • der aktuellen Situation (beruflich/privat) bewusst werden
  • Entspannung und Erleichterung schaffen
  • unangenehme Lebensbereiche verändern
  • Stärken stärken – mehr von dem tun, was einen antreibt/motiviert
  • neue Lösungswege entwickeln

Ausführliche Beschreibung

Vorbereitung

Heißluftballon auf ein Blatt oder ein Flip-Chart malen (Ballon und Korb).

Ablauf Beispiel

Erklärung der Übung für den Klienten: „Ich würde gerne mit Ihnen ihre aktuelle Lebenssituation betrachten und habe dazu einen Heißluftballon mitgebracht. Damit dieser mit Ihnen im Korb steigen kann, brauchen wir das Feuer und gleichzeitig ein paar Sandsäcke die am Korb hängen. Wir werden im nächsten Schritt ihre Flammen und Säcke herausarbeiten.“

Einstieg: 

„Stellen Sie sich vor, Sie stehen in diesem Heißluftballon und betrachten ihre aktuelle Lebenssituation. Was treibt Sie an? Wofür brennen Sie?“ (Diese Inhalte, die der Klient benennt, schreibt er in die Flammen, die in den Ballon aufsteigen und ihn zum Fliegen bringen. z.B. mein Ehrgeiz, mein eigener Chef sein zu können, Sport, Tanzen, meine Ziele, Hobbys... – was auch
immer, hier sind keine Grenzen gesetzt. An dieser Stelle kann der Coach auch schon mögliche Glaubenssätze erfahren). Mit zirkulären und offenen W-Fragen soll der Klient seine Antreiber explorieren, benennen und aufschreiben.

Im nächsten Schritt wird geguckt, welche Situationen den Klienten aktuell belasten und ausbremsen. Diese werden in verschiedene (!) Säcke geschrieben. (z.B. der Kollege, der Hausumbau, eine Krankheit, Streit mit XY... – auch hier sind keine Grenzen gesetzt).

Nachdem die antreibenden und die belastenden Faktoren gesammelt und thematisiert wurden, geht es im nächsten Schritt darum, zu klären: Was von den Inhalten in den Flammen kann der Klient vermehren und welche Säcke kann er erleichtern oder vielleicht sogar vom Heißluftballon abtrennen? Einige Säcke sollten sich direkt am Korb befinden, die der Stabilisation dienen. Diese
Säcke können einen wichtigen Teil der Persönlichkeit darstellen.


Zusammenfassend

Der Ballon kann nur mit einer ausgewogenen Gewichtung an Flammen und Säcken fliegen. Der Heißluftballon kann kreativ weiterentwickelt werden, wie z.B.: Was gibt Ihnen Schutz? (Die Ballonhülle) Was oder wer stützt Sie? (Die Tragseite) Welche Werte und Normen zeichnen Sie und Ihre Persönlichkeit aus? (Der Weidenkorb).


Zum Ende der Methode geht es darum, weitere Handlungsschritte mit dem Klienten zu erarbeiten und festzuhalten:

  • Was waren zentrale Erkenntnisse für Sie?
  • Was nehmen Sie sich vor?
  • Wobei brauchen Sie noch Unterstützung? Und in welcher Form?

Es können sich auch Hausaufgaben für den Klienten ergeben, die in der Folgesitzung aufgegriffen werden können.

Voraussetzungen & Kenntnisse

Voraussetzungen für die Anwendung des Tools, sind Fragetechniken, die den Klienten zum Nach- sowie Umdenken anregen und den Prozess vorantreiben.

Persönlicher Hinweis

Es sollten Inhalte auf beiden Seiten erarbeitet werden. Schwierig kann es werden, wenn z.B. keine Inhalte für die Flammen gefunden werden, sondern nur für die Säcke. Das kann den Klienten in seiner Stimmung und im Nachgang stark negativ beeinflussen. Hier könnte es hilfreich sein, mit zirkulären Fragen zu arbeiten und die Zuversicht des Klienten zu steigern.

Einordnung des Tools in die Struktur des Coaching-Prozesses nach dem COACH-Modell

Das Tool lässt sich gut phasenübergreifend einsetzen – besonders gut in Phase 3: Analyse des Klienten(umfeldes). Es kann aber auch schon in Phase 2 (Gemeinsame inhaltliche Orientierung und Zielklärung) und in Phase 4 (Einsatz von Methoden zur Veränderung) stattfinden bzw. weiterlaufen.

Technische Hinweise

Materialien: Papier und bunte Stifte

Um Zeit zu sparen, kann der Heißluftballon schon vor der Sitzung aufgemalt werden.

Die Durchführung ist sehr individuell – abhängig davon, wie reflektiert und motiviert der Klient ist. Es können 45 bis 60 Minuten angesetzt werden.

Literatur

  • Bamberger, Günter G. (2015). Lösungsorientierte Beratung. Weinheim: Beltz.
  • Fischer-Epe, Maren (2012). Coaching: Miteinander Ziele erreichen. Hamburg:
    Rowohlt.
  • Rogers, Carl R. (2000). Entwicklung der Persönlichkeit. Psychotherapie aus
    der Sicht eines Therapeuten. Stuttgart: Klett-Cotta.