Digital-Challenge-Coaching

Ein Coaching-Tool von Manfred A. Groitl

Digital-Challenge-Coaching
© Foto: TierneyMJ/Shutterstock.com

Kurzbeschreibung

Das Digital-Challenge-Coaching ist Teil des Digital-Business-Coachings für die Herausforderungen der digitalen Gegenwart und Zukunft. Es richtet sich an Entscheider, denen im Digitalen Wandel ein passender Gesprächspartner fehlt. Dabei verbindet es eine positive Grundeinstellung und Humor mit provokativer Herausforderung, um die digitale Transformation proaktiv zu gestalten

Anwendungsbereiche

Digital denken heißt Neues denken!

Im Digital-Challenge-Coaching geht es um die Weiterentwicklung von Geschäftsideen und -visionen, die durch die Herausforderungen des Digitalen Wandels für Unternehmen notwendig sind.

Die Wachstumsbremsen Fixierung, Trägheit und Vorsicht stehen den im Digitalen Wandel absolut notwendigen Innovationen gerne im Weg. Die aus dem provokativen Coaching übernommenen Herausforderungen und übertriebenen "idiotischen" Lösungsvorschläge des Coachs im Challenge-Coaching können zu neuen Ansätzen der Unternehmensstrategie und zu neuem Denken von Geschäftsmodellen führen.

Die Anwendung des Tools eignet sich für Unternehmer, Selbständige und Geschäftsführer. Oft haben diese Entscheider keinen gleichwertigen Partner, mit dem sie diese noch nicht zu Ende gedachten Ideen besprechen, prüfen und diskutieren können. Der Digital-Business-Coach dient als verschwiegener Sparringspartner, Multiplikator und Veränderer. So können Ziele, Visionen und Geschäftsstrategien neu gedacht werden.

Zielsetzung & Effekte

Digital Leadership ist gefragt!

Entscheider und Führungspersönlichkeiten sollten den digitalen Wandel in ihrem Unternehmen selbst aktiv gestalten. Neue Ideen, Ziele und Strategien müssen daher kreativ gedacht, überprüft, verworfen und neu gedacht und entwickelt werden.

Im zwischenmenschlichen Bereich zwischen Klient und Coach spielen die Methoden des provokativen Ansatzes im Digital–Challenge-Coaching eine entscheidende Rolle. Durch den positiven, humorvollen und wertschätzenden, aber auch herausfordernden Umgang eröffnet sich eine Atmosphäre, die Kreativität fördert und dadurch neue, bisher ungedachte Wege eröffnet.

Ziel der Challenge ist, dass der Klient seine Visionen und Ziele für die digitale Transformation seines Unternehmens klar benennen und sein Handeln danach ausrichten kann.

Ausführliche Beschreibung

Voraussetzung

Eine erfolgreiche digitale Transformation eines Unternehmens ist Chefsache. Wenn Unternehmensberatungen die Schwerpunkte auf Geschäftsprozesse und Organisationsaufbau setzen, kann Business-Coaching mit Digitaler Kompetenz die Person des Entscheiders wesentlich unterstützen und wichtige Impulse geben, digitale Visionen und Geschäftsmodelle zu entwerfen, festzulegen und umzusetzen.
 

Vorbereitung

Die "Chemie" zwischen Klient und Coach ist im Digital-Challenge-Coaching besonders wichtig. Deswegen ist ein persönliches Treffen in der Kennenlernphase (Phase 1 nach dem COACH-Modell) zwingend notwendig. Der Coach sollte auch hier den Klienten auf die Besonderheiten der Challenge hinweisen, auf die positive und humorvolle Atmosphäre, die aber erst zusammen mit kritischem Hinterfragen und herausforderndem Denken das gemeinsame kreative Arbeiten ermöglicht.
 

Unterstützung

Als Unterstützung der Zielfindung und des Verständnisses zwischen Klient und Coach kann ein Werte-Coaching mit Wertekärtchen (siehe Literatur) dienen, das die Werte des Klienten und seines Unternehmens ver-deutlicht, einordnet und visualisiert.

Das Challenge-Coaching ist wie das Provokative Coaching ressourcenorientiert: Lösung und Ziel findet der Klient selbst.
 

Setting

Das Setting orientiert sich an den Vorgaben des provokativen Ansatzes nach Frank Farrelly und Noni Höfner. Die Stühle für das Zwiegespräch zwischen Klient und Coach stehen sich zugewandt, je nach persönlichen Vorlieben im rechten Winkel oder versetzt gegenüber. Tische für Stifte und Coaching-Mittel stehen nicht zwischen den Gesprächspartnern, sondern jeweils an der abgewandten Seite. Für größere Visualisierungen sollten Metaplankarten, Flipchart und Pinnwand im Raum einsatzbereit stehen.
 

Mindset des Coachs

Der Coach strahlt Vertrauen und Wertschätzung gegenüber dem Klienten aus, seine Körpersprache unterstreicht dies durch freundliche und warmherzige Zugewandtheit. Das verbale Herausfordern erfolgt mit offenem Herzen und ohne Groll.
 

Vorgehen

Es gilt, im Coaching die Wachstumsbremsen Fixierung, Trägheit und Vorsicht zu erkennen und aufzubrechen. Dies kann durch unterschiedliche Ansätze erfolgen:
 

a) Der Advocatus Diaboli und die Begeisterung für die Symptome

Diese Methode im Digital-Challenge-Coaching eignet sich für festgefahrene Ideen bzw. Entscheider, die in der Wachstumsbremse Trägheit feststecken. Die Psychotherapie, aus der die Provokative Therapie von Farrelly entwickelt wurde, spricht hier vom "sekundären Krankheitsgewinn". Ins Business übersetzt: Der Klient hat innerhalb seiner Trägheit für ihn bequeme Vorteile. Dies dürfte in der Herausforderung des Digitalen Wandels die am meisten verbreitete, typische Wachstumsbremse sein: "Uns geht es doch gut, wir müssen doch nicht". Dass im Rahmen der digitalen Disruption innerhalb von wenigen Monaten eine kleine, revolutionäre Idee irgendwo im Silicon Valley oder in China das komplette Geschäftsmodell eines gut eingeführten Unternehmens in Deutschland bedrohen kann, wird gerne vergessen oder verdrängt.

Mit dem Advocatus Diaboli werden im Digital-Challenge-Coaching Szenarien durchgesprochen, die im ersten Schritt verdeutlichen, was möglicherweise das aktuelle Geschäftsmodell bedroht. Darauf basierend können im zweiten Schritt durch "idiotische" und übertriebene Vorschläge Zukunftsstrategien entwickelt werden. Digital denken heißt vom Kunden her denken. Neu zu entwickelnde Geschäftsmodelle und -strategien stellen immer den Kunden des Unternehmens in den Mittelpunkt.
 

b) "Idiotische" Lösungen und übertriebene Lösungsvorschläge

Mit übertriebenen oder "idiotischen" Lösungsvorschlägen für die Probleme des Klienten irritiert und verwirrt der Coach den Klienten und öffnet neues Denken. Manchmal kommt dadurch erst nach mehreren Stunden oder Tagen ein Durchbruch beim Klienten, den dieser im ersten Moment dann nicht auf das Coaching zurückführt.

Als Praxisbeispiel sei ein Klient genannt, der sich mit modernsten digitalen Dienstleistungen im Bereich von Hausverwaltungen selbständig machen wollte. Dabei war er aber durch Fixierung und Vorsicht in eine Planung verstrickt, die Selbständigkeit erst in zwei Jahren zu starten. Oft wirken "übertriebene" Lösungsvorschläge, so wie hier, für Außenstehende durchaus realistisch, für den Betroffenen aber gerne idiotisch. Höfner beschreibt dies so: "Klienten, die darauf fixiert sind, dass nichts funktionieren kann, und dem Berater ihr Problem zur Lösung überreichen, kann man am besten mit bereitwillig gelieferten idiotischen Lösungen so verwirren, dass sie ihre Gefühle neu ordnen müssen." (S. 266)

Der hier angesprochene Klient konnte sich durch das gerne übertriebene, aber lebhafte und farbige Schildern von Kundenvorteilen (für Mieter und Hausbesitzer) selbst überzeugen, nicht mehr länger seine Ideen zu verstecken, sondern sofort zu vermarkten. Irgendwann im Laufe der Vorschläge des Coachs beginnt der Klient, diese Vorschläge nicht mehr abzulehnen, sondern er arbeitet und spielt mit.

Die Arbeit von Kreativitäts- und Lösungstechniken ist es dann, aus den "idiotischen" Lösungen Beispiele für ein funktionierendes (digitales) Geschäftsmodell zu generieren.
 

c) Offensichtliches ansprechen oder holen Sie den Elefanten aus dem Kühlschrank.

In diesem Beispiel kann es im Rahmen des digitalen Wandels schon um die Existenz gehen. Jeder im Unternehmen weiß, die Konkurrenz ist näher am Kunden, die Umsätze wandern in die falsche Richtung. Nach dem Motto "Ups, man kann Bücher über das Internet bestellen?"

Das Ansprechen des Offensichtlichen kann beim Klienten relativ schnell Erleichterung auslösen. Endlich schleicht niemand mehr um das Thema herum, sondern spricht die Situation offen und kompromisslos an. Das Lösen der Bremse Fixierung führt dann zu freiem Denken, die Probleme können erfasst, definiert und angegangen werden. Zur weiteren Unterstützung sei hier eine Unternehmensberatung empfohlen.
 

Nachhaltung und Sicherstellung der Zielverfolgung durch Blended-Coaching

Zwischen den persönlichen Sitzungen zum Challenge-Coaching ist für die Nachhaltigkeit regelmäßiger Kontakt sinnvoll und wichtig für die Zieler-reichung. Im Rahmen des Blended-Coachings sind Videokonferenzen und Te-lefongespräche möglich. Einfachstes und fast schon natürlichstes Hilfsmittel im digitalen Zeitalter ist jedoch eine personalisierte Coaching-App für Smartphones, die zielfördernde Impulse zwischen Klient und Coach zeit- und ortsunabhängig ermöglicht. Sehr positiver Nebeneffekt: Die Dokumentation der Coachings erfolgt dadurch automatisch.

Voraussetzungen & Kenntnisse

Die Herausforderung des Digital-Challenge-Coaching arbeitet im Idealfall im Dreiklang zwischen Business-Coaching, digitaler Kompetenz und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen.

Grundlage sollte also eine professionelle Business-Coaching-Ausbildung sein, die zusammen mit dem provokativen Stil auf Humor, Schlagfertigkeit und Spaß an der Herausforderung setzt.

Gerade im Sparring erwarten Klienten oft mehr als reines Coaching. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse plus die für dieses Tool notwendige digitale Kompetenz können die Einsatzfähigkeit des Coachs erweitern.

Zur Authentizität des Coachs tragen noch Berufs- und Lebenserfahrung bei, am besten gepaart mit direkter persönlicher Erfahrung zu den Auswirkungen des digitalen Wandels auf Unternehmen und Mitarbeiter.

Darüber hinaus sind Kenntnisse in Kreativitäts- und Problemlösungstechniken für die Entwicklung der Ideen und Visionen durchaus sinnvoll.

Persönlicher Hinweis

Pflicht des Coachs ist absolute Verschwiegenheit. Im Coaching werden interne Geschäftsprozesse, Ziele und Visionen besprochen, die unbedingt vertraulich sind.

Provokatives Coaching darf keinesfalls die Schwelle zu Sarkasmus und Verletzung auch nur berühren. Als Mindset des Coachs ist Warmherzigkeit und Offenheit Pflicht, die beschriebene positive Körpersprache äußert dies nonverbal.

Einordnung des Tools in die Struktur des Coaching-Prozesses nach dem COACH-Modell

Phase 4

Technische Hinweise

Die zum Teil sehr intensiven Sitzungen sollten 90 Minuten pro Sitzung nicht überschreiten. Der Raum sollte eine positive und kreative Grundstimmung erzeugen, mit Medien wie Flipcharts, Pinnwänden und Metaplankarten.

Die Erfahrung zeigt, dass am besten ein neutraler Raum außerhalb der Geschäftsräume des Klienten genutzt werden sollte. So ergibt sich eine unbelastete und offene Atmosphäre.

Zwischen den Terminen kann der Kontakt per Telefon oder Chat gehalten werden. Am besten funktioniert die Nachhaltigkeit über eine personalisierte App (über deutsche Server DSGVO konform).

Je nach Wunsch des Klienten und Entfernung können zwischen den Sitzungen auch Videokonferenzen genutzt werden.

Literatur

  • Höfner, Noni. (2016). Glauben Sie ja nicht, wer Sie sind! Grundlagen und Fallbeispiele des Provokativen Stils. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag.
  • Schlieper-Damrich,Ralph. (2011). Wertecoaching in Krisen. Bonn: managerSeminare.