Virtual und Mixed Reality im Business-Coaching

Sicherung und Beschleunigung des Lerntransfers

Virtual und Mixed Reality im Business-Coaching
© Foto: TierneyMJ/Shutterstock.com

Onlinebasiertes Coaching ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie in aller Munde. Zumeist ist dabei von Video-Coaching die Rede. Die Bandbreite digital gestützter Anwendungen, die im Coaching genutzt werden können, ist jedoch größer und umfasst die Nutzung von Virtual und Mixed Reality. U.a. im Bereich der Psychotherapie kommen entsprechende Technologien bereits zum Einsatz. Im Coaching können sie die Sicherung und Beschleunigung des Lerntransfers begünstigen, wie im Rahmen der hier vorgestellten Forschungsarbeit in Erfahrung gebracht wurde.

Die Pandemie um COVID-19 hat das weltweite Zusammenarbeiten grundlegend verändert. Lern- und Arbeitsprozesse wurden virtualisiert. Meetings aus dem Homeoffice und Fernunterricht sind gezwungenermaßen State of the Art. Krisen wirken wie eine Art Turbo auf technische Entwicklungen, um die neuartigen Herausforderungen zu überwinden. Jüngst befindet sich eine neue Technologie kurz vor dem gesellschaftlichen Durchbruch: Virtual und Mixed Reality.

Mithilfe einer Art Computerbrille wird eine virtuelle Realität erzeugt, die sich individuell programmieren lässt. Durch diese Simulation bekommt der Anwender die Möglichkeit, sich in nahezu jede Situation zu begeben, ohne seine „vier Wände“ verlassen zu müssen. Betrachtet man die Möglichkeiten dieser Technologie, lässt sich das Potenzial derselben bestenfalls unterschätzen, um nur einige zu nennen: Meetings an virtuellen Orten ermöglichen mehr Interaktionen und dadurch ein stärkeres Präsenzgefühl sowie Empathie, da die Anwesenden – durch Avatare dargestellt – mittels VR-Controller Bewegungen wiedergeben können. Simulationen lassen sich beliebig oft wiederholen, wodurch der Zeitaufwand für Lernprozesse enorm verkürzt wird. Es lassen sich Situationen darstellen, die in der Realität nur schwer zugänglich sind wie beispielsweise Vorträge vor großem Publikum.

Als Arbeitsthema meiner Master-Thesis an der EURO-FH habe ich mir die Frage gestellt, was diese Technologie für das Business-Coaching bedeutet. Coaching strebt eine Handlungsorientierung an, weshalb die Umsetzungshilfe in ihm ihren festen Platz hat (Bachmann & Steinke, 2019). Die Umsetzungshilfe beinhaltet das Probehandeln, die Lernbegleitung sowie den Transfer (ebd.). Die drei Komponenten lassen sich zu einem Schlüsselaspekt zusammenfassen: Lerntransfer. Verzahnt man den Lerntransfer mit den technologischen Entwicklungen und Vorteilen von Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR), lässt sich folgende Forschungsfrage ableiten: Ist die Simulationsgestaltung von Virtual und Mixed Reality im Business-Coaching ein Indikator zur Sicherung und Beschleunigung von Lerntransfers? Diese Fragestellung wurde anhand eines qualitativen Forschungsansatzes erörtert. Die folgenden Ausführungen geben einen Einblick in die Ergebnisse.

Es handelt sich um ein interdisziplinäres Forschungsthema. Um sich der Beantwortung der Fragestellung zu nähern, wurde es daher zunächst in seine Grundbestandteile gesplittet, um jeden für sich betrachten zu können: Lernen ist Grundthematik der Didaktik. VR und AR sind technische Implikationen. Transfer ist Teilbereich des Business-Coachings. Alle drei Bereiche kreuzen sich in der Simulationsgestaltung.

Ein Blick in die virtuelle Realität

Für ein grundlegendes Verständnis gilt es zunächst, drei verschiedene Spielarten der Technologie zu unterscheiden, die der VR-Trainer Torsten Fell (2020) systematisiert: 360°-, Mixed- (MR) und Virtual Reality (VR). MR, als Überbegriff für Augmented Reality (AR), funktioniert mit einer halbtransparenten Brille, die durch Projektionen im Sichtfeld die reale Wirklichkeit anreichert. VR ist eine vollständig computergenerierte Wirklichkeit mittels geschlossener VR-Brille. 360°-Abbildungen und -Videos bilden fotorealistische Umgebungen ab, die mithilfe einer 360°-Kamera aufgenommen werden. Diese können anhand von VR-Brillen wiedergegeben werden und lassen nur eingeschränkte Interaktionen mit der Simulation zu oder können die VR anreichern (Fell, 2020).

Interessant ist, dass VR bereits einen festen Bestandteil der Psychotherapie darstellt. In Expositionstherapien werden Phobien wirksam behandelt, indem die Patienten mit Angst auslösenden Situationen konfrontiert werden. Dabei hat die Wirksamkeitsforschung einen Lerntransfer feststellen können, der jedoch nur spezifischen Phobien zuzuordnen ist (Diemer & Mühlberger, 2019). Weitere Anwendungsszenarien für VR und AR sehen Buehler und Kohne (2020) in vier Segmenten:

  • Trainingswelten (z.B. Nachahmung von Gefahrensituationen ohne reelle Gefahr)
  • Explorationswelten (z.B. Informationsumgebung zur Selbsterkundung)
  • Konstruktionswelten (z.B. Baukreationen durch modulare Objekte)
  • Wahrnehmungswelten (Visualisierung extrem kleiner oder schneller Objekte)

Durch VR und AR kann Erlerntes unmittelbar praktisch angewandt und dadurch verinnerlicht werden. Doch wie ist das möglich? Durch VR- und AR-Brillen bekommt der Anwender die Möglichkeit, in die virtuelle Welt abzutauchen. Interaktionen mit dieser virtuellen Realität – sei es durch Kopfbewegungen, Laufen oder Armbewegungen mit Controllern – vermitteln das Gefühl, „aktiver Teil der wahrgenommenen Welt zu sein“ (Fell, 2020, S. 332). Dieses Phänomen wird Immersion genannt (ebd.). Immersion bezeichnet den Zustand, die virtuelle Welt vollständig zu akzeptieren und als real anzuerkennen. Der Immersionsgrad variiert je nach Anwendung.

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