Sein Wesen leben – auch im Job

Perspektivberatung und Persönlichkeits-Coaching

Sein Wesen leben – auch im Job
© Foto: SFIO CRACHO/Shutterstock.com

Werte sind wichtiger Bestandteil der eigenen Persönlichkeit. Kommen sie ausschließlich im Privaten zum Tragen? Nein, denn auch die Zufriedenheit im Berufsleben wird wesentlich von den eigenen Haltungen und Wertvorstellungen sowie der Frage berührt, ob diese im Job ausreichend gelebt werden können. Im Coaching können das eigene Wertesystem und mögliche Werteverletzungen reflektiert werden. Es gilt zudem, Zielsetzungen und persönliche Glaubenssätze zu hinterfragen, um das eigene Wesen auch im beruflichen Kontext zu leben.

Werte und unsere eigene Wertewelt sind die Basis für unsere Identifikation mit dem eigenen Schaffen. Sie bilden das Puzzleteil, das die berufliche und die private Welt miteinander verbindet. So unterschiedlich wie die Menschen auch sind, im Umfeld der Schnelllebigkeit und Hektik erfolgt verstärkt eine Rückbesinnung auf Werte und es wird immer häufiger in Coachings die eigentliche Sinnfrage gestellt. Nach dem Motto: „Wie schaffe ich es, mehr ich selbst zu sein?“

In wichtigen Phasen der Neuorientierung und Ausbalancierung, in denen wir unsere Lebensziele und Werte reflektieren, ist es wichtig, Kopf, Herz und Bauch sprechen zu lassen. Und dadurch seiner inneren Stimme wieder mehr Gehör zu verleihen, mit der Sicherheit: „Ich kann mich auf mich selbst verlassen!“ Dazu gehört auch, sich seiner Stärken zu besinnen, die Talente zu fördern und Krisen als Wachstumschancen zu sehen, an denen wir reifen und uns weiterentwickeln können. Dies schließt den Mut ein, den eingeschlagenen Weg komplett zu verlassen oder die Richtung zu ändern, wenn er nicht dem eigentlichen Wesen entspricht. Im Coaching gilt es dann herauszufinden, was dem Klienten wirklich wichtig ist und wo er nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen.

Wie kann der Weg zu einem stimmigen Werte- und Selbstkonzept – unterstützt durch Persönlichkeits-Coaching und Perspektivberatung – aussehen? Berufliche und private Welt gehören hier unmittelbar zusammen, denn das eigene Wertesystem hat Auswirkungen auf die Person und Persönlichkeit und somit auf alle Rollen in unserem Leben. Hier gilt es, neue Perspektiven und Blickwinkel einzunehmen.

Im Folgenden wird anhand von zwei Coaching-Fällen aus der Praxis geschildert, welche spezifischen Fragestellungen den jeweiligen Klienten rund um das Thema „Sein Wesen leben“ bewegt haben und welche Impulse zur Entwicklung des individuellen, sinnerfüllten Lebensweges im Einklang mit der eigenen Wertewelt gegeben wurden.

Praxisfall 1: Ausgangssituation und Anliegen

Ein international erfolgreicher Manager (42, Familienvater mit drei Kindern) befand sich in einer extrem angespannten Arbeitssituation und war unzufrieden mit seinem Job. Er erlebte nicht nachvollziehbare Entscheidungen, ein kaltes, emotionsloses Umfeld und spürte nur noch Druck. Der Manager hatte das Gefühl, dass die Lust am Arbeiten verloren geht, da er sich und andere (gefühlt) ständig hinterfragte und den Sinn seiner aktuellen Tätigkeiten nicht mehr verspürte.

Er kam mit dem Anliegen, im Rahmen eines Coachings Anstöße zur Reflexion und mögliche Antworten auf seine Fragen zu finden: „Möchte / kann / will ich aktiv einen Schritt zur Veränderung machen? Wenn ja, wie könnte dieser aussehen?“ Sein innerstes Bestreben war es, seine Erfüllung zu finden und mutig genug zu sein, seine Träume zu leben.

Der Coaching-Prozess

Wer hat sich nicht auch schon diese Fragen gestellt? Und gegrübelt, sinniert: „Wie hat sich mein beruflicher Weg entwickelt, was mache ich aktuell? Passt meine Arbeitswelt zu meiner Wertewelt? Bin ich ich selbst oder habe ich den Eindruck, dass ich mich aktuell verbiege, nur um zu gefallen? Was treibt mich an? Was motiviert mich? Welche Glaubenssätze nehme ich an – welche werfe ich über Bord? Was ist das Besondere an mir? Und welche Bestimmung sehe ich für meine weitere Zukunft? Wie lassen sich beide Welten verbinden?“ Dieser Coaching-Fall dreht sich genau um diese Themen und Fragestellungen.

Der Mobile-Gedanke

Da der Coach den Klienten bereits kannte und ihn auch als starken Denker mit philosophischen Ansätzen schätzt, hat er bewusst den Einstieg über die Meta-Ebene gewählt. Und zwar, um dem sehr perfektionistischen und erfolgreichen Manager zunächst zu spiegeln, dass es bei dieser – seiner – Entscheidung kein Richtig oder Falsch, kein Schwarz oder Weiß, keine Null oder Eins gibt. Es geht stattdessen darum, seinen individuellen Weg zu finden, auf dem der Klient sich wohlfühlt – beruflich wie privat.

„Nichts ändert sich, bis man sich selbst ändert, und plötzlich ändert sich alles!“ Dieser weise Spruch umschreibt den Mobile-Gedanken des systemischen Ansatzes. Alles hat Auswirkungen auf das andere, wenn das System in Bewegung kommt. Wichtig ist zu erkennen: Ich kann nur mich selbst und meine Einstellung zu mir, den anderen und zum Umfeld ändern, aber nicht die anderen selbst.

Jeder lebt in seiner eigenen Welt und hat dadurch seinen eigenen Blick auf diese. Wie es auch der Ansatz des Konstruktivismus sagt, jeder hat seine eigene Wahrheit und konstruiert Bilder und Wirklichkeiten. Daher kann man sich seine eigenen Fragen auch nur selbst beantworten, selbstverständlich kann ein neutraler Dritter hierbei professionell unterstützen, aber nicht die Antworten liefern.

Dem Coach war wichtig, dies ausführlich zu Beginn des Coachings anzusprechen, um hierauf das Bewusstsein des Klienten zu schärfen und ihn auch durch leicht provokante Aussagen etwas zu fordern. Mit dem Hintergrund, dass es nicht nur wichtig ist, die eigenen Werte zu kennen, sondern auch gegenüber anderen zu verteidigen und zu leben.

Die Theatermetapher

Im Anschluss an das intensive Warmup fragte der Coach den Klienten, ob er Lust hat, sich auf ein Experiment einzulassen. Dies hat er spontan bejaht und der Coach hat grob skizziert, was die Theatermetapher ist. Während der Anwendung dieser Methodik, bei der Coach und Klient imaginativ in die Rolle von Theaterbesuchern schlüpfen, gab es einige überraschende Schilderungen des Klienten.

Klient und Coach saßen nicht mitten im Theatersaal, sondern in der Loge und haben aus etwas versteckter Sicht eine Beobachterrolle eingenommen. Sie waren lange allein, trotz diverser Fragetechniken sind dem Klienten keine weiteren Personen – weder im Publikum noch auf der Bühne – erschienen. Die Bühne blieb lange leer. Doch dann kamen weitere Inszenierungen zum Vorschein – bis hin zu Personen, die bizarre Masken trugen, aber ansonsten geschwiegen haben. Totenstille auf der Bühne.

Die Beobachtung mit den sehr detaillierten Beschreibungen des Klienten – teilweise phantasievoll, teilweise sehr ernüchternd – erfolgte noch eine Weile. Der Coach versuchte, über zusätzliche Fragen weitere Details zum Umfeld einzuholen. Als jedoch nichts Neues kam, konnte der Klient entscheiden, wann das Theater wieder verlassen wurde. Ein kurzer Break war nun nötig, um durchzuatmen und sich wieder in der Gegenwart einzufinden. Erst mit etwas Abstand wurde das Gesehene, Gefühlte und Erlebte nochmals thematisiert.

Das Schöne an der Theatermetapher ist, dass sie einem über eigene Bilder Themen aus dem Unbewusstsein und Unterbewusstsein widerspiegelt – wenn man bereit ist, sich hierauf einzulassen.

Sie gibt metaphorisch ein schönes Beispiel für folgendes: „Akzeptiere, die Außenbühne lässt sich nicht ändern! Du kannst nur dich selbst ändern!“ Vom Klienten wurde in der Nachbetrachtung herausgearbeitet, dass er zwei Möglichkeiten hat, mit Veränderung umzugehen: (a) etwas anderes zu tun, (b) seine Haltung ändern zu dem, was er tut.

Die im Theater erschienenen Masken und deren mögliche Bedeutungen waren ein großes Thema in der anschließenden Reflexion, da sie vom Klienten als derart skurril und absurd beschrieben wurden. Der Manager deutete dies letztlich so für sich: Sein Wunsch ist, einer sinnstiftenden Arbeit nachzugehen und dabei mit authentischen Personen zusammenzuarbeiten. Die Masken zeigten ihm, dass die Personen in seinem beruflichen Umfeld nicht sie selbst waren. Alle spielten eine Show. Er suchte das Gefühl, bei seiner Arbeit wieder er selbst sein zu können, keine Rolle mehr spielen zu müssen. Daher stellte er sich selbstkritisch die Frage: „In welchen Situationen trage ich aktuell selbst auch eine Maske?“

Die eigene Geschichte

Um sich diese Frage selbst beantworten zu können, bot der Coach dem Klienten an, seine eigene Geschichte bis zum heutigen Berufsalltag aufzuschreiben. Kleine „Spielregeln“ waren gesetzt. Der Klient sollte mit der Einleitung „Es war einmal ein kleiner Junge namens …“ beginnen und in der dritten Person erzählen. So sind eine gewisse Distanz und eine andere Betrachtungsebene zur eigenen Geschichte gegeben.

Diese Idee nahm der Klient begeistert auf, da er sehr offen für neue Vorgehensweisen ist. Noch in der Nacht hat er seine Geschichte festgehalten und diese per Mail weitergeleitet. Der Coach war überrascht über die Schnelligkeit der Umsetzung. Er hatte dadurch einen weiteren vertrauensvollen Einblick in die Gedanken, Erlebnisse und Wünsche des Klienten erhalten. Doch nicht nur das. Anhand des Story-Verlaufs, der positiv oder negativ gefärbten Wortwahl und der geschilderten Erlebnisse wurden Auffälligkeiten deutlich. Und zwar bezüglich der Wertewelt, der Verhaltensmuster, der Antreiber und der Lebenseinstellung. Im Klienten kamen lebhafte Erinnerungen der Vergangenheit hoch: Leidenschaft und Begeisterung zeichneten ihn aus, den Jungen, der so viele kreative Ideen hatte. Während des Schreibens kamen viele Werte zum Vorschein, die ihm schon in der Zeit als Kind und Jugendlicher sehr wichtig waren: Freiheit, Selbstbestimmung, freie Meinungsäußerung, Verwirklichung von Ideen. Kurzum: Es lag ihm immer schon am Herzen, natürlich und authentisch sein zu können. Abschließend wurde der Klient gebeten, für seine persönliche Lebensgeschichte einen Titel zu kreieren. Dieser lautete: „Eine Geschichte von Hindernissen auf dem Weg zum wahren Ich“.

Neue Perspektiven und Lösungsansätze

Durch die Theatermetapher scheint es so, als dass eine andere „Tür ins Innere“ geöffnet wird. Durch die andere Wortwahl und die Schilderung des Theaters ist man nicht mehr in seiner bisherigen Rolle. Die Person erhält Impulse, neu zu formulieren. Es entsteht eine andere Sprache des Dialogs und dadurch tauchen neue Beschreibungen und neue Perspektiven auf.

Die Methodik „Geschichte schreiben“ brachte sowohl für Klient als auch Coach neue Gedankenanstöße: Zum einen die eigene Geschichte zu notieren und sich dadurch selbst zu reflektieren und auch Verborgenes wiederzuentdecken. Zum anderen durch die Geschichte des Klienten mehr von diesem zu erfahren. Dies erzeugte in kurzer Zeit eine Offenheit und ein Vertrauen untereinander. Die Erfahrung zeigte, dass die Kombination von zwei Methoden eine gute Möglichkeit sein kann, ein Thema aus unterschiedlichen Richtungen zu beleuchten und somit einen Perspektivwechsel zu bewirken.

Zu Beginn hatte der Klient eine eingeschränkte Wahrnehmung. Die Szenen im Theater waren sehr verwirrend, der Klient beobachtete aus der Ecke heraus und nahm eine durchweg passive Haltung ein. Die Theatermetapher hat jedoch aufgezeigt, dass hier eine Entwicklung in seinem Leben lief, die er kritisch betrachtete und als sein eigener Zuschauer nicht positiv bewerten konnte. Über seine Lebensgeschichte besann er sich wieder auf seine Stärken und Kindheitsträume, die Wahrnehmung wurde dadurch wieder erweitert. Der Klient hat sich aus einer eher verfahrenen Situation und passiven Ecke wieder in eine aktivere Rolle gebracht. Dadurch konnte er wieder einen Rundumblick wahrnehmen, entdeckte seine Ziele neu und sah Veränderungsmöglichkeiten und Lösungsansätze. In der Konsequenz strebte er einen Arbeitsplatzwechsel an. Außerdem lernte er, seine Intuition als zusätzlichen Wegweiser zu schätzen.

Praxisfall 2: Ausgangssituation und Anliegen

Eine Klientin (37, Abteilungsleiterin, verheiratet, keine Kinder), stark engagiert im Beruf sowie bei ehrenamtlichen Tätigkeiten im Privatleben, störte sich daran, dass sie immer zusätzliche Aufgaben „automatisch“ annahm und nie nein sagen konnte, obwohl sich ihr Innerstes dagegen sträubte. Sie fragte sich, warum sie sich hier nicht konsequent wehren und manche Aufträge auch gezielt ablehnen konnte, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Ihr Anliegen war, zukünftig konsequenter ihren Werten zu folgen und auf ihre innere Stimme zu hören. Das Persönlichkeits-Coaching sollte dazu dienen, sie als Frau zu stärken, so dass sie zukünftig ihre Entscheidungen selbstbewusst vertreten kann und nicht als „everybody´s darling“ alle Aufträge bewusst oder unbewusst anzieht und annimmt.

Der Coaching-Prozess

Viele Menschen haben das Bestreben, es immer allen recht machen zu wollen. Es ist schwer einzusehen, dass dies ein aussichtsloses Unterfangen ist. Wie sagte schon Platon, der sicherste Weg zum Misserfolg ist es, es allen recht machen zu wollen! Daher ist es wichtig, dass man sich selbst erlaubt, auch sagen zu dürfen: Stop, bis hier und nicht weiter! Das Thema stand im Fokus von insgesamt drei Coaching-Sitzungen, die im Folgenden zusammengefasst geschildert werden.

Umgang mit Antreibern

Der Coaching-Prozess wurde zunächst mit dem Antreiber-Konzept gestartet, um Glaubenssätze und innere Antreiber (Handlungsmotive, die im Modell der Transaktionsanalyse bei Stress aktiviert werden) zu identifizieren, mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen durchzusprechen und anhand eines Tests den dominierenden Antreiber zu ermitteln. Elterliche Botschaften können sich bis ins Erwachsenenalter im Unterbewusstsein verankern. Unterbewusst neigen wir daher auch als Erwachsene dazu, die Gebote der Eltern im Privat- wie im Berufsleben zu erfüllen, als ob wir unter einem geheimen Zwang stünden. Wichtig ist es, zu erreichen, dass die inneren Antreiber das Handeln nicht permanent bestimmen, sondern bewusst damit umgegangen wird.

Bei der Klientin bestätigte die Auswertung, dass der Antreiber „Sei gefällig“ sehr stark war, was anhand vieler kleiner Verhaltensweisen sichtbar wurde. Eine Schwäche hierbei ist die Unfähigkeit, nein sagen zu dürfen, sich nicht abzugrenzen und permanent seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Doch gibt es immer zwei Seiten der Medaille. Der Antreiber hat auch Stärken, u.a. haben Personen, bei denen dieser Antreiber stark ausgeprägt ist, eine hohe Sozialkompetenz. So war es auch bei dieser Klientin. Diese Stärke hat sie in sich jedoch gar nicht wahrgenommen.

Hinter „Mache es allen recht!“ stecken Glaubenssätze aus der Kindheit wie „Ich bin nur dann wertvoll, wenn alle mit mir zufrieden sind“ bzw. „Wenn ich nein sage, werde ich sofort abgelehnt“. Es wurde anhand von verschiedenen Situationen daran gearbeitet, dass sie lernen muss, ihre Bedürfnisse auszusprechen und zu akzeptieren, dass sie auch „in Ordnung“ ist, wenn sich jemand anderes mit ihr unzufrieden zeigt. Denn es geht letztendlich auch darum, dass sie mit sich selbst zufrieden ist und in den Spiegel schauen kann.

Der Blick in den Spiegel

Mit dem Spiegel arbeitet der Coach nicht nur gerne als Metapher, sondern auch als Objekt im Rahmen des Coachings. Daher wurde der Klientin ein Spiegel gereicht, mit der Bitte, sich hierin zu betrachten und am Rand des Spiegels zu notieren, welche Stärken sie an sich selbst sieht. Dies war ungewohnt für die Abteilungsleiterin. Denn sie ist es ja bisher eher in ihrer selbstkritischen Art und Weise gewohnt, zu betonen, was sie nicht kann, statt sich auf ihre Stärken zu besinnen.

Im Laufe des Coaching-Prozesses sah der Coach seine Aufgabe darin, ihr zu spiegeln, dass die Erfüllung des Jobs nicht darin besteht, von möglichst vielen gemocht zu werden. Denn diese Beliebtheitsfalle birgt die Gefahr, dass sie sich auf ihrem eigenen Weg verliert und teilweise entgegen ihrer Einstellungen und Werte arbeitet – und dies ist auf Dauer ungesund. Daher auch die Symbolik mit dem Spiegel: „Bleib dir selbst treu, so dass du immer in den Spiegel schauen kannst!“ An dieser Stelle war es Zeit, die erste Sitzung zu beenden. Viele Themen waren angestoßen, welche vom Bewusstsein und Unterbewusstsein erstmal in Ruhe verarbeitet werden mussten.

Fokus auf die Stärken

Nachdem die Reflexion zu den Antreibern und über das In-den-Spiegel-Schauen beim ersten Termin in der Tiefe erfolgt war, unterstützte der Coach die Klientin bei der Standortbestimmung durch verschiedene Fragetechniken dabei, noch mehr über ihre Stärken nachzudenken und sich auch ihrer Grenzen bewusst zu werden. Das Beschreiben von konkreten Beispielen und Situationen als Antworten auf Fragen wie „In welchen Situationen waren Sie früher voller Energie und Tatendrang?“ bzw. „Was stört Sie in letzter Zeit am meisten? Wo sind die Energiefresser?“ hilft, den Blick zu weiten. Hierbei kommen positive wie negative Erinnerungen und Emotionen hoch. Es ist notwendig, dass diese durchlebt werden. Wut und Ärger sind sehr hilfreich im Prozess, da dadurch Veränderungsbereitschaft entsteht. Teilweise empfand die Klientin Wut auf sich selbst, teilweise aber auch auf andere. Ein großer und schwieriger Schritt bestand darin, zu verankern, dass es auf Dauer auch erlaubt ist, nein zu sagen. Und erst recht bei Themen, die dem Innersten aus welchen Gründen auch immer widersprechen. Diese Sitzung drehte sich intensiv um das Besprechen verschiedener Situationen und das Ableiten von Handlungsalternativen. Als Abschluss bekam die Klientin „Homework“, und zwar die Aufgabe, fünf Personen aus ihrem Umfeld (privat wie beruflich) zu fragen, welche Stärken diese in der Klientin sehen.

Zwei Wochen später wurde genau mit dieser Aufgabe an den letzten Coaching-Termin angeknüpft. Die Klientin schilderte, wie es ihr damit ergangen ist, diese Feedbacks zu erhalten, Komplimente anzunehmen und einen Einblick in ihre Wirkung auf andere zu erhalten. Mit dieser Stärkensammlung wurde das Selbst- und Fremdbild skizziert und mit den Aspekten, die am meisten Resonanz bei der Klientin hervorgerufen haben, im Nachgang weitergearbeitet.

Auf Basis ihrer Stärken wurde sie unterstützt, sich ihrer Talente und Wünsche zu erinnern und ihre Ziele für die Zukunft abzuleiten. Diese sollten realistisch, aber dennoch anspruchsvoll sein. Aus dieser Kombination erarbeitete die Klientin ein eigenes Kompetenzprofil. Da der Coach wusste, dass die Abteilungsleiterin sehr kreativ ist, bekam sie zusätzlich die Aufgabe, ihren eigenen Slogan zur Vermarktung ihres Profils zu entwickeln, damit dies noch stärker in ihr verankert bleibt.

Neue Perspektiven und Lösungsansätze

Ein wichtiger Punkt war die Erkenntnis der Klientin, dass man den eigenen Selbstwert nicht von anderen Personen abhängig machen darf. „Ich muss nicht von jedem gemocht werden. Ich darf anecken und meine Meinung äußern. Ich kann mich entscheiden, ob und wenn ja, wie ich mich an gewisse Situationen anpassen möchte: Will ich das wirklich bzw. was will ich wirklich?“ Und: „Ich weiß, was ich nicht mehr möchte und wo meine Grenzen sind.“

Diese Themen wurden im Rahmen des Coachings nicht nur reflektiert und somit ausgesprochen, sondern auch schriftlich fixiert, so dass die Klientin nun einen von ihr erarbeiteten, klaren Fahrplan hat, was sie zukünftig will – und was nicht. Hier zeigte sich eine der Stärken der Abteilungsleiterin, nämlich Strukturiertheit und Zielorientierung. Sie definierte ihre Grenzen neu und legte für sich fest, wo sie bereit war, wie bisher zu agieren, da ihr die Themen am Herzen liegen. Sie fixierte, bei welchen Ansprechpartnern, Themen und Aufträgen sie sich trauen wird, zukünftig „nein“ zu sagen. Abschließend formulierte sie für sich den Slogan: „Nein sagen ist erlaubt! Ohne schlechtes Gewissen!“ Durch diesen „Maßnahmenplan“ konnte sie sich an ihre Ziele immer wieder erinnern und ihre Ansätze aufrechterhalten, was ihr auch sehr gut gelang.

Fazit

Das Wörtchen „selbst“ macht den Unterschied – Vertrauen und Selbstvertrauen, Bewusstsein und Selbstbewusstsein, Marketing und Selbstmarketing. Es liegt an uns selbst und an der Selbstwirksamkeit. D.h., Vertrauen in die eigenen Stärken, in die eigenen Ideen, in die eigene Vision zu haben. Letztendlich entscheidet der Glaube an sich selbst! So gelingt es, authentisch zu sein und zu bleiben, das eigene Wesen zu leben – in der persönlichen Wertewelt.

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