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Ethik

Stoische Philosophie im Resilienz-Coaching

Einführung und Grundprinzipien des Stoizismus

Resilienz und Stoizismus – zwei Konzepte, die scheinbar wenig gemeinsam haben und doch auf faszinierende Weise miteinander verwoben sind. In der aktuellen Ära der Unbeständigkeit und des raschen Wandels ist Resilienz zu einem zentralen Element im Coaching geworden. Auf den ersten Blick mag die antike stoische Philosophie, die über 2000 Jahre alt ist, wenig Relevanz für die moderne Praxis des Resilienz-Coachings haben. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass der Stoizismus, der Gelassenheit und innere Ruhe betont, ein reichhaltiges Potenzial zur Bereicherung des Resilienz-Coachings bietet.

14 Min.

Erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 3 | 2023 am 06.09.2023

Die stoische Philosophie wurde in Athen von Zeno von Citium im frühen 3. Jahrhundert v. Chr. begründet. Sie fand Anklang in der hellenistischen Welt sowie Rom und prägte Denker wie Epiktet, Seneca und Kaiser Mark Aurel. Der Stoizismus betont das Streben nach Tugendhaftigkeit und Weisheit und die Überzeugung, dass der einzige wahre Reichtum im Leben moralischer Reichtum ist. Ein zentrales Prinzip des Stoizismus ist die Vorstellung, dass wir zwar nicht immer Kontrolle über die Ereignisse in unserem Leben haben, aber immer Kontrolle darüber, wie wir auf sie reagieren.

Die stoischen Philosophen lehrten die Wichtigkeit, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren und das Unkontrollierbare loszulassen. Sie vertraten die Ansicht, dass negative Emotionen auf falsche Überzeugungen zurückzuführen sind, insbesondere auf den Glauben, dass wir Kontrolle über etwas haben, das wir tatsächlich nicht kontrollieren können. Daher betont der Stoizismus die Wichtigkeit, Gelassenheit zu kultivieren, indem man das erkennt und akzeptiert, was außerhalb unserer Kontrolle liegt, und die Energie darauf konzentriert, das zu verbessern, was in unserer Kontrolle liegt – unsere eigenen Reaktionen, Urteile und Verhaltensweisen.

Auf einen Blick

  • Zwischen stoischer Philosophie und Resilienz bestehen diverse Berührungspunkte: z.B. das Schlüsselprinzip, sich auf die Steuerung seiner Reaktionen auf Herausforderungen zu konzentrieren.
  • Grundprinzipien des Stoizismus finden sich – bewusst oder unbewusst – zahlreich in der Praxis des Resilienz-Coachings wieder.
  • Die stoische Praxis der „praemeditatio malorum“ besteht darin, Befürchtungen vorausschauend zu reflektieren, um die eigene Resilienz zu stärken.

Die Verbundenheit von Stoizismus und Resilienz

Die Weisheit der stoischen Philosophie ist in ihrer Nützlichkeit nicht auf die Antike beschränkt. Vielmehr hat sie gerade in Zeiten der Verunsicherung und des Umbruchs eine Renaissance erlebt. Im Kontext des Resilienz-Coachings bietet der Stoizismus grundlegende Perspektiven, um Resilienz zu stärken.

Resilienz ist ein Konzept, das in den letzten Jahren viel Beachtung gefunden hat, insbesondere im Kontext von persönlicher Entwicklung und Coaching. In der Psychologie wird Resilienz als die Fähigkeit eines Individuums definiert, nach Rückschlägen wieder aufzustehen, sich an Veränderungen anzupassen und weiterhin in Richtung seiner Ziele zu streben. Es ist die psychische Widerstandsfähigkeit, die uns hilft, in schwierigen Zeiten zu gedeihen und sowohl Alltagsstressoren als auch größeren Lebenskrisen zu begegnen.

In diesem Sinn ist die stoische Philosophie eng mit dem Konzept der Resilienz verwandt, da beide die Bedeutung der inneren Haltung, des Umgangs mit Schwierigkeiten und der Fähigkeit, sich von Herausforderungen nicht unterkriegen zu lassen, betonen.

Stoische Prinzipien

Die stoischen Prinzipien bieten einen praktischen Rahmen für das Verständnis und die Stärkung von Resilienz. Der Stoizismus lehrt, dass wir nicht die Kontrolle über die Ereignisse in unserem Leben, sondern die Kontrolle über unsere Reaktionen auf diese Ereignisse haben. Dies ist ein Schlüsselprinzip der Resilienz: die Erkenntnis, dass wir unsere Reaktionen auf Herausforderungen steuern und anpassen können, um unsere Situation besser zu bewältigen.

Weiterhin lehrt der Stoizismus die Bedeutung von Selbstdisziplin, Willenskraft und emotionaler Kontrolle. Diese Fähigkeiten sind zentral für die Resilienz, da sie uns dabei helfen, trotz widriger Umstände motiviert und konzentriert zu bleiben. Sie erlauben es uns, negative Gefühle zu überwinden und trotz Rückschlägen optimistisch zu bleiben.

Eine zentrale Parallele zwischen dem Stoizismus und dem Konzept der Resilienz besteht weiterhin in der Betonung der eigenen Reaktionen auf herausfordernde Situationen. Resiliente Menschen und stoische Philosophen teilen die Fähigkeit, negative Ereignisse und Situationen als Teil des Lebens zu akzeptieren und diese als Möglichkeiten für persönliches Wachstum zu sehen. Sie erkennen an, dass Schwierigkeiten unvermeidbar sind, und konzentrieren ihre Energie darauf, Wege zu finden, um konstruktiv damit umzugehen.

Umgang mit Gefühlen und Bedeutung von Tugenden

Der Stoizismus liefert auch eine wertvolle Perspektive auf die Art und Weise, wie wir mit unseren Emotionen umgehen. Stoische Philosophen wie Epiktet betonten, dass unsere Emotionen das Produkt unserer Urteile sind und nicht der Ereignisse selbst. Epiktet schrieb: „Nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen von den Dingen beunruhigen die Menschen.“ (Epiktet, 1995, S. 6) Diese Ansicht ist ein grundlegender Aspekt der Resilienz und eine Technik, die im Resilienz-Coaching genutzt wird, um Menschen dabei zu helfen, ihre Emotionen zu verstehen und zu steuern.

Schließlich unterstreicht der Stoizismus die Wichtigkeit von Tugenden wie Mut, Gerechtigkeit, Weisheit und Mäßigung. Diese Tugenden helfen uns, in schwierigen Zeiten standhaft zu bleiben und unsere Probleme mit Würde und Entschlossenheit zu bewältigen. In diesem Sinne fördert der Stoizismus eine „tugendhafte Resilienz“, bei der wir nicht nur auf Schwierigkeiten reagieren, sondern sie auch als Gelegenheiten zur persönlichen Entwicklung und zur Stärkung unseres Charakters nutzen.

Die Rolle des Stoizismus im Kontext der Resilienz ist daher nicht nur in der konkreten Anwendung seiner Prinzipien zu sehen, sondern auch in der Weise, wie er unser Verständnis von Resilienz und Widerstandsfähigkeit erweitert. Auf einer abstrakteren Ebene ermutigen uns die Stoiker dazu, unsere Vorstellungen von Kontrolle und Macht zu überdenken. In einer Welt, die oft von einem Bedürfnis nach Kontrolle und Vorhersagbarkeit geprägt ist, erinnert uns der Stoizismus daran, dass viele Aspekte des Lebens außerhalb unserer Kontrolle liegen. Diese Anerkennung unserer Begrenzungen kann paradoxerweise eine Quelle von Stärke und Resilienz sein, da sie uns hilft, uns auf das zu konzentrieren, was wir tatsächlich kontrollieren können – unsere Reaktionen, unsere Haltungen und unsere Tugenden.

Insgesamt ergänzen sich Stoizismus und Resilienz auf tiefgehende Weise. Der Stoizismus liefert ein robustes philosophisches Rahmenwerk, das die Entwicklung und Pflege von Resilienz unterstützt. In Kombination bieten diese beiden Konzepte kraftvolle Werkzeuge für die Bewältigung von Herausforderungen und die Förderung von persönlichem Wachstum.

Anwendung der stoischen Philosophie im Coaching

Die stoische Philosophie ist mehr als nur eine theoretische Perspektive; sie bietet eine Reihe von Techniken und Praktiken, die sich gut in das Resilienz-Coaching integrieren lassen. Stoizismus ist in seiner Essenz eine Philosophie der Praxis. Es handelt sich nicht nur um abstrakte Theorien und Gedanken, sondern um konkrete Anweisungen und Leitfäden für das tägliche Leben. Dies zeigt sich besonders deutlich in seinen Übungen und Techniken, die auf die Förderung der seelischen Widerstandsfähigkeit, also der Resilienz, abzielen.

Eine konkrete Methode, die in der stoischen Philosophie zur Verbesserung der Resilienz vorgeschlagen wird, ist die Praxis der „praemeditatio malorum“, oder „Vorwegnahme von Übeln“. Seneca (1924) empfiehlt in seinen Briefen an Lucilius insbesondere diese Technik, um seinem Freund zu mehr Standfestigkeit und Gelassenheit zu verhelfen.

Diese Technik beinhaltet das gedankliche Durchspielen schwieriger oder negativer Szenarien, um sich besser auf mögliche zukünftige Schwierigkeiten vorzubereiten und auf sie zu reagieren. Indem man sich auf das Schlimmste vorbereitet, kann man sich besser anpassen, wenn es tatsächlich passiert, und man kann auch das Glück der gegenwärtigen Situation mehr schätzen lernen, wenn die befürchteten Umstände nicht eintreten.

Die vier Schritte zur Anwendung dieser stoischen Technik (siehe Abb.) bauen aufeinander auf und lauten wie folgt:

  1. Denke an eine Herausforderung oder Schwierigkeit, die du in der Zukunft erwarten könntest. Es könnte sich um ein bevorstehendes schwieriges Gespräch, einen potenziellen Misserfolg oder Verlust oder jede andere Art von schwieriger Situation handeln.
  2. Stelle dir vor, wie es wäre, wenn dieses Szenario tatsächlich eintreten würde. Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte? Wie würdest du dich fühlen? Wie würden andere reagieren?
  3. Überlege, wie du in diesem Szenario reagieren würdest. Was könntest du tun, um die Situation zu bewältigen oder die negativen Auswirkungen zu minimieren? Wie könntest du deine Einstellung oder Perspektive anpassen, um besser damit umgehen zu können?
  4. Schließlich, reflektiere über das, was du gelernt hast. Wie hat diese Übung deine Sicht auf die Herausforderung verändert? Fühlst du dich besser darauf vorbereitet? Hast du neue Strategien oder Einsichten gewonnen, die dir helfen könnten, besser damit umzugehen?

Die Praxis der „praemeditatio malorum“ findet auch häufig im Profi-Sport Anwendung und wird gerne mit Visualisierungstechniken kombiniert. Ähnlich wie ein Rennfahrer im Geiste die Strecke durchfährt und Ideallinien für sich ausprobiert, kann durch die Vorwegnahme von Übeln bereits eine Sicherheit auftreten, indem man sich geistig und emotional in suboptimalen Bahnen bewegen lässt. Diese Praxis kann so dazu beitragen, Resilienz zu stärken, indem sie unterstützt, Ängste und Unsicherheiten zu mindern, das Bewusstsein für mögliche Handlungswege zu erhöhen und einen gelasseneren und flexibleren Umgang mit Schwierigkeiten zu fördern.

Vier Schritte der Praxis der „praemeditatio malorum“
Abb.: Vier Schritte der Praxis der „praemeditatio malorum“

Resilienz-Forschung und stoische Ratschläge 

In einer Langzeit-Studie über die Resilienzfähigkeit von Kindern hat Emmy Werner (1992) u.a. folgende Faktoren identifizieren können, die ein Kind resilient machen:

  • Positive, stabile Beziehungen
  • Soziale Integration
  • Stabiles Selbstwertgefühl
  • Kontrollsinn
  • Geduld und Disziplin

Während bei den Kindern in erster Linie die vorgefundene Widerstandskraft untersucht wurde, so ist bei Erwachsenen darüber hinaus die bewusste Kultivierung der Resilienz wichtig. Nach Pauline Boss (2008) sind vor allem folgende Punkte hierbei von Relevanz:

  • Realistische Einschätzung von Situationen – träumerische Hoffnungen ohne Fundament wirken resilienzhemmend.
  • Fähigkeit, mit Unsicherheit zu leben – Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach Eindeutigkeit, Sicherheit und „Normalität“ weisen ein geringeres Resilienz-Vermögen auf.
  • Sinn für Selbstwirksamkeit und Handlungsmächtigkeit – umso weniger Handlungsspielraum das Individuum hat, umso schlechter aufgestellt fühlt es sich.
  • Sinnvolles Tun – diejenigen, die mit ihrer Identität und dem Sinn ihres Daseins hadern, sind generell fragiler.
  • Wille zu Wachstum und Veränderung – die eigene Fragilität nimmt zu, sofern nur am Bestehenden festgehalten wird.

In Hinblick auf die Quellen der Resilienz unterscheidet Sedmak (2013) zwischen den inneren Dimensionen von Resilienz, also den psychischen, kognitiven und spirituellen Quellen, und den äußeren Dimensionen, also den physischen, sozialen und politischen Quellen. Die stoische Philosophie wirkt dabei auf beiden Dimensionen, indem sie zum einen Sorge um die psychische Verfassung des Einzelnen als auch um den jeweiligen Körper und die Gemeinschaft trägt.

Diese Faktoren, die zur Resilienz beitragen, weisen interessante Überschneidungen mit den Prinzipien und Praktiken der stoischen Philosophie auf. Die Stoiker legten großen Wert auf innere Stärke, persönliche Kontrolle und die Fähigkeit, sowohl die Dinge zu akzeptieren, die außerhalb unserer Kontrolle liegen, als auch aktiven Einfluss auf die Dinge zu nehmen, die wir kontrollieren können.

Die zuvor bereits herangezogene Feststellung Epiktets (1995), dass nicht die Dinge selbst, sondern die Meinungen darüber die Menschen beunruhigen, korrespondiert mit dem von Boss betonten Faktor der „realistischen Einschätzung von Situationen“. Das Konzept des „Kontrollsinns“ von Werner findet sich in der stoischen Dichotomie der Kontrolle wieder, die zwischen den Dingen unterscheidet, die wir kontrollieren können, und denen, die wir nicht kontrollieren können.

Auch die „Fähigkeit, mit Unsicherheit zu leben“, hat ihre Entsprechung in der stoischen Philosophie. Die Stoiker lehrten, dass man Gelassenheit und innere Ruhe inmitten der Stürme des Lebens finden kann, indem man die Unvermeidlichkeit des Wandels akzeptiert und lernt, mit Ungewissheit umzugehen.

Ebenso betonten die Stoiker, wie zuvor angesprochen, die Bedeutung von Disziplin, persönlicher Entwicklung und dem Streben nach Tugend – Prinzipien, die sowohl mit dem Faktor „Geduld und Disziplin“ von Werner als auch mit dem Faktor „Wille zu Wachstum und Veränderung“ von Boss übereinstimmen. Ebenso sind unsere Beziehungen zu anderen und unsere soziale Integration wichtige Aspekte des guten Lebens. Der Stoizismus betont die Bedeutung des oikeiôsis-Konzepts, das eine Affinität und Verbindung mit anderen Menschen beinhaltet. Dieses Prinzip spiegelt die Faktoren „positive, stabile Beziehungen“ und „soziale Integration“ von Werner wider.

Moderne Coaching-Praktiken in stoischen Schläuchen

In Hinblick auf die Entwicklung von resilienzfördernden Faktoren hielten die Stoiker auch praktische Coaching-Techniken bereit, um den Individuen zu mehr Gelassenheit und Widerstandskraft zu verhelfen:

Stressbewältigungstechniken
Die Stoiker lehrten, dass die Kontrolle unserer Reaktionen auf äußere Ereignisse der Schlüssel zur Aufrechterhaltung der inneren Ruhe ist. Sie betonten die Wichtigkeit der Dichotomie der Kontrolle, das Verständnis, dass einige Dinge in unserer Kontrolle stehen (unsere Meinungen, Ziele, Wünsche) und andere nicht (äußere Ereignisse). Diese Perspektive sollte helfen, Stress abzubauen, indem sie dazu anregt, sich auf das zu konzentrieren, was wir tatsächlich kontrollieren können.

Kognitive Umstrukturierung
Die stoischen Übungen wie z.B. die zuvor erwähnte „praemeditatio malorum“ (Vorwegnahme von Schwierigkeiten) oder die „objektive Darstellung“ helfen dabei, die Perspektive zu wechseln und herausfordernde Situationen mit einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Diese Techniken zielen darauf ab, negative oder destruktive Denkmuster zu erkennen und zu verändern.

Emotionsregulationstechniken
Stoiker glaubten, dass Emotionen das Ergebnis unserer Überzeugungen und Urteile sind und nicht der Ereignisse selbst. Durch das Hinterfragen und Überdenken dieser Überzeugungen sollten wir unsere Emotionen daher besser regulieren können. Wenn jede Emotion etwas Konstruiertes an sich hat, dann lassen sich diese auch durch neue Perspektiven neu konstruieren.

Selbstpflege-Strategien
Obwohl die Stoiker nicht direkt Techniken wie Schlafhygiene oder Ernährungsempfehlungen angeboten haben, betonten sie die Wichtigkeit von Disziplin und Selbstkontrolle in allen Aspekten des Lebens, einschließlich der Pflege des Körpers. Dadurch soll der Einzelne in seiner Physiologie eine größere Robustheit aufweisen.

Soziale Unterstützung
Die Stoiker sahen die Menschen als Teil eines größeren Ganzen und betonten die Wichtigkeit der Gemeinschaft und der gegenseitigen Unterstützung. Sie glaubten, dass wir soziale Wesen sind und dass es wichtig ist, gute Beziehungen zu anderen zu pflegen. Nur in einer gesunden und tugendhaften Gemeinschaft kann man demnach starken Rückschlägen sportlich entgegentreten.

Zielsetzung und Problemlösungsfähigkeiten
Der Stoizismus lehrt, dass es wichtig ist, realistische und tugendhafte Ziele zu setzen, und gibt Anleitungen, wie man mit Schwierigkeiten umgehen kann. Unrealistische Hoffnungen werden abgelehnt, weil sie das jeweilige Leiden nur unnötig vergrößern.

Positivitätstraining
In der stoischen Philosophie wird die Wichtigkeit betont, die positiven Aspekte jeder Situation zu sehen und eine Haltung der Dankbarkeit zu pflegen. Die „praemeditatio malorum“ hilft auch, Wertschätzung für das Gegenwärtige zu kultivieren, indem sie uns daran erinnert, dass die Dinge immer schlimmer sein könnten.

Achtsamkeitstechniken
Die Stoiker betonten die Wichtigkeit, im gegenwärtigen Moment zu leben und nicht von den Sorgen der Vergangenheit oder der Zukunft abgelenkt zu werden. Sie lehrten, dass das Hier und Jetzt das Einzige ist, was wir wirklich kontrollieren können, und dass unsere Aufmerksamkeit daher auf die Gegenwart gerichtet sein sollte. Durch Selbstbeobachtung sollte eine größere Bewusstheit der Gedanken und Gefühle erlangt werden. Beispielsweise reflektierte der Philosophenkaiser Mark Aurel so täglich seine Gedanken und Gefühle in seinen Tagebüchern.

Es zeigt sich also, dass die Prämissen der stoischen Philosophie durchaus im Resilienz-Coaching wiederzufinden sind. Es bestehen zahlreiche auffällige Parallelen. Bindet man den Stoizismus explizit in diese Praxis ein, so erhält man neben fundierten, resilienten Handlungsoptionen auch ein theoretisches und philosophisches (sprich begründetes) Gedankengerüst zu eben dieser Praxis.

Abschließende Gedanken

Moderne Coaching-Methoden sind in vielerlei Hinsicht Weiterentwicklungen antiker Techniken. Eine Reise zu den Ursprüngen dieser Praktiken kann jedoch dabei helfen, ihre historischen Entwicklungen besser zu verstehen und, indem wir die stoischen Prämissen neu verhandeln, möglicherweise innovative Strategien für die Gegenwart zu entwickeln.

Die Einbindung stoischer Prinzipien in das Resilienz-Coaching stellt daher eine effektive Strategie dar, um Widerstandsfähigkeit und Wohlbefinden zu fördern. Sie erweitert das Arsenal der Coaches und bietet den Klienten die Möglichkeit, von der zeitlosen Weisheit der Stoiker zu profitieren.

Mögen wir dieses Verständnis dazu nutzen, Resilienz und Gelassenheit sowohl im Kontext des Coachings als auch in unserem täglichen Leben zu fördern. Der Blick auf die Vergangenheit kann uns dabei helfen, den Weg in die Zukunft klarer zu sehen.

Literatur

Boss, P. (2008). Verlust, Trauma und Resilienz. Stuttgart: Klett-Cotta.

Epiktet (1995). Handbüchlein der Moral und Unterredungen. Stuttgart: Reclam.

Sedmak, C. (2013). Innerlichkeit und Kraft. Studie über epistemische Resilienz. Freiburg: Herder.

Seneca, L. A. (1924). Philosophische Schriften. Briefe an Lucilius. Leipzig: Felix Meiner.

Werner, E. E. (1992). Overcoming the odds: High risk children from birth to adulthood. Ithaca: Cornell University Press.

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