Resilienz-Coaching

Welche Faktoren begünstigen den Coaching-Erfolg?

Resilienz-Coaching
© Foto: Glass and Nature/Shutterstock.com

Die Entwicklung und Stärkung individueller Resilienz kann nicht zuletzt in Krisenzeiten als sinnvoller Coaching-Inhalt betrachtet werden. Welche Aspekte machen Resilienz aus und wie können diese im Coaching unterstützt werden? Inwiefern begünstigen Vertrauen, die Dauer der Beziehung zwischen Coach und Klient sowie das Verhalten des Coachs den Coaching-Erfolg? Beantwortet werden diese Fragen im vorliegenden Beitrag auch auf Grundlage einer Studie. 

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Vertrauen, Beziehungsdauer, Coach-Verhalten und dem daraus resultierenden Coaching-Erfolg. Zu Beginn werden die Begriffe Vertrauen sowie Coach-Verhalten beschrieben und die Stärkung von Resilienz als Coaching-Erfolg definiert. Es soll gezeigt werden, wie vielschichtig die Begriffe sind und wie vielseitig die Stärkung von Resilienz ausfallen kann. Welche Fragen und Tools bei diesem Prozess helfen, soll punktuell beschrieben werden. Darüber hinaus wird eine empirische Studie vorgestellt, aus der valide Antworten zu den oben beschriebenen Zusammenhängen abgeleitet werden können.

Der Vertrauensbegriff

Vertrauen wird in der Literatur immer wieder als wichtiger Erfolgsfaktor der Zusammenarbeit zwischen Führungskräften und deren Mitarbeitern genannt. Stützt man sich in diesem Zusammenhang auf Eriksons (1950) Theorie der psychosozialen Entwicklung, erscheint dieser Umstand auch völlig klar. Im Alter von 0–1 Jahren entwickelt sich laut Erikson eine grundsätzliche Haltung von Kindern, die zwischen dem sogenannten Ur-Vertrauen und dem Ur-Misstrauen schwankt. Erikson beschreibt diese Schwankungen anhand der resultierenden Persönlichkeitseigenschaften von Menschen. So wird im Rahmen eines guten Ur-Vertrauens von einem stabilen Sicherheitsbewusstsein gesprochen, das dazu führt, dass Menschen weniger Angst haben. Im Gegensatz dazu stehen auf der Seite des Ur-Misstrauens Eigenschaften wie Unsicherheit, Angst, emotionale Verwahrlosung und das Gefühl des Verlassen-Seins. Eigenschaften, die besonders die spätere Arbeit in Teams erschweren können.

Welche Einflüsse den Ausschlag in eine der beiden Richtungen geben, soll an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden. Nur so viel ist klar: Mit Beginn des Lebens entwickelt sich die Vertrauensemotion über viele Jahre weiter. Nach Plutchiks (1980) Theorie der acht Basisemotionen ist Vertrauen eine Primäremotion, die gepaart mit Freude zu der Sekundäremotion Liebe werden kann. Die humane Beziehungsfähigkeit und -gestaltung hängt demnach sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext stark von der Vertrauensintensität ab. Für Teams bedeutet das, dass der fachliche Erfolg nicht nur von der Berufserfahrung abhängt, sondern auch von erworbenen Softskills.

Eberl (2010) schreibt, dass Vertrauen eine Erwartungshaltung von Menschen darstellt. Eine Erwartungshaltung, die enttäuscht werden kann, sprich ein Risiko für den Vertrauenden birgt. Sicherlich kann man sagen, eine Enttäuschung beinhalte Positives, da die Täuschung endet. Dennoch stellt die Verletzbarkeit der Erwartungshaltung eine Hürde dar, die Menschen nicht immer nehmen möchten.

Jelinski (2014) beschreibt bezugnehmend auf das Vertrauensmodell von Mayer, Davies und Schoorman (1995) die Kategorisierung von Vertrauen in drei Arten:

  • Kompetenzbasiertes Vertrauen – Macht das Gegenüber einen kompetenten Eindruck? Hat es ein entsprechendes Auftreten? Zeigt seine Selbstdarstellung ein vertrauenswürdiges Bild? Werden seine Handlungen diesem Bild gerecht?
  • Wertbasiertes Vertrauen – Entsprechen die Handlungen und Verhaltensweisen des Gegenübers dem, wofür ich stehe? Kann ich mich mit dem Gegenüber identifizieren bzw. tragfähige Schnittmengen erkennen?
  • Intentionsbasiertes Vertrauen – Fühlt es sich richtig und gut an, dem Gegenüber einen Vertrauensvorschuss einzuräumen? Erkenne ich die Absichten des Gegenübers als teil- oder vollumfänglich richtig an und möchte ich diesen Weg mitgehen?

Vertrauen ist ein vielschichtiges Konzept. Verschiedene Einflüsse wirken auf das gegenseitige Vertrauen von Menschen ein – in Teams, Coaching-Prozessen oder auch im Privatleben.

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