Methoden in Coaching und Beratung

Die Veränderung des Methodeneinsatzes während der beruflichen Laufbahn

Methoden in Coaching und Beratung
© Foto: Khongtham/Shutterstock.com

Einerseits sind Methoden und Tools in Coaching und anderen Beratungsformaten sehr gefragt, wie ein Blick in den Markt der einschlägigen Fachliteratur zeigt. Andererseits wird ein zu starker Fokus auf dieses „Handwerkszeug“ nicht selten kritisiert. Beziehungs- und Gesprächsgestaltung seien ungleich wichtiger. Die hier vorgenommene Reflexion basiert auf einer qualitativen Erhebung und mündet in einer Deutung von Methoden als sicherheitsgebende Übergangsobjekte auf dem Weg zu einer individuellen Berateridentität.

Die Methodenliteratur in der Beratung zeigt eine überwältigende Anzahl von Büchern unterschiedlicher Schulen, unterschiedlicher Qualität und fachlicher Relevanz (Looss, 2014; Lackner, 2015). Stephan et. al. (2009) beschreiben nach der Zusammenfassung einer Vielzahl unterschiedlicher Coaching-Tools die Schwierigkeit, diese zu systematisieren und abzubilden. Auch ihnen stellt sich die Frage, welches Tool sich für welche Beratungssituation eignen mag. Die Antwort lassen sie offen und kritisieren die reduktionistisch-mechanistische Sichtweise auf eine Vielfältigkeit von Situationen, Anlässen und Individuen. Aufgrund dieser Komplexität beschreiben sie Coaching und den Einsatz von Methoden als „gelebten Eklektizismus“ (ebd.; S. 75) – die Verwendung unterschiedlicher Methoden und Elemente aus verschiedenen Schulen, Systemen, Weltanschauungen, neu zusammengesetzt und situationsadäquat angewandt. Der Ausspruch „Gelobt sei, was klappt“ (ebd.; S. 75) impliziert hier ein gewisses Maß an Zufall. Professionelle Beratung jedoch zeichnet sich durch ein wissenschaftlich fundiertes Theoriegebäude aus (Möller et. al., 2014).

Die Begriffe „Handwerkszeug“, „Handwerkskoffer“ oder „Instrumente“ verkürzen die Sicht auf die Komplexität der Beratungssituation. Mit einem Handwerkszeug hat man nur die Bearbeitung des Gegenstandes im Sinn, nicht aber die Wahrnehmung des Umfeldes (Buchinger, 2003). Hier braucht es den Anwender, den „Handwerker“, um bei dieser Metapher zu bleiben. Und das beste Werkzeug ist nur so gut, wie sein Anwender und sein Wissen um die jeweilige Situation, in der er es anwenden kann.

Veränderung des Methodeneinsatzes

Im Rahmen einer qualitativen Studie wurden sechs langjährig tätige Berater aus dem psychosozialen Bereich – darunter auch Coaches – bezüglich ihrer Erfahrungen befragt, die sie im Laufe ihrer beruflichen Tätigkeit mit dem Einsatz von Methoden sammelten. Die Antworten der Berater wurden vor dem Hintergrund ihrer Ausbildung, ihrer persönlichen Entwicklung und ihrer Erfahrung mit dem Methodeneinsatz in verschiedenen Situationen reflektiert, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, ob und wie sich der Methodeneinsatz im Laufe der Zeit verändert.

Die Interviewpartner berichteten, dass sich der Einsatz von Methoden und auch der Umgang mit ihnen sowohl qualitativ als auch quantitativ verändert haben. Heute sei es eher ein Ausprobieren dessen, was man gelernt habe. Mit der Zeit verändere sich der Umgang mit Methoden insofern, dass man zunehmend in der Lage sei, diese anzupassen: Zum einen hinsichtlich der Frage, wie sie zu der sich entwickelnden eigenen beraterischen Identität passen, und zum anderen ist der Berater zunehmend mehr in der Lage, zu erfassen, was das Klienten-System benötigt. Man spule nicht mehr einfach sein erlerntes Wissen ab.

Das Wichtigste, das betonten die Berater immer wieder, sei das Gespräch. Methoden treten zugunsten des Gesprächs als Methode mehr und mehr in den Hintergrund. Der Methodeneinsatz wird weniger, er erfolgt selektiver und die Methoden werden auf die Bedürfnisse des Klienten angepasst. Die Berater nehmen sich zwar Anregungen aus der gängigen Literatur, passen diese aber auch an oder lassen sich inspirieren, um eigene Vorgehensweisen zu entwickeln.

In ihrem Artikel „Die fragwürdige Verlässlichkeit methodischer Haltegriffe in der Beratung“ beschreibt Karin Lackner die Funktion von Methoden in Anfangssituationen als Haltegriffe. Diese sind insofern wichtig, als sie dazu dienen, Unsicherheiten in Anfangssituationen erfolgreich zu bewältigen. Kritisch wird es erst dann, wenn sich der Berater übermäßig an Methoden festhält und damit unfähig wird, sich auf das Klienten-System einzulassen. Berater werden also im Laufe ihrer Tätigkeit „unprofessioneller im Sinne der Lehrbücher“ (Lackner, 2015; S. 456). Die Interviewpartner bestätigten diese Hypothese und sahen es auch bei Kollegen oder Lehrsupervisanden so: „Man muss ja irgendwie anfangen und sich an etwas festmachen.“

In Beziehung treten – die Person des Beraters

Die Person des Beraters, sein Einbringen, seine Entwicklung und Veränderung im Verlauf sowohl des Beratungsprozesses als auch des Sammelns von Berufserfahrung sind zentrale Aspekte erfolgreicher Beratung (Boeckh, 2008; Nussle-Stein, 2006). Die Person des Beraters zog sich durch alle Interviews und es wurde deutlich, dass sie der Dreh- und Angelpunkt in der Beziehung zum Klienten ist. „Der Berater ist die Methode“, so drückte es ein Interviewpartner aus.

Beratung ist Beziehungsarbeit (Lackner, 2015; Möller et. al., 2014). Beratung, Supervision oder Coaching auszuüben, bedeutet folglich, „in Beziehung“ zu treten (Urban, 2011). Eine beobachtete Tendenz zum Verlust dieser Fähigkeit kommt in der Aussage eines Interviewten zum Ausdruck, heute werde viel in Methoden und wenig in Prozess- und Beziehungsgestaltung gedacht.

Das Gespräch

Die wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit und für den Aufbau einer Beziehung zwischen Klient und Berater ist das Gespräch, die Pflege der Interaktionsbeziehung. (Giesecke & Rappe-Giesecke, 1997). Der Mensch bekommt individuelle Aufmerksamkeit und Zuwendung durch den Berater. Er wird gehört und gesehen. Das Entscheidende sind der Berater und die Beziehung, die er zum Klienten aufbaut. In dem Maße, in dem der Berater hierzu fähig ist, gelingt gute Beratung und führt zur Verbesserung der Situation des Klienten. Die Methoden, die er dabei anwendet, können unterstützen und punktuell Klarheit schaffen, sind aber nicht das Entscheidende.

Möller (2007) beschreibt die Anwendung von unreflektierten und nicht theoriegebundenen Methoden einerseits als Mangel, durch den vermieden wird, mit dem Klienten und seinen Werten in Kontakt zu kommen, aber andererseits auch als Abwehr, wenn der Berater die Auseinandersetzung mit seinen eigenen Gegenübertragungsgefühlen nicht aushalten will. Dies gaben auch die befragten Berater zu Protokoll, indem sie konstatierten, dass sowohl der Berater als auch der Klient sich hinter Methoden verstecken können. Wenn etwas „nicht in Gang“ kam, habe es häufig daran gelegen, dass sich der Berater entweder „nicht getraut“ habe, etwas anzusprechen, oder eine Methode nach der nächsten abgespult habe, aber nicht in einen wirklichen Kontakt mit dem Klienten gekommen sei.

Eingrenzung durch Strukturierung vermeiden

Die Annahme besteht darin, dass es die Grundlage allen Verstehens ist, sich selbst zu erkennen, sich seines Selbst bewusst zu werden. Dies führt zu Winnicotts (2006) Schilderung der Suche nach dem Selbst. Er beschreibt das Erleben im Spiel, die Kreativität und die damit einhergehende Entspannung im therapeutischen Kontext als wesentlichen Aspekt, um Erfahrungen zu sammeln. Der Zustand muss ungerichtet sein, der Patient soll sich „verströmen“ können.

Grundvoraussetzung hierfür ist eine von Vertrauen getragene Beziehung zum Therapeuten. Als entscheidenden Aspekt nennt er, keine übermäßige Eingrenzung durch Strukturierung vorzunehmen. Winnicott beschreibt diese als Abwehr – sowohl beim Patienten als auch beim Therapeuten. Beide haben möglicherweise vor dem entstehenden Chaos Angst. Der freie Raum, der entsteht, ermöglicht jedoch Assoziationen und Fantasien. Winnicott macht hier keinen Unterschied im Setting. Insofern scheint eine Übertragung auf den beraterischen Kontext durchaus erlaubt. Wichtig ist demnach die Ermöglichung eines „schöpferischen Aus-sich-Herausgehens“. Angst – auf beiden Seiten – verhindert dies und führt zu Abwehr und letztlich zum Verstecken hinter Methoden, zum unproduktiven Nutzen von Haltegriffen und verhindert es, in Beziehung zu treten. Unter den Bedingungen der Entspannung, der schöpferischen Kreativität und der Rückspiegelung dieser Erfahrungen an das Gegenüber, Winnicott nennt hier sowohl den Freund als auch den Therapeuten, „kann das Individuum zu sich selbst kommen und als Einheit existieren, und zwar nicht aus Angstabwehr, sondern als Ausdruck des ‚Ich-bin‘, ‚Ich-lebe‘, ‚Ich-bin-ich‘. Unter dieser Bedingung ist alles kreativ“ (Winnicott, 2006; S. 69).

Aufgabe des Beraters kann es demnach sein, durch genügende Selbstreflexion seine Ängste zu kennen, Chaos und Unsicherheit aushalten zu können und das „Spiel“ mitzuspielen, ohne es zu sehr zu strukturieren, denn: „Beider Selbst konstituiert sich in der Begegnung.“ (Ermann, 2014; S. 12) Dieses Verständnis von Beratung reduziert die Begegnung auf das, was letztendlich entscheidend ist: das Gegenüber. Letztlich geht es um zwei Menschen, Gruppen oder Organisationen, die miteinander in Beziehung treten, oder, wie Lackner (2015; S. 447) es beschreibt: „Persönlichkeit entwickelt sich im Dialog mit dem Gegenüber. Die Person beeinflusst und wird beeinflusst.“

Annahmen zu Methoden als Übergangsobjekte

Ein Berater beschrieb seine Erfahrung als Lehrsupervisor: Er erlebe, dass bei seinen Klienten eine Überfütterung mit Methoden bestehe. Dies führt zu der Frage, welche Rolle eigentlich die Ausbildungsstätten, ob es nun Institute oder Universitäten sind, spielen. Es kommt der Gedanke auf, dass es sich bei den Ausbildungsstätten um eine Art „ernährende, versorgende Mutter“ handeln könnte. Stippler und Möller (2009) beschreiben in ihrer Studie zur Weiterbildungsmotivation von Teilnehmern einer Coaching-Ausbildung den Wunsch dieser, selbst gecoacht oder beraten zu werden, weil sie sich in einer beruflich oder privat schwierigen Situation befinden. Dies legt die Annahme nahe, dass an diese Institution Hilfserwartungen gerichtet werden.

Die Erwartungen gleichen denen, die Freud in „Die Zukunft einer Illusion“ beschreibt: die Versorgungserwartungen an eine übergeordnete Macht, dort Religion, die dem Menschen hilft und Halt gibt. Äußerer Zwang und Werte werden allmählich verinnerlicht und führen zur Ausbildung des Über-Ich (Freud, 1927; Klein, 1971). Der Mensch schafft sich Götter, vor denen er sich fürchtet, von denen er aber gleichzeitig Schutz erwartet (Freud, 1927). Und die frühesten Götter des Kindes sind seine Eltern. Dies führt wiederum zur Annahme, dass, wie in der genannten Studie beschrieben, Studierende Versorgungswünsche an die ausbildende Institution richten.

Die Rolle der Bildungsinstitution

Welche Rolle spielt nun die Bildungsinstitution, die versorgt und mit Wissen „ernährt“? Diese Frage wiederum führt zu Melanie Klein und ihrem Konzept von der frühkindlichen Mutter-Kind-Beziehung. Klein beschreibt die gelungene Lösung von der Mutter und Ich-Bildung als wesentlichen Faktor der zukünftigen Beziehungsfähigkeit (Sandner, 1978). Hier kann angenommen werden, dass Ähnlichkeiten in der Beziehung zwischen Bildungsinstitution und Student bestehen. In dem Maße, wie es gelingt, das künftige Berater-Ich zu stärken und damit selbständig zu machen, gelingt es dem Berater, künftig gut zu arbeiten.

Um diese Lösung von der „ernährenden Mutter“ (Universität / Ausbildungsinstitut) zu vollbringen, braucht es Übergangsobjekte, die einen „intersubjektiven Raum“, einen „Möglichkeitsraum“, so beschreibt es Winnicott (Ermann, 2014; S. 11), herstellen, der es dem Menschen erlaubt, ein Selbst auszubilden. Die Berater legten dar, dassder Methodeneinsatz im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung abnahm und man kreativer in der Anwendung wurde. Auch Übergangsobjekte verlieren nach und nach an Bedeutung. Das Objekt ermöglicht den Übergang aus einer Phase enger Verbundenheit mit der Mutter. Dieser Rückzug verschafft dem Kind die Sicherheit einer Realität, „dass das, was es schafft, auch wirklich besteht“ (Winnicott, 2006; S. 25).

Intermediärer Erfahrungsbereich

Nach der psychoanalytischen Theorie sind Übergangsobjekte Dinge, die zwei Welten zugehörig sind und mit subjektiven Inhalten gefüllt werden. Ein Übergangsobjekt repräsentiert sowohl die Welt der Mutter als auch die des Kindes. Es stellt eine Verbindung zwischen der inneren und der äußeren Welt dar und wird mit den subjektiven Inhalten gefüllt, d.h., es stillt die inneren Bedürfnisse und repräsentiert die sozialen Erwartungen. Das Kind überträgt dem jeweiligen Übergangsobjekt die Eigenschaften der Mutter. Es wird geschaffen als imaginierter Ersatz dieser. Gleichzeitig zieht sich das Kind mit Hilfe des Übergangsobjektes in diesen Raum und damit auf den gedachten anderen zurück (Winnicott, 2006). Ein Übergangsobjekt ist ein Medium, in dem sich das Selbst entwickeln kann. In der heutigen psychoanalytischen Theorie wird auch die Therapie als intersubjektives Feld bezeichnet (Ermann, 2014).

Die Verwendung von Übergangsobjekten und ihr vielfältiger Einsatz dienen auch der Abwehr von Ängsten (Winnicott, 2006). Die Übergangsobjekte stehen für eine Illusion, für eine Verbindung zu einem Objekt, das außerhalb des Kindes steht und von anderen außerhalb stehenden Personen ebenfalls wahrgenommen werden kann. Insofern können Methoden für den intermediären Erfahrungsbereich stehen, der nicht in Frage gestellt wird und „von dem Druck befreit, innere und äußere Realität miteinander in Beziehung setzen zu müssen“ (Winnicott, 2006; S. 24). Es gibt ein Außen und ein Innen. Die Abgrenzung und Definition dieser Bereiche sind wichtig, um mit der Welt in Beziehung zu kommen. In dem Maße, wie dies gelingt, zieht sich die Mutter zurück. Mit der Zeit verlieren die Übergangsobjekte an Bedeutung. Winnicott (2006) beschreibt es als bedeutsam, dass eine akzeptierte Widersprüchlichkeit auch positiv gesehen werden kann, denn die Auflösung der Widersprüchlichkeiten würde zu einer „Abwehrorganisation“ führen. Dies scheint eine große beraterische Kompetenz zu sein, Widersprüchlichkeiten im Klienten-System zu erkennen und zu akzeptieren, sichtbar und damit bearbeitbar zu machen und nicht in eine Abwehrreaktion zu verfallen.

Das Spiel als kreativer Raum

Folglich haben Methoden als Übergangsobjekte – so die Annahme – eine wichtige Bedeutung, um sich von der ausbildenden „Mutter“ zu lösen und mit dem Klienten-System in Kontakt zu kommen. Als Weiterentwicklung der Übergangsphänomene nennt Winnicott (2006) das Spielen als Ort schöpferischer Kreativität und der Entfaltung. Dieses kreative Spielen wurde auch von den interviewten Beratern im Verlauf ihrer Berufstätigkeit durchlaufen. Es ist bezeichnend, dass die Berater dies nicht in Bezug auf Anfangssituationen erwähnten. Hier überwogen die Haltegriffe zur Bewältigung der Unsicherheiten. Die Berater beschrieben beispielsweise, wie die Verwendung von Methoden ihnen in Anfangssituationen, die sie als Unsicherheit auslösend erlebt haben, Sicherheit verliehen hat.

Ableitungen

Was bedeutet es nun, wenn man der Annahme folgt und Methoden, die in den Anfangssituationen als Haltegriffe dienen, in ihrer Bedeutung mit Übergangsobjekten gleichsetzt? Zugegebenermaßen hinkt der Vergleich in einigen Punkten. Z.B. werden Methoden vom Berater vermutlich nicht triebhaft geliebt und gehasst. Aber das vermittelte Gefühl der Sicherheit, der Angstabwehr und die Bedeutung für die Entwicklung der schöpferischen Kreativität mögen doch zutreffen.

Unter den Bedingungen der Kreativität des Spielens und der Ungerichtetheit des Beraters, der nicht schnell versucht, Ordnung im Chaos zu sehen, sowie durch das Erleben des „Flows“ in der Beratung (Lackner, 2012), die auf dem Vertrauen des Klienten zum Berater basiert, entsteht beim Klienten ein Gefühl für sich selbst (Winnicott, 2006). Das scheint die Voraussetzung für Beziehung und damit erfolgreiche Beratung zu sein.

Fazit

„Methoden sollen Wege zum Menschen sein und diese nicht verstellen“, so betont es der Sozialanthropologe George Devereux (Boeckh, 2008; S. 13). Methodeneinsatz verändert sich – so schlicht die Annahme, aber auch so komplex – mit der Veränderung der Persönlichkeit, der wachsenden Erfahrung und mit dem Gewinn von Erkenntnis über sich selbst. Der Methodeneinsatz verändert sich vom Vielen hin zu Wenigem. Dieser Vorgang findet nicht bewusst statt, sondern wurde den Beratern erst in den Interviews deutlich.

Eine Herangehensweise, bei der auf nur eine Methode, Sichtweise oder Schule zurückgegriffen wird, würde die Komplexität maßgeblich reduzieren. Die Haltung, mit der sich der Berater in den Klienten-Systemen bewegt, hängt von seiner Denkweise ab. Ist er offen für mehrere Perspektiven oder lässt er sich eingrenzen durch Vorannahmen, blinde Flecken oder Widerstände? Ist er vertraut mit dem Denken im Chaos und fähig, in einen Dialog und eine Beziehung einzutreten?

Ausbildungen, so die Annahme, die auf eine reine Methodenvermittlung in kurzer Zeit setzen, scheinen demnach zu kurz zu greifen. Sinnvoll wäre es, immer die ganze Beraterperson mit ihrer Entwicklung im Blick zu behalten. Diese Entwicklung braucht Zeit – und Menschen, die sich darauf einlassen. Sowohl in der Ausbildung als auch in der anschließenden spezifischen Coaching- und Beratungstätigkeit. Offen bleibt die Frage, was eigentlich alles Methode ist, wie sich eine Methode definiert und abgrenzt. Oder ist alles Methode?

Literatur

  • Boeckh, Albrecht (2008). Methodenintegrative Supervision. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Buchinger, Kurt (2003). Identität in der Supervision. Supervision, 2, S. 72–80.
  • Ermann, Michael (2014). Intersubjektivität im Übergangsraum. In Michael Kögler & Eva Busch (Hrsg.), Übergangsobjekte und Übergangsräume (S. 9–24), Gießen: Psychosozial Verlag.
  • Freud, Sigmund (1927). Die Zukunft einer Illusion. Leipzig, Wien, Zürich: Internationaler Psychoanalytischer Verlag.
  • Giesecke, Michael & Rappe-Giesecke, Kornelia (1997). Supervision als Medium kommunikativer Sozialforschung. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
  • Klein, Melanie (1971). Die Psychoanalyse des Kindes. Basel: Ernst Reinhardt Verlag.
  • Lackner, Karin (2015). Gruppendynamisch fundierte Ausbildungen – partizipativ – reflexives Lernen mit Nebenwirkungen. Gruppendynamik und Organisationsberatung, 3/4, 445–459.
  • Lackner, Karin (2012). Die zweifelhafte Verlässlichkeit methodischer Haltegriffe in der Beratung. Soziale Passagen, 1, S. 131–146.
  • Looss, Wolfgang (2014). Pioniere, Nebenbei-Coachs und Kunsthandwerker: Die heterogene Coaching-Szene. In Wirtschaftspsychologie aktuell (Hrsg.), e-Dossier professionelles Coaching (S. 5–10), Berlin: Deutscher Psychologen Verlag.
  • Möller, Heidi; Kotte, Silja; Liebelt, Andreas (2014). „Denn sie wissen (oft) nicht, was sie tun“: Sechs Thesen zu einer guten Coaching-Ausbildung. In Wirtschaftspsychologie aktuell (Hrsg.), e-Dossier professionelles Coaching (S. 11–17), Berlin: Deutscher Psychologen Verlag.
  • Möller, Heidi (2007). Methodenintegration: Eintopf oder Menu à la carte? Psychotherapie Forum, 1, S. 10–12.
  • Nussle-Stein, Cornelia (2006). Professionalität in Beratung und Therapie. Bern: Haupt.
  • Sandner, Dieter (1978). Psychodynamik in Kleingruppen. Basel, München: Ernst Reinhardt Verlag.
  • Stephan, Michael; Gross, Peter-Paul & Hildebrandt, Norbert (2009). Management von Coaching. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Stippler, Maria & Möller, Heidi (2009). „Aber jetzt ist der Zeitpunkt reif für etwas anderes“. Zur Weiterbildungsmotivation von TeilnehmerInnen einer Coachingausbildung. OSC, 1, 72–85.
  • Urban, Christoph (2011). Der Erstkontakt in der Supervision. In Elisabeth Möller & Stefanie Träupmann (Hrsg.), Aspekte der psychodynamischen Supervision (S. 30–42), Kassel: kassel university press.
  • Winnicott, Donald W. (2006). Vom Spiel zur Kreativität. Stuttgart: Klett-Cotta.
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