Konzepte

Ziel erreicht und doch nicht glücklich?

Hedonistische Tretmühle, Ankunftsfehler und mimetisches Begehren

An Ziele werden häufig große Erwartungen und Hoffnungen geknüpft. Viele Menschen merken jedoch nach Erreichung ihrer Ziele, dass sie nicht glücklicher sind als zuvor. Woran das liegt und was das für die Zielsetzung im Coaching bedeutet, ist Gegenstand dieses Beitrags.

7 Min.

Erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 3 | 2026 am 08.09.2026

Das Foto zeigt eine Straße, in deren Mitte sich ein dicker roter Pfeil befindet.

So vielfältig Coaching-Prozesse sein mögen, haben sie in der Regel eines gemeinsam, das sich wie ein roter Faden durch den Prozess zieht: das Ziel. Dieses wird am Anfang festgelegt, fungiert – ggf. mit Anpassungen – als Orientierungsmarker im gesamten Verlauf und wenn es am Ende erreicht wird, gilt das Coaching als gelungen. Doch was, wenn die Zielerreichung nicht die gewünschte Wirkung hat? Welches Phänomen steckt dahinter, wenn jemand alles erreicht, was er sich vornimmt, und dennoch unzufrieden ist?

Auf einen Blick

Symbol einer Lupe
  • Entgegen geläufiger Erwartungen, hat Zielerreichung nicht automatisch Zufriedenheit zu Folge.
  • Theoretische Konstrukte, die dieses Phänomen erklären, umfassen die hedonistische Tretmühle, den Ankuntsfehler sowie das mimetische Begehren.
  • Für das Coaching ist das Wissen um diese Konstrukte bei der Zielsetzung sinnvoll. Da so die negativen Gefühle, die eventuell nach Zielerreichung aufkommen, reduziert bzw. ganz vermieden werden können.

Die hedonistische Tretmühle

Das Konzept von der hedonistischen Tretmühle (auch: hedonistische Adaptation, hedonistischer Relativismus; engl.: hedonic treadmill) besagt, dass Menschen über ihr gesamtes Leben hinweg ein relativ stabiles Level an Glücksempfinden aufrechterhalten (Brickman & Campbell, 1971). Als wichtigste Studie zu diesem Konzept gilt diejenige von Brickman et al. (1978), die das subjektive Glückserleben von Lotteriegewinnern sowie Personen, die nach Unfällen gelähmt sind, erhebt und miteinander abgleicht. Die daraus resultierenden Studienergebnisse stützen die These, dass weder positive noch negative Ereignisse – zumindest über längere Zeit betrachtet – am Glückslevel etwas verändern.

CM+ Artikel

Weiterlesen mit dem Digital-Abonnement

  • Zugriff auf über 1.000 Fachartikel
  • Exklusive Praxisberichte & Coaching-Tools
  • Zugang zu allen Audios und Sonderausgaben
  • PDF-Download aller Ausgaben

Literatur

Ben-Shahar, T. (2007). Happier. Columbus: McGraw Hill.

Berridge, K. C. & Robinson, T. E. (1998). What is the role of dopamine in reward. Brain Research Reviews, 3, S. 309369.

Brickman, P. & Campbell, D. T. (1971). Hedonic Relativism and Planning the Good Society. In M. H. Appley (Hrsg.), Adaptation-Level Theory: A Symposium (S. 287302), Amherst: Academic Press at University of Massachusetts.

Brickman, P.; Coates, D. & Janoff-Bulman, R. (1978). Lottery winners and accident victims. Journal of Personality and Social Psychology, 8, S. 917–927.

Choi, A. L. & Anderson, C. (2024). Be careful what you wish for. PLOS One, 6, e0304727.

Gilovich, T.; Medvec, V. H. & Savitsky, K. (2000). The spotlight effect in social judgment. Journal of Personality and Social Psychology, 2, S. 211–222.

Girard, R. (1976). Deceit, Desire, and the Novel. Baltimore: John Hopkins University Press.

Lebreton, M. et al. (2012). Your Goal Is Mine. Journal of Neuroscience, 21, S. 7146–7157.

Linder, J. N. (2025). The Overlooked and Misunderstood Arrival Fallacy. Psychology Today. Abgerufen am 30.06.2026: www.psychologytoday.com

Mauss, I. B. et al. (2011). Can Seeking Happiness Make People Happy? Emotion, 4, S. 807–815.

Schultz, W. (2016). Dopamine reward prediction error coding. Dialogues in Clinical Neuroscience, 1, S. 23–32.

Schwartz, B. et al. (2002). Maximizing versus satisficing. Journal of Personality and Social Psychology, 5, S. 1178–1197.

Woolley, K.; Giurge, L. M. & Fishbach, A. (2025).  Adherence to Personal Resolutions Across Time, Culture, and Goal Domains. Psychological Science, 8, S. 607–621.

Dieser Artikel gefällt Ihnen?

Mit einem Abonnement erhalten Sie Zugriff auf über 1.000 Fachartikel zum Thema Coaching, Führung und HR. Nutzen Sie unsere praxiserprobten Coaching-Tools und -Methoden, entdecken Sie neue Formate und Ansätze.
Ihr Abonnement ermöglicht es uns, auch in Zukunft fundiert über das Thema Coaching informieren zu können.

Das könnte Sie auch interessieren:

Wissen für Ihre Coaching- und Führungs-Praxis

Coaching-Newsletter: kostenlos und unverbindlich. Monatliche Fachartikel mit Praxistipps für Coaching, Führung und HR, Coaching-Tools und Branchennews. Jetzt anmelden, Aktivierungs-E-Mail erhalten und nichts mehr verpassen! 

Nach oben