Konzepte

Wenn Selbstreflexion schadet

Nebenwirkungen reflexiver Praktiken und wie man sie vermeidet

Selbstreflexion, Achtsamkeit, Introspektion und Co genießen einen guten Ruf und sind fester Bestandteil der Coaching-Praxis. Weniger verbreitet ist hingegen das Wissen um ihre Tücken. Der vorliegende Artikel geht auf die negativen Folgen ein, die beim Auseinandersetzen mit dem Selbst entstehen können und beleuchtet das Gegenmittel, das diese mindert.

7 Min.

Erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 2 | 2026 am 12.05.2026

Die Vektografik zeigt eine Figur, die mit einer Lupe ihr abgesetztes Gesicht, das einer Maske gleicht, betrachtet.

Der Blick nach innen bildet das Zentrum der allermeisten Coaching-Formate. Seine Sinnhaftigkeit ist nicht zu bestreiten: Wer bin ich? Was macht mich aus? Was sind meine Werte? Was meine Ziele? Wo liegen meine Stärken? Wo meine Schwächen? Wie fühle und verhalte ich mich? Wer ein selbstbestimmtes Leben führen will, muss sich derartigen Fragen stellen.

Auf einen Blick

Symbol einer Lupe
  • Selbstreflexion ist eine gängige und nützliche Methode zur Selbstfindung. Allerdings kann ein Zuviel an falsch angewandter Selbstreflexion schaden.
  • Bei reflexiven Praktiken ist das Default Mode Network (DMN) aktiviert. Sein Gegenspieler stellt das Central Executive Network (CEN) dar.
  • Der Schlüssel liegt darin, eine Balance zwischen den beiden Modi zu schaffen.

Doch die Forschung verweist auf die Schattenseiten von Reflexionspraktiken. So gibt es einer Metastudie (He & Gan, 2025) zufolge keine signifikante Beziehung zwischen Selbstreflexion und positiven Effekten auf die mentale Gesundheit oder auf das subjektive Wohlbefinden, die Lebenszufriedenheit sowie das Selbstwertgefühl. Stattdessen wird ein signifikanter Zusammenhang zwischen Selbstreflexion und negativen Indikatoren der mentalen Gesundheit, einschließlich Depression und Angstzuständen, festgestellt.

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Literatur

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BMBFSFJ (2023). Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit. Abgerufen am 19.03.2026: www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/service/publikationen/strategie-der-bundesregierung-gegen-einsamkeit-234582

Eurich, T. (2017). The right way to be introspective (yes, there’s a wrong way). IDEAS.TED.COM. Abgerufen am 19.03.2026: https://ideas.ted.com/the-right-way-to-be-introspective-yes-theres-a-wrong-way/

He, W. & Gan, J. (2025). The relationship between self-reflection and mental health. Current Psychology, 44, S. 3899–3913.

Joireman, J. A.; Parrott, L. III & Hammersla, J. (2002). Empathy and the Self-Absorption Paradox. Self and Identity, 1, S. 53–65.

Lengele, R.; Luken, T. & Meijers, F. (2016). Is self-reflection dangerous? Australian Journal of Career Development, 3, S. 99–109.

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Shofty, B. et al. (2022). The default network is causally linked to creative thinking. Molecular Psychiatry, 22, S. 1848–1854.

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