Konzepte

Das psychodynamische Coaching-Canvas

Komplexität sichtbar machen

Coaching ist immer ein individueller Prozess, in dessen Zentrum die begleitete Person steht – mit ihren Anliegen, Ressourcen, Prägungen etc. Die Prozessgestaltung erfolgt dabei möglichst unter Berücksichtigung der äußeren Rahmenbedingungen, die im jeweiligen Kontext relevant sind. Das hier vorgestellte psychodynamische Coaching-Canvas vereint beide Perspektiven: Es stellt ein strukturiertes Reflexionsinstrument dar, das sowohl den organisationalen Rahmen, innerhalb dessen die gecoachte Person tätig ist, in den Blick nimmt, als auch die personale Ebene abbildet, um Arbeitshypothesen abzuleiten. 

11 Min.

Erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 3 | 2026 am 08.09.2026

Die Grafik zeigt das Icon eines menschlichen Kopfes. Das Gehirn wird durch ein Wirrwarr an Fäden dargestellt.

Herausforderungen des psychodynamischen Coachings

Führungskräfte sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger sehen sich zunehmend mit komplexen, vielschichtigen Aufgaben konfrontiert, die sie in Dilemmata bringen: etwa zwischen der Abwägung von kurzfristigen Effizienzanforderungen und langfristiger Mitarbeiterbindung, zwischen Gewinnmaximierung und zukunftsgerichteter Transformation sowie zwischen persönlichen und unternehmensbezogenen Zielsetzungen. Diese Spannungsfelder erfordern differenzierte Reflexionsräume im Rahmen des Coachings.

Auf einen Blick

Symbol einer Lupe
  • Das psychodynamische Coaching-Canvas kann von Coaches insbesondere am Anfang eines Coaching-Prozesses als strukturiertes Reflexionsinstrument genutzt werden.
  • Es bezieht sowohl organisationale als auch personale Aspekte (wie z.B. unbewusste psychische Prozesse) ein.
  • Ziel dieser Kombination ist es, Arbeitshypothesen zu formulieren und zu überprüfen, um mögliche Entwicklungsrichtungen zu definieren und nachzuhalten.

Psychodynamisches Business-Coaching bezeichnet einen Beratungsansatz, der dieses organisationale Handeln und Führungserleben unter Einbezug unbewusster psychischer Prozesse, biografisch geprägter Beziehungsmuster und aktueller interpersoneller Dynamiken reflektiert. Die damit verbundene inhaltliche Tiefe stellt Coaches vor Herausforderungen: Der Status quo muss differenziert erfasst, Anliegen müssen präzisiert, tragfähige Ziele entwickelt sowie psychodynamische Hypothesen gebildet und im Verlauf überprüft werden. Gleichzeitig gilt es, eigene Gegenübertragungsimpulse zu reflektieren und den Prozess über längere Zeiträume hinweg nachvollziehbar zu strukturieren und zu dokumentieren.

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Literatur

Arbeitskreis OPD (2023). Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-3. Göttingen: Hogrefe.

Blöcher, A. & Rosinus, A. (2026). Entrepreneurship. Stuttgart: Kohlhammer.

Ebermann, D. (2022). Interview mit Dr. Beate West-Leuer. Coaching-Magazin, 2, S. 16–23.

Kehr, H. M. (2004). Integrating implicit motives, explicit motives, and perceived abilities. Academy of Management Review, 3, S. 479–499.

Kehr, H. M. & Strasser, M. (2012). Motivation gezielt fördern. Coaching-Magazin, 1, S. 38–41.

Lohmer, M.; Sprenger, B. & Wahlert, J. v. (2012). Gesundes Führen. Stuttgart: Schattauer.

Riemann, F. (1961). Grundformen der Angst. München: Ernst Reinhardt.

West-Leuer, B. & Sies, C. (2003). Coaching. Stuttgart: Klett-Cotta.

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