Konzepte

Die Kraft des Storytellings im Coaching

Impulse für Mindful Coaching und Veränderungsprozesse

Geschichten können im Coaching vielseitig eingesetzt werden – u.a. als Modelle, die Reflexionsanstöße liefern. Es ist möglich, bisherige, eher hinderliche Erzählungen zu dekonstruieren und umzugestalten, um positivere und hinsichtlich der Zielverfolgung stärkend wirkende Narrative zu entwickeln. Dies kann neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Der hier skizzierte Praxisfall gibt einen Einblick, welche Kraft das Storytelling im Coaching entfalten kann.

15 Min.

Erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 1 | 2025 am 18.02.2025

Eine Frau steht an einem Tisch, um den mehrere Menschen sitzen, und erzählt ihnen etwas.

Veränderungen sind ein unvermeidlicher Bestandteil des Lebens, manchmal gewünscht, aber häufig auch außerhalb unserer Kontrolle. Coaching ermöglicht in beiden Fällen, Veränderungen aktiv zu gestalten und in gewünschte Bahnen zu lenken. Das achtsamkeitsbasierte, kreativ gestaltete Systemische Coaching – im Folgenden als Mindful Coaching zusammengefasst – verfolgt einen ganzheitlichen, behutsamen Ansatz. Dieser Dreiklang aus systemischem, achtsamkeitsbasiertem und kreativem Coaching erlaubt es, die Unsicherheiten, die mit Veränderungen einhergehen, zu akzeptieren und produktiv mit ihnen umzugehen. Eine der kraftvollsten kreativen Methoden, um Erfahrungen zu teilen und neue Lösungen zu finden, ist das Erzählen von Geschichten. Storytelling ermöglicht es Coaches, Anekdoten, Metaphern und narrative Elemente in den Coaching-Prozess einzubinden, um Klientinnen und Klienten zu inspirieren. Geschichten sind dabei weit mehr als sprachliche Konstrukte. Sie aktivieren drei zentrale Bereiche des Gehirns: das Großhirn, das für rationales Denken zuständig ist, das limbische System, das unsere Emotionen steuert, und das Stammhirn, das körperliche Erinnerungen und Reaktionen verarbeitet. Diese Fähigkeit, kognitive, emotionale und körperliche Ebenen gleichzeitig anzusprechen, macht Geschichten zu einem wertvollen Werkzeug im Coaching (Siefer, 2015).

Gestaltung von Geschichten

Michael White, ein australischer Psychotherapeut und Begründer der narrativen Therapie, schreibt dem Erzählen von Geschichten eine befreiende Wirkung zu. In Anlehnung an den Konstruktivismus betont er, dass Probleme oft das Ergebnis einer bestimmten Erzählpraxis sind und nicht allein aus den Charaktereigenschaften von Personen resultieren (Budde, 2015). White ermutigte seine Patientinnen und Patienten, neue, lösungsorientierte Erzählungen zu entwickeln, um ihre Selbstwirksamkeit zu steigern. Durch das Umschreiben einschränkender Narrative können Menschen ihre eigene Geschichte anpassen und damit aktive Gestalterinnen und Gestalter ihrer Zukunft werden. White prägte auch den Begriff der narrativen Identität, welcher beschreibt, wie Menschen ihre Identität durch die Organisation und Interpretation ihrer Erfahrungen in Geschichten formen. Jeder von uns trägt eine Vielzahl von Erzählungen in sich – über unser Leben, unsere Beziehungen, unsere Erfolge und Misserfolge. Diese Erzählungen sind jedoch nicht immer objektiv. Sie werden durch persönliche Filter geprägt und erzählen oft mehr über unsere Selbstwahrnehmung als über die tatsächlichen Ereignisse.

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Literatur

Bucay, J. (2012). Zähl auf mich. Frankfurt a. M.: Fischer.

Budde, F. (2015). Coaching und Narrationen. Heidelberg: Carl-Auer.

Cameron, J. (1997). Titanic. Film: 20th Century Studios, Paramount Pictures & Lightstorm Entertainment.

El Ouassil, S. & Karig, F. (2023). Erzählende Affen. Mythen, Lügen, Utopien: Wie Geschichten unser Leben bestimmen. Hamburg: Rowohlt.

Riedel, M. (2024). Mindful Coaching – Veränderungsprozesse systemisch, achtsam und kreativ gestalten. Stuttgart: Kohlhammer.

Siefer, W. (2015). Die Macht des Erzählens. München: Droemer Knaur.

Stiller, B. (2014). Das erstaunliche Leben des Walter Mitty. Film: Samuel Goldwyn Films, TSG Entertainment & Red Hour Productions

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