Eine fünfundvierzig-jährige Bereichsleiterin – nennen wir sie Claudia – betritt eilig den Coaching-Raum. Ihre Haltung wirkt souverän und energiegeladen, doch in ihrem Gesicht ist Erschöpfung zu sehen. Kaum sitzt sie, sprudelt es aus ihr heraus: „Ich brauche schnell eine Lösung, wie ich mein Team wieder auf Spur bringe. Es gibt zu viele Widerstände. Ich habe keine Zeit für langes Gerede!“
In den ersten Sitzungen zeigt sich, wie sehr dieses Tempo ihr Verhalten prägt. Sie duldet kaum Pausen: Jede Stille im Gespräch füllt sie augenblicklich mit Worten. Auf Fragen antwortet sie reflexartig mit durchdachten Lösungsvorschlägen, als hätte sie einen Schnellfeuerkatalog parat. Kommt das Gespräch auf ihre eigenen Gefühle oder Unsicherheiten, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht und sie lenkt das Thema zurück auf konkrete To-dos. Alles Emotionale wird weggeschoben oder intellektuell „eingerahmt“, als sei es eine lästige Ablenkung.
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