Konzepte

Coaching im Zeitalter des Sofortismus

Sofort gelöst, schnell transformiert?

Der Anspruch, für jedes Problem eine sofortige Lösung finden zu wollen, auf jedes Ereignis umgehend reagieren zu müssen etc., kann als Phänomen unserer Zeit verstanden werden – befördert unter anderem durch moderne, schnelle Kommunikationsmittel. Persönliche Entwicklung benötigt jedoch Zeit und die Fähigkeit, auch mal innezuhalten. Wie Coaches mit Sofortismus aufseiten ihrer Klientinnen und Klienten umgehen können, zeigt der folgende Praxisfall.

12 Min.

Erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 3 | 2025 am 09.09.2025

Auf dem verwischten Foto eilen Menschen durch ein Büro.

Eine fünfundvierzig-jährige Bereichsleiterin – nennen wir sie Claudia – betritt eilig den Coaching-Raum. Ihre Haltung wirkt souverän und energiegeladen, doch in ihrem Gesicht ist Erschöpfung zu sehen. Kaum sitzt sie, sprudelt es aus ihr heraus: „Ich brauche schnell eine Lösung, wie ich mein Team wieder auf Spur bringe. Es gibt zu viele Widerstände. Ich habe keine Zeit für langes Gerede!“

In den ersten Sitzungen zeigt sich, wie sehr dieses Tempo ihr Verhalten prägt. Sie duldet kaum Pausen: Jede Stille im Gespräch füllt sie augenblicklich mit Worten. Auf Fragen antwortet sie reflexartig mit durchdachten Lösungsvorschlägen, als hätte sie einen Schnellfeuerkatalog parat. Kommt das Gespräch auf ihre eigenen Gefühle oder Unsicherheiten, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht und sie lenkt das Thema zurück auf konkrete To-dos. Alles Emotionale wird weggeschoben oder intellektuell „eingerahmt“, als sei es eine lästige Ablenkung.

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Literatur

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