Hochschulreife von Coaching-Lehrgängen

Coaching-Weiterbildungen

Hochschulreife von Coaching-Lehrgängen
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Aufgrund eines fehlenden rechtlichen Rahmens ist die Selbsternennung zum Coach für jeden jederzeit möglich. Doch der Markt verlangt zunehmend, sich zu legitimieren. Ausbildungsinstitute und Verbände bedienen diese Nachfrage mit unterschiedlichen Zertifizierungsangeboten. Das verlagert das Legitimationsproblem auf eine andere Ebene, ohne es aber angemessen zu lösen. Erst mit der Anbindung an Hochschulen und die Wissenschaft wird Coaching sich nachhaltig professionalisieren können. Was bietet der Markt hierzulande? Und wie sind die Angebote einzuschätzen?

Verbandsakkreditierung von Coaching-Weiterbildungen

Mit der steigenden Nachfrage im Coaching-Markt sind die Notwendigkeit und das Bedürfnis von Nachfragenden und Anbietenden gewachsen, professionelle Profile auszuweisen, zu erkennen und diese beurteilen zu können. Wie bei jeder Professionsbildung kommt dabei der Aus- und Weiterbildung eine entscheidende Bedeutung zu. Bisher wurden Coaching-Weiterbildungen weitgehend von privaten Instituten angeboten, häufig als Ergänzung zu bereits bestehenden Weiterbildungsmöglichkeiten in Psychotherapie, Supervision und Beratung. Mit dem Zertifikat eines solchen Weiterbildungsinstituts in Händen argumentiert es sich als Coach in Akquisitionsverhandlungen leichter.

Doch, fragen sich kritische Einkäufer der Dienstleistung Coaching, haben solche privaten Weiterbildungsinstitute nicht primär wirtschaftliche Interessen? Hat man schon einmal davon Kenntnis genommen, dass jemandem – aufgrund mangelnder Eignung – ein solches Zertifikat verwehrt worden sei? Wer, so fragt sich das Publikum, zertifiziert also die Zertifizierer? Wie kann man ein solches Qualitätsversprechen einer Weiterbildung glaubwürdig vertreten?

Einem zunehmenden Qualitätsbewusstsein im Markt wird durch die Definition von Qualitätsstandards Rechnung getragen. Solche beziehen sich auf die Ausübung von Coaching und ebenso auf die Weiterbildung. An der Qualitätsdiskussion beteiligen sich – neben ersten wissenschaftlichen Beiträgen – vor allem die Coaching-Verbände. Eine Möglichkeit, sich bei ausgewiesenen Coaching-Verbänden zu akkreditieren, gibt es erst seit einigen Jahren, da Coaching-Verbände selbst noch eine relativ junge Geschichte haben. Sie können Einzelinteressen übersteigen und branchenübergreifend Standards definieren. Beispielsweise hat der Deutsche Bundesverband Coaching (DBVC) im Jahr 2007 ein umfangreiches Kompendium herausgegeben, in dem „Leitlinien und Empfehlungen für die Entwicklung von Coaching als Profession“ beschrieben sind.

Den Vorteilen dieser Praxis stehen jedoch auch Nachteile gegenüber: Es existieren weit mehr als ein Dutzend verschiedener Verbände – mit unterschiedlichen Standards. Für Außenstehende ist es nicht immer leicht nachzuvollziehen, welche Interessen sich dort bündeln und ob nicht Weiterbildungsinstitute gleich ihre „eigenen Verbände“ gründen. „Die Zeiten der völlig unabhängig agierenden Ausbildungsinstitute sind vorbei,“ so konstatierte Professor Hans-Jörg Künzli von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) schon im Jahr 2006. „Zu fordern sind partnerschaftliche Assoziationen mit Hochschulen für gemeinsame Forschungen und Entwicklungen. Wobei hier der Wissenstransfer keineswegs als Einbahnstraße gedacht ist. Es kann nicht schaden, wenn das Hochschulpersonal ab und an einen richtigen Coach und dessen Kunden erlebt.“ Dieser Aussage entspricht ein ganz aktueller Trend, der sich in zunehmenden Angeboten von Coaching-Weiterbildungen als Studien- oder Kontaktstudiengängen abzeichnet. – Und inzwischen nimmt im Zuge der fortschreitenden Professionalisierung die wissenschaftliche Forschung im Coaching-Bereich zu (Greif, 2008; Kühl, 2008; Künzli, 2009).

Akademisierung der Weiterbildung

In der Empfehlung des EU-Parlaments und des EU-Rates vom 23. April 2008 wurde der Europäische Qualifikationsrahmen (EQF: European Qualifikation Framework) als europäisches Referenzinstrument eingerichtet. Er ist ein europäischer Rahmen, der die Zuordnung von Bildungsabschlüssen zu europäischen Niveaustufen ermöglichen soll. Der EQF sieht vor:

  • Acht Niveaustufen, die sowohl die berufliche wie auch die Hochschulbildung umfassen
  • Orientierung an den Lernergebnissen
  • Beschreibung der Lernergebnisse anhand der Begrifflichkeiten: Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen
  • Einbeziehung informell erworbener Kompetenzen

Der EQF soll zu einer erhöhten Transparenz von Qualifikationen in Europa beitragen und die Durchlässigkeit zwischen und innerhalb der Bildungssysteme erhöhen. Er verbessert vor allem die Transparenz und erleichtert Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen, die von einem Bürger erworbenen Kompetenzen zu beurteilen. Maßgeblich dafür ist das anzuwendende Kreditpunktesystem (ECTS – European Credit Tranfer System), das den sogenannten Workload ausweist.

Akademische Aus- und Weiterbildungen unterliegen der Rechenschaftspflicht und unterziehen sich Qualitätssicherungsmaßnahmen, die folgenden Grundsätzen genügen müssen:

  • Die Qualitätssicherung soll alle Ebenen des Aus- und Weiterbildungssystems umfassen und integraler Bestandteil der internen Verwaltung sein.
  • Die Evaluierung von Einrichtung und Programmen wird von externen Prüforganen vorgenommen.
  • Die Evaluierung umfasst Kontext, Input, Prozess und Output.
  • Gegenstände der Qualitätssicherung sind unter anderem: Klare und messbare Ziele und Standards, Leitlinien für die Umsetzung unter Einbindung der Betroffenen, angemessene Ressourcen, einheitliche Evaluierungsmethoden/Selbstbewertung und externe Prüfung, allgemein zugängliche Evaluierungsergebnisse.

Der EQF wurde im April 2008 vom Europäischen Parlament und vom Rat angenommen. Der Rahmen empfiehlt, nationale Qualifikationssysteme oder -rahmen bis 2010 auf den EQF zu beziehen und zu gewährleisten, dass sich alle neuen Qualifikationen, die ab 2012 erteilt werden, auf das geeignete EQF-Niveau beziehen. Die meisten Mitgliedstaaten entwickeln derzeit ihre eigenen nationalen Qualifikationsrahmen mit Bezug zum EQF. In Deutschland wird derzeit der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR) entwickelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat eine „Nationale Referenzstelle für die Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung“ (DEQAVET) initiiert. Weitere Maßnahmen sind in Planung.

An dieser Stelle wird deutlich, dass sich einerseits die gesamte Weiterbildungslandschaft demnächst mit dem DQR beschäftigen muss und andererseits Hochschulabschlüsse (Bachelor, Master), die bereits nach dem Bologna-Prozess (s. Kasten) akkreditiert werden müssen, per se einen Wettbewerbsvorteil aufweisen.

Bologna-Prozess

Ziel des Bologna-Prozesses ist es, dass Europa durch die Einführung eines gestuften Studiensystems aus Bachelor und Master mit europaweit vergleichbaren Abschlüssen, der Einführung und Verbesserung der Qualitätssicherung sowie der Steigerung der Mobilität im Hochschulbereich stärker zusammenwächst. Die Umstellung der Studiengänge auf das zweistufige Bachelor-/Master-Studiensystem (BA/MA) ist das bekannteste Ergebnis der Bologna-Reform:

  • Der Bachelor führt bereits nach drei bis vier Jahren zu einem berufsbefähigenden Abschluss, sodass der Berufseinstieg früher als bisher möglich ist. Vor allem aber ist dieses Studiensystem international kompatibel und bildet damit die Grundlage für mehr Mobilität im Studium.

  • Die konkrete Zulassung zur zweiten Stufe, einem Masterstudiengang, hängt auch von den erbrachten Leistungen in der ersten Stufe ab. Master-Studiengänge werden in konsekutive, nichtkonsekutive und weiterbildende Studiengänge unterteilt. Unter konsekutiven Studiengängen werden inhaltlich aufeinander aufbauende Bachelor- und Master-Studiengänge verstanden, wobei der Master-Studiengang den Bachelor-Studiengang fachlich fortführt und vertieft. Weiterbildende Master-Studiengänge setzen einen Hochschulabschluss und eine mindestens einjährige Berufserfahrung voraus und sollen an die beruflichen Erfahrungen der Studierenden anknüpfen.

Mit der Akkreditierung wird geprüft, ob die Hochschulen bei der Gestaltung ihrer Studiengänge fachliche Mindeststandards einhalten und bestimmte Strukturvorgaben erfüllen. Studierenden und Arbeitgebern sollen dadurch verlässliche Orientierungen hinsichtlich der Qualität von Studienprogrammen und Hochschulen gegeben werden. Auf Beschluss der Kultusministerkonferenz wurde ein nationaler Akkreditierungsrat eingerichtet, der für die Durchsetzung vergleichbarer Qualitätsstandards zuständig ist. Der Akkreditierungsrat akkreditiert und überwacht Agenturen, die Studiengangsakkreditierungen durchführen. Grundlage für die Akkreditierung bilden die Standards und Leitlinien für die Qualitätssicherung im europäischen Hochschulraum.

Bereits 2003 hat eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Hochschulrektorenkonferenz, der Länder und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) mit der Erarbeitung eines nationalen Qualifikationsrahmen für den Hochschulbereich begonnen. Er wurde 2005 fertiggestellt.

www.bmbf.de

Coaching-Studienangebote

Die Akademisierung von Coaching-Weiterbildung erfordert vor allem einen wissenschaftlichen Zugang. Dieser umfasst intensivierte Forschung und die damit zusammenhängenden Ansprüche an die Lehrqualität. Des Weiteren bedarf es einer Orientierung an der Persönlichkeitsentwicklung und eines methodischen Zugangs. Es muss sich um eine seriöse Angebotspalette für Studierende handeln. Die Grundätze für die Qualitätssicherung in der Aus- und Weiterbildung müssen erfüllt sein. Für den Beitrag der Hochschulen zur Professionsbildung ist in diesem Zusammenhang hervorzuheben, dass bei akkreditierten Studiengängen deren Qualitätsbeurteilung immer auch auf die berufsqualifizierende Eignung achtet. Dies kann bei den in den nachfolgenden Übersichten enthaltenen Qualifizierungsangeboten zum Coaching, die auf einer Internetrecherche beruhen und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, nicht in allen Fällen erwartet werden.

Coaching als Kontaktstudiengang

Kontaktstudiengänge sind Elemente der wissenschaftlichen Weiterbildung von Hochschulen. Ein Kontaktstudiengang gründet auf einer Studien- und Prüfungsordnung, erfordert Prüfungsleistungen, wird mit einem Hochschulzertifikat abgeschlossen und ist die Bestätigung eines wissenschaftlichen Abschlusses. Ein Kontaktstudium führt allerdings nicht zu einem akademischen Grad.

Derzeit lassen sich fünf Kontaktstudiengänge zu Coaching in Deutschland ausmachen. Sie werden berufsbegleitend angeboten und sind offen für alle Berufsgruppen oder zielen insbesondere auf Fach- und Führungskräfte. Gelegentlich wird ein Hochschulabschluss oder Berufserfahrung vorausgesetzt.

  • Augsburg: Das Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) der Universität bietet diverse Zertifikatskurse unter dem Dach „Beratung, Training und Lehre“ im Rahmen seines Management-Seminar-Programms an. Beispielsweise „Systemische Beratung“: Vier zweitägige Module, davon eines zum Thema „Systemisches Coaching“, plus drei Supervisionstage.

  • Hannover: Die Zentrale Einrichtung für Weiterbildung (ZEW) der Universität bietet in Kooperation mit dem Bildungswerk Verdi (Niedersachsen) ein „Kontaktstudium Coaching“ an. Die zwölf Kurse erstrecken sich über anderthalb Jahre. Eine zweite ZEW-Weiterbildung zum internen Coach „Business-Coaching für Fach- und Führungskräfte“ läuft über 13 Module und wird von der International Association for Consulting Competence (IACC) anerkannt.

  • Heidelberg: Das Coachingzentrum der Führungsakademie Baden-Württemberg bietet in Kooperation mit der Hochschule SRH Heidelberg das Kontaktstudium „Coaching“ – auch als Blended-Learning-Angebot – an. Die acht Module erstrecken sich über 18 bis 48 Monate. Das Angebot ist vom Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC) akkreditiert.

  • Trier: Die Abteilung für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie der Universität Trier bietet in Kooperation mit Mathis Wissemann und dem Institut für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie (IfABO) eine Weiterbildung zum Coach an. Die Ausbildung wurde von der „Forschungsstelle Coaching-Gutachten“ der Universität Hamburg evaluiert und läuft über sieben Module.

Ein Beispiel für ein Kooperationsmodell ist das der Führungsakademie Baden-Württemberg und der SRH Hochschule Heidelberg. Der seit 2003 von der Führungsakademie angebotene, durch den DBVC anerkannte Coaching-Lehrgang, kann seit 2008 auch als Kontaktstudiengang belegt werden. Zu dem bisherigen Lehrgangsangebot mit acht Seminarmodulen, der Teilnahme an kollegialen Coaching-Konferenzen, Lehr-Coaching, Fallsupervisionen, der Dokumentation zweier eigener Coaching-Prozesse, einer Abschlussarbeit und einer Abschlussprüfung wurden von der SRH ergänzende Anforderungen für das Hochschulzertifikat definiert. Hierzu gehören das Ablegen einer Zwischenprüfung mit dem Nachweis von supervidierten Coaching, höhere Anforderungen an den Umfang und den wissenschaftlichen Bezug der Abschlussarbeit und das Ablegen einer Abschlussprüfung vor einer gemeinsamen Prüfungskommission. Für den Studiengang werden insgesamt 30 Credit Points (ECTS) vergeben. Die Zielgruppe sind Fach- und Führungskräfte mit Hochschulabschluss oder einer gleichwertigen Ausbildung mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung.

Bei der ersten festlichen Zertifikatsübergabe wurden die Absolventen, zum größten Teil (promovierte) Akademiker, nach ihren Gründen für die Erlangung des Hochschulzertifikates „Coaching“ befragt. Sie gaben an, dass ein Hochschulzertifikat eine Qualitätsaussage sei, die besonders im Coaching-Markt als wichtig erachtet werde. Die Credit Points könnten auch im Zusammenhang mit anderen Studiengängen genutzt werden. Die Anforderung, sich mit einer anspruchsvollen Abschlussarbeit auseinanderzusetzen, wäre für sie ein bedeutsamer Schritt der theoretischen Vertiefung und persönlichen Weiterentwicklung gewesen. Nicht zuletzt habe es großen Spaß gemacht, sich wieder einmal auf die vertiefte Bearbeitung eines bestimmten Themas zu konzentrieren.

Die beiden österreichischen akademischen Lehrgänge sind deutlich umfangreicher aufgebaut.

  • Das Mentalcollege Bregenz führt den Lehrgang zum „Akademischen Mentalcoach“ in Kooperation mit der Universität Salzburg (Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften) durch.

  • Der Lehrgang zum „Akademischen Supervisor und Coach“ wird vom Department für psychosoziale Medizin und Psychotherapie an der Donau-Universität Krems durchgeführt.

Coaching als Bestandteil von Masterstudiengängen

Soweit erkennbar, gibt es im deutschsprachigen Raum – außer dem Angebot der European Systemic Business Academy (ESBA) in Wien – derzeit keinen laufenden eigenständigen Coaching-Masterstudiengang. Hierfür dürfte ausschlaggebend sein:

  • Es fehlt eine ausreichend spezifische Forschung und eine darauf aufbauende Lehre.

  • Professionelle Coachs, das zeigen Erhebungen wie die jährliche Coaching-Umfrage (www.coaching-umfrage.de), agieren weit überwiegend als Teilzeit-Coach. Ihre Coaching-Aktivitäten werden häufig ergänzt um andere Beratungs- und Trainingstätigkeiten. Solange die Professionsbildung nicht weiter fortgeschritten und ausdifferenziert ist, trägt eine gründliche Weiterbildung zwar zur Berufsqualifizierung im Coaching bei, kann andererseits jedoch noch nicht als alleinige Grundlage für eine Berufsausübung genügen.

Deshalb werden akademische Aus- und Weiterbildungen im Coaching heute überwiegend als Bestandteile von breiter angelegten Studiengängen angeboten – dieses aber bereits in beachtlicher Zahl. Das Angebot lässt sich eher als heterogen bezeichnen.

Die acht Angebote wenden sich an Hochschulabsolventen, teilweise werden einschlägige Berufs-, Selbst- und Coaching- oder Supervisionserfahrung und ein Mindestalter vorausgesetzt. Zumeist berufsbegleitend konzipiert erstrecken sie sich über fünf bis sieben Semester. Die Studienangebote aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verbinden Coaching häufig mit den Themen Supervision und Organisationsberatung. Oder Coaching ist ein Randthema innerhalb eines übergreifenderen Curriculums. So wird das Modul „Beratung, Training, Coaching“ (Workload: 3 ECTS) im Rahmen der Spezialisierungsmöglichkeit im Masterstudiengang „Wirtschaftspsychologie“ an der Hochschule Fresenius in Köln angeboten.

Die Aufnahme von Coaching-Modulen in Studiengänge zur Supervision und Beratung zeigt die wachsende Bedeutung einer selbstständigen Coaching-Kompetenz. Bei einer fortschreitenden Klärung theoretischer Ansätze im Coaching und einer spezifischen wissenschaftlichen Begleitung ist zu erwarten, dass die Grenzlinien zu anderen Beratungsformen präziser gezogen werden können. Hierbei können nicht zuletzt die Verbundangebote, die eine mehr theoretische mit einer mehr praxisorientierten Weiterbildung verbinden, dieser Entwicklung einen wertvollen Dienst erweisen, indem sie eine schnelle Rückkoppelung zwischen Theorie und Praxis ermöglichen.

Erste Ansätze in diese Richtung sind erkennbar. So will die FHNW Olten in Kürze einen Master of Advanced Studies „Coaching“ starten. Die Akkreditierung eines Masters in „Business Coaching und Change Management“ an der Hamburger Euro-FH soll offenbar in Kürze erfolgen. An der SRH Hochschule wird in Kooperation mit der Führungsakademie Baden-Württemberg derzeit ein Masterstudiengang mit dem Titel „Leadership“ und den Vertiefungen Management for Excellence sowie Coaching for Excellence vorbereitet.

Coaching als Bestandteil von Bachelorstudiengängen

Coaching findet sich auch als Bestandteil von psychologischen Studiengängen an den Universitäten Bamberg und Berlin (FU), die zu einem Bachelor-Abschluss führen. Vom Umfang (2 SWS/3 ECTS) und von den Inhalten der Module her betrachtet, können in diesen Studienangeboten wohl nur Grundlagen vermittelt werden, weniger aber eine berufspraktische Qualifizierung. Diese wird sich erst aus weiteren spezifischen Coaching-Weiterbildungen ergeben müssen.

Coaching als Bestandteil von Fernstudiengängen

Dieser Bereich gibt für die Frage nach der Hochschulreife von Coaching-Lehrgängen noch nicht viel her:

  • Der einzige Master-Fernstudiengang (WINGS) schließt mit einem „Master of Business Consulting“ ab und vermittelt überwiegend betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Eines von insgesamt 15 Modulen, nämlich „Personalberatung und Coaching“, führt Coaching zwar in der Überschrift; in der Modulbeschreibung sind jedoch keine spezifischen Coaching-Inhalte erkennbar.

  • Das Fernstudium Psychologischer Berater/Personal Coach, der im Wesentlichen „baugleich“ von mehreren Veranstaltern angeboten wird, die alle zur selben Unternehmensgruppe, der Klett-Fernschulgruppe gehören, zeichnet sich dadurch aus, dass die Weiterbildung frei zugänglich ist und weder einen Schulabschluss mit Hochschulberechtigung, noch einen beruflichen Ausbildungsabschluss oder gar einen akademischen Abschluss als Voraussetzung verlangt. Er vermittelt überwiegend theoretische Beratungsgrundlagen und die anschließende Möglichkeit, eine Verbandsmitgliedschaft (DFC oder QRC) zu erwerben.

  • Andererseits ist Fernstudium keine trennscharfe Kategorie. Auch im Bereich Kontaktstudium und Master finden sich zunehmend, weil eben auch oft berufsbegleitend konzipiert, Blended-Learning-Angebote, also solche, die Präsenz- und Selbstlernzeiten kombinieren und mit Online-Plattformen verknüpfen.

Fazit

Wie aus den Übersichten insgesamt deutlich wird, sind die Konzepte für Studienangebote im Coaching sehr uneinheitlich und weisen eine große Bandbreite auf, sowohl was den Aufbau, die Dauer, die Anforderungen, die Frequenz, die Zielgruppe, die Kosten, mögliche Credit Points und Zulassungskriterien betrifft. Wir sehen insbesondere zwei Verwendungsszenarien, in denen sich Coaching derzeit an Hochschulen etabliert:

  • Als „Beimischung“ in Bachelor oder (Weiterbildungs-) Master-, aber auch in Kontaktstudiengängen. Dieser Trend wird sich in der Breite sicher noch verstärken, in der Tiefe (Umfang) jedoch vermutlich nicht – dafür sind Bachelorstudiengänge konzeptionell nicht geeignet. Primär sollen sie akademische Grundlegung bieten. Coaching, und das ist unmittelbar einleuchtend, kann als „Reflexionskunst“ schlecht in der „ersten Reihe“ sitzen. Im Kontaktstudien- und (Weiterbildungs-) Masterbereich sieht das schon anders aus. Dort eignet sich die „höher dosierte Beimischung“ von Coaching ganz hervorragend als Transfer- und Implementationskompetenz breiter angelegter Profile – wie beispielsweise im Rahmen der Wirtschaftspsychologie.

  • Als eigenständige Zusatzqualifizierung oder Spezialisierung in Kontakt- oder Masterstudiengängen. Hier – auf einem soliden akademischen Fundament – kann Coaching als „Reflexionskunst“ sein volles Potenzial entwickeln. Da hierzulande die Einrichtung von Masterstudiengängen erst am Anfang steht, gehen wir hier von weiterem Wachstum, einer inhaltlichen Differenzierung des Angebots (Branchenfokussierung oder Special Issues, in Abgrenzung zu oder Kombination mit Supervision und Organisationsberatung), einer größeren Bandbreite im Umfang (Kaliber) und vor allem einer Zunahme des Wettbewerbs aus.

Dies wird zweifellos mit einer Zunahme an wissenschaftlicher Forschung einhergehen. Solches wird wiederum verstärkt die Praktiker in Unternehmen einerseits für Coaching sensibilisieren, andererseits wird durch Evaluation und Forschung auch Legitimationsdruck im (unternehmensinternen wie -externen) Markt aufgebaut. Es ist auch davon auszugehen, dass die Kompetenz der Einkäufer in den (Groß-) Unternehmen weiter wächst. Und dass diese sich auch zunehmend interne Ressourcen aufbauen. Kleinere und mittlere Unternehmen werden sich zunehmend Agenturen bedienen, die ihnen entsprechend elaborierte Qualität garantieren – wenn sie nicht auf eigene Experten zugreifen können. Ausbildungsinstitute werden zunehmend mit Hochschulen kooperieren, um sich zu positionieren; und den Anschluss an die Akademisierung nicht zu verpassen. Insgesamt werden die Ansprüche und Anforderungen also steigen. Und das wird sicher nicht ohne Diskussionen abgehen.

Es wäre wünschenswert, dass die erforderliche Diskussion über theoretische Konzepte, Menschenbilder, Rollenverständnisse, ethische Richtlinien, Methoden und Prozesse die Professionalisierung von Coaching weiterbringen und auf eine wissenschaftlich fundierte Basis stellen wird.