Fragen an Thomas Webers

Coaching-Hochschuldozent, Business-Coach und Wissenschaftsexperte im Bereich Coaching (DBVC) Thomas Webers beantwortet Fragen aus der Praxis

Fragen an Thomas Webers
© Foto: Schafgans DGPh

Erhöht eine Coaching-Weiterbildung nach dem Bachelor die Chancen auf einen Job?

Es wäre eine ideale Ergänzung z.B. für Wirtschaftspsychologen, die sich auf Personal- und Organisationsentwicklung spezialisiert haben. Wenn einen dann noch das Thema fasziniert und man spürt, dass man dafür ein Händchen hat, dann bin ich sicher, dass es die Chancen bei Personalern erhöht. Natürlich nur, wenn man nicht eine billige „Druckbetankung“ absolviert hat, sondern eine qualitativ hochwertige Weiterbildung. Es schadet aber auch nicht, erst ins Berufsleben einzusteigen und sich anschließend im Coaching weiterzubilden. Dann verfügt man über eigene Erfahrungen, die man reflektieren kann, und hat vermutlich auch ein eigenes Netzwerk als Marktzugang.

Werde ich als junger Hochschulabsolvent überhaupt ernstgenommen?

Eine ehemalige Studentin von mir hat das in ihrer Bachelorarbeit erforscht und bestätigt gefunden. Vorurteile spielen überall eine Rolle. Aber die andere Seite spielt sich im eigenen Kopf ab, indem man diese Befürchtung groß macht! Wer sagt denn, dass man als frisch weitergebildeter Business-Coach ab sofort „austherapierte 14-Ender“ als Kunden bedienen soll? Gleichaltrige Studierende, Azubis, Schüler oder Young Professionals sind ebenfalls spannende Zielgruppen. Und das ähnliche Alter bildet hier – Vorurteile haben auch Vorteile – eine gute Brücke.

Ist Lebenserfahrung nicht zwingend für eine wirkliche Coaching-Kompetenz?

Lebenserfahrung ist nicht abträglich, nur reicht diese bei weitem nicht aus. Ich habe schon etliche „sture Böcke“ erlebt, die meinten, sie hätten die Weisheit mit dem Schaumlöffel gefressen. Fritz Simon sagt so schön: Wissen macht lernbehindert. Es gibt auch lernfreudige Ältere sowie neunmalkluge Youngster. Offenheit und Selbstreflexion sind entscheidend. Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher Wirksamkeit meine Studierenden agieren, wenn sie ihre Hausarbeiten gemacht haben und sich im Coaching etwas trauen. Während der Supervisionsrunden, in denen die Coachings durchgearbeitet werden, will ich dann eine kluge Antwort hören auf die Frage: „Warum haben Sie in der Situation jene Aufstellung gemacht und was wäre Plan B gewesen?“ Wem da nichts einfällt, muss sich von mir das Watzlawick’sche Diktum gefallen lassen: Wessen einziges Instrument ein Hammer ist, der findet auf der ganzen Welt bloß Nägel …

Kann man Coaching studieren? Was ist in einer Weiterbildung anders?

Die Antwort lautet: Jein! Sie lautet Ja, weil es wichtige Wissensbestände gibt, die man als Business-Coach verstanden haben sollte – insbesondere psychologische. Es gibt leider eine große Theoriephobie in der Praxis, auf Seiten von Coaches, aber auch von Klienten und Unternehmen. Selbst manche Studierende kommen naiv in meinen Kurs und erwarten – konträr zum üblichen Leistungsanspruch – eher den Ponyhof und eine Harry-Potter-Zauberstunde. Der Nachteil vieler Hochschul-Curricula ist die fehlende Anwesenheitspflicht. Für die Note auf Basis einer Klausur, eines Referats oder einer Hausarbeit streitet man sich um Formalia wie auf dem Basar. Das altbekannte „Scheinstudium“ ist nicht ausgestorben, Studierende gehen immer noch gerne den Weg des geringsten Widerstands. Manche verstecken sich gerne in der Masse oder halten sich zurück, meiden die Selbstoffenbarung im Coaching, weil es ihnen peinlich vor mir oder den Kommilitonen ist. Die Antwort lautet aber auch Nein, weil der Weiterbildungskontext nach anderen Spielregeln funktioniert. Da gibt es keine Noten, da zählt Anwesenheit und Kompetenzentwicklung in einer kleinen Gruppe, in der man sich gegenseitig vertraut und am Feedback wächst. Wir verknüpfen inzwischen beide Formen an der Hochschule Fresenius. Studienleistungen werden auf die Weiterbildung angerechnet. Das lässt die genannten Probleme nicht verschwinden. Wir müssen das aushalten und dürfen die Diskussionen nicht beenden. Denn das ist der Punkt: Ich will Kompetenzen entwickeln – und keine Zertifikatsmaschine sein. Also habe ich Stress mit beiden Seiten.

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