Aktuelle Forschungsergebnisse belegen die Wirkung von Coaching und erste theoretische Ansätze postulieren Wirkmechanismen erfolgreichen Coachings. Doch der Markt ist vielfältig. „Was lernt der Boss vom Ross?“ – solche und ähnliche Wortspiele sind als Zeitschriftentitel und Seminarangebote zu finden, ohne dass die Effektivität derartiger Angebote bislang ausreichend untersucht wurde. Daher sollte die Wirksamkeit des pferdegestützten Coaching-Settings wissenschaftlich hinterfragt werden.
In diesem Artikel sind wesentliche Ergebnisse einer empirischen Studie zusammengefasst, die sechs pferdegestützte Coaching-Prozesse detailliert beleuchtet hat. Als theoretische Basis dienten bestehende Untersuchungen des therapeutischen Kontexts sowie Wirkannahmen einschlägiger Coaching-Ansätze.
Pferde werden im therapeutischen und heilpädagogischen Kontext seit den 50er-Jahren eingesetzt, also wesentlich länger als im Coaching. Aus Mensch-Tier-Beziehungen können in therapeutischen Einsatzbereichen mit unterschiedlichen Tierarten positive Effekte resultieren (Julius et al., 2014). Allein die Anwesenheit eines Tieres kann den Blutdruck senken, entspannend oder euphorisierend wirken und Depressionen lindern. Als Fluchttiere kommunizieren Pferde mit ihren Artgenossen und auch Menschen überwiegend nonverbal. Im Laufe des Domestikationsprozesses hat sich das Wahrnehmungssystem des Pferdes auf Körpersignale von Menschen verfeinert, sodass sie unmittelbar auf den menschlichen Ausdruck reagieren können (Opgen-Rhein, 2011). Die Interaktion mit einem Pferd fördert damit die Psychomotorik, das Körpergefühl und die nonverbale Ausdrucksfähigkeit.
Da das Pferd ein Bedürfnis nach sozialen Banden hat, wendet es sich dem Menschen zunächst grundsätzlich zu. Daneben können Tiere Akzeptanz und Bestätigung spenden sowie die emotionale Öffnung des Menschen fördern (Vernooij & Schneider, 2007). Als Herdentiere testen sie kontinuierlich die Vertrauenswürdigkeit und Führungsfähigkeit des Gegenübers, um falls nötig selbst die Führungsposition einzunehmen. Eine Herde bietet dem Pferd in freier Wildbahn Überlebensschutz. Herden sind durch eine Rangfolge, beginnend mit dem Alpha-Hengst und ranghöheren Stuten, strukturiert (Krüger et al., 2014).
Tiergestützte therapeutische und pädagogische Angebote zielen häufig auf Kinder, Jugendliche, Ältere oder Erwachsene mit besonderem Förderungsbedarf ab. Coaching wird zwar häufig von Führungskräften und anderen Personen im beruflichen Kontext in Anspruch genommen, doch könnten die angerissenen therapeutischen Effekte auch im Coaching nützlich sein. Coaching-Ansätze basieren zudem auf wesentlichen Therapierichtungen und werden nachfolgend exemplarisch mit Annahmen zur Wirkungsweise von Pferden verknüpft.
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