Wenn es im Coaching dunkel wird …

Klienten der dunklen Triade und der achtsame Weg, mit ihnen umzugehen

Wenn es im Coaching dunkel wird …
© Foto: oOhyperblaster/Shutterstock.com

Personen, die hohe Ausprägungen in den Bereichen der dunklen Triade aufweisen, schaffen es nicht selten in Führungspositionen und finden somit auch ihren Weg in Coachings. Wie wirkt es sich auf die Coaches und den Coaching-Erfolg aus, wenn Klienten narzisstische, machiavellistische und/oder psychopathische Tendenzen erkennen lassen? Wie können Coaches mit solch schwierigen Situationen umgehen? Diesen Fragen wird in folgendem Artikel nachgegangen.  

Es ist wichtig, auch über die Schwierigkeiten im Coaching zu sprechen und somit vom Bild des Coachs, der jeden Klienten erfolgreich coachen kann, wegzukommen. Denn ebenso wie in der Therapie oder im Training gibt es auch im Coaching Nebenwirkungen: Negative Effekte treten häufig auf und können nicht nur für den Klienten, sondern auch für den Coach entstehen (> 60 Prozent Klienten, > 95 Prozent Coaches). Diese negativen Effekte können beispielsweise emotionaler (z.B. erhöhte Unsicherheit), motivationaler (z.B. reduzierte Arbeitsmotivation) oder interaktionaler (z.B. Probleme mit dem Vorgesetzten) Natur sein. Sie entstehen durch den Coach, den Klienten, deren Beziehung oder durch situative Aspekte. In anderen Worten: Auch die Persönlichkeit des Klienten kann Ursache für negative Effekte im Coaching sein (Schermuly et al., 2014). Besonders die dunklen Persönlichkeitstendenzen scheinen hier Schwierigkeiten auszulösen: Eine Studie von Graßmann, Diller und Jonas (2020) zeigt, dass über 70 Prozent der befragten Coaches einen Klienten als schwierigsten Fall beschrieben, welcher hohe narzisstische, machiavellistische oder psychopathische Tendenzen – also hohe Tendenzen der dunklen Triade – aufwies. Klienten der dunklen Triade können also im Coaching auftreten. Was das für das Coaching bedeutet und wie der Coach bestmöglich reagieren kann, soll in diesem Artikel erörtert werden.

Die dunkle Triade und ihre negativen Folgen

Die dunkle Triade besteht aus Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Narzissmus zeichnet sich durch ein sehr sensibles Selbstbild sowie das intensive Streben nach Bewunderung aus. Personen mit dieser Merkmalsausprägung können sehr charismatisch und gewinnend sein, überschätzen allerdings ihre Fähigkeiten oft und können sehr schlecht mit Kritik umgehen. Machiavellismus charakterisiert sich durch ein strategisches Streben nach Macht. Dies führt dazu, dass Personen mit dieser Merkmalsausprägung oft an Macht interessiert sind und diese sehr strategisch verfolgen. Die dritte Ausprägung, die Psychopathie, kennzeichnet sich durch das Streben nach Risiko und den Hang zu impulsiven Handlungen. Dabei können Personen mit dieser Merkmalsausprägung sehr kühl und schonungslos sein. Neben diesen distinkten Definitionen besitzen die drei Persönlichkeitsmerkmale einen gemeinsamen Kern: das Streben nach dem eigenen Vorteil und die geringen Werte in Empathie, Verträglichkeit und Ethik. Personen mit hohen Ausprägungen der dunklen Triade sind also besonders durch unethisches, unmoralisches und egoistisches Verhalten gekennzeichnet. Dieser Kern zeigt sich auch durch die hohe Korrelation der drei untereinander, auch wenn es drei verschiedene Persönlichkeitsmerkmale sind (Schiemann & Jonas, 2020).

Besonders in der Führung sind Personen mit hohen Tendenzen der dunklen Triade zu finden: Aufgrund ihres Talents, sich selbst vorteilhaft darstellen sowie andere meist gut analysieren und manipulieren zu können, schaffen sie es manchmal sogar in sehr hohe Machtpositionen. Diese Macht wird von solchen Personen auch erstrebt – sei es, um bewundert zu werden (Narzissmus), der Macht selbst willen (Machiavellismus) oder aus Lust am Risiko (Psychopathie). Dabei kann es zu negativen Folgen für die Mitarbeiter, Kollegen und die gesamte Organisation kommen. Abhängig davon, wie viel Macht die Person im Unternehmen besitzt, also wie hoch die Führungsebene ist, kann dies weitreichende Auswirkungen haben: Mobbing, Rache, aggressives Verhalten, Eingehen von Risiken mit hohen Verlusten für das Unternehmen, falsche Darstellung von Ergebnissen, Manipulationen, Machtspiele und vieles mehr. Zusammengefasst zeigen und kultivieren Personen mit hohen Tendenzen der dunklen Triade unethisches, kontraproduktives Verhalten im Unternehmen mit schwerwiegenden Folgen (Schiemann & Jonas, 2020). Beispielsweise führt ein Chef mit hohen Ausprägungen der dunklen Triade zu emotionaler Erschöpfung, negativer Stimmung und geringem Arbeitsengagement im Team – verbunden mit der Hilflosigkeit, wie darauf zu reagieren ist (Volmer et al., 2017). Beispielhaft betrachtet sind die drei Eigenschaften auch einzeln sehr negativ für das organisationale Umfeld: Narzisstische Führungskräfte haben einen negativen Effekt auf die Performance einer Organisation (Chatterjee & Hambrick, 2007), machiavellistische Führungskräfte führen zu kontraproduktivem zwischenmenschlichen Verhalten am Arbeitsplatz (Wisse & Sleebos, 2016) und psychopathische Führungskräfte sind wenig effektiv (Landay et al., 2019). Was bedeutet dies nun für den Coach, wenn dieser eine Person mit hohen Tendenzen der dunklen Triade als Klienten hat? 

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