Wissenschaft

Innere Wirkfaktoren: Was Coaching erfolgreich macht

Selbststeuerung, Emotionsregulation und Persönlichkeit

Wodurch wirkt Coaching? Mit Blick auf die Professionalisierung des Coachings ist dies eine entscheidende Frage. Die hier vorgestellte Forschungsarbeit leistet einen Beitrag zu ihrer Beantwortung, indem sie innere Faktoren der Klientinnen und Klienten in den Fokus rückt. Welche Rolle spielen beispielsweise subjektives Stresserleben, Emotionsregulation oder Handlungsorientierung? Aus den Ergebnissen werden letztlich Impulse für die Coaching-Praxis abgeleitet. 

13 Min.

Erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 2 | 2026 am 12.05.2026

Die Vektografik zeigt einen Kopf, aus dem Menschen Zahnräder heben.

Als Anna (Name geändert) früh morgens erschöpft in ihr Büro kommt, spürt sie sofort: Heute ist wieder alles zu viel. Schlafmangel, Konflikte im Team und eine schwerwiegende Entscheidung lasten auf ihr – ein Zustand, der vielen Klientinnen und Klienten zu Beginn eines Coachings vertraut ist. Genau solche Situationen bildeten den Ausgangspunkt der zugrunde liegenden Masterarbeit, die untersuchte, welche inneren Faktoren beim Coaching gerade dann wirksam werden, wenn Menschen unter Druck stehen.

Auf einen Blick

Symbol einer Lupe
  • Stress runter, Selbstzugang rauf: Wenn Stress den Zugriff auf Ressourcen blockiert, kann Coaching messbar entlasten.
  • Innere Faktoren bestimmen signifikant den Coaching-Erfolg: Wer sich gut steuern und Emotionen regulieren kann sowie die eigenen Persönlichkeitsmerkmale berücksichtigt, profitiert stärker.
  • Handlung statt Grübeln: Handlungsorientierung und Extraversion sind die stärksten inneren Wirkfaktoren beim Coaching. Ziele erreichen vor allem jene, die ins Handeln kommen – trotz Zweifel oder Misserfolg.

Coaching ist heute ein verbreitetes Entwicklungsformat, doch der wissenschaftliche Nachweis seiner Wirkfaktoren wächst erst langsam. Während frühere Metaanalysen vor allem Beziehung, Kompetenz des Coachs und methodisches Vorgehen als Erfolgsfaktoren identifizierten (z.B. Jones et al., 2015; Sonesh et al., 2015), rückt neuere Forschung emotionale Prozesse stärker in den Fokus. So zeigen de Haan und Nilsson (2023), dass emotionale Sicherheit und affektive Resonanz wichtige Aspekte hinsichtlich des Coaching-Erfolgs darstellen. Coaching wirkt demnach weniger direkt über Technik als über eine Veränderung emotionaler Zustände. Auch die Klientinnen und Klienten selbst bringen wichtige Wirkfaktoren mit, die über den Coaching-Verlauf mitentscheiden.

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Literatur

Barnow, S.; Reinelt, E. & Sauer, C. (2016). Emotionsregulation.. Berlin: Springer.

Birk, M. V.; Mandryk, R. L. & Baumann, N. (2020). Just a click away. Journal of Personality, 2, S. 373–390.

de Haan, E. & Nilsson, V. O. (2023). What Can We Know about the Effectiveness of Coaching? Academy of Management Learning & Education, 4, S. 641–661.

Jones, R. J.; Woods, S. A. & Guillaume, Y. R. (2015). The effectiveness of workplace coaching. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 2, S. 249–277.

Krause, F. & Storch, M. (2006). Ressourcenorientiert coachen mit dem Zürcher Ressourcen Modell – ZRM. Psychologie in Österreich, 1, S. 32–43.

Kuhl, J. (2001). Motivation und Persönlichkeit. Göttingen: Hogrefe. 
Kuhl, J. & Alsleben, P. (2009). Manual für die trainingsbegleitende Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik TOP. Münster: sonderpunkt.

Kuhl, J. & Fuhrmann, A. (2003). Selbststeuerungs-Inventar: SSI-K3 (Kurzversion). Auswertungsschlüssel. Universität Osnabrück.

Kuhl, J. & Kazén, M. (2003). Handlungs- und Lageorientierung: Wie lernt man, seine Gefühle zu steuern? In J. Stiensmeier-Pelster & F. Rheinberg (Hrsg.), Diagnostik von Motivation und Selbstkonzept (S. 201–219), Göttingen: Hogrefe.

Kuhl, J. & Strehlau, A. (2014). Handlungspsychologische Grundlagen des Coaching. Wiesbaden: Springer.

Quirin, M. & Kuhl, J. (2018). The Self-Access Form. Journal of Individual Differences, 1, S. 1–17.

Rammstedt, B. & John, O. P. (2005). Kurzversion des Big Five Inventory (BFI-K). Diagnostica. Abrufbar unter: https://econtent.hogrefe.com/doi/10.1026/0012-1924.51.4.195

Shefler, G.; Canetti, L. & Wiseman, H. (2001). Psychometric properties of Goal-Attainment Scaling in the assessment of Mann’s Time-Limited Psychotherapy. Journal of Clinical Psychology, 7, S. 971–979.

Sonesh, S. C.; Coultas, C. W.; Lacerenza, C. N. et al. (2015). The power of coaching. Coaching: An International Journal of Theory, Research and Practice, 2, S. 73–95.

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