Die begleitende und entwickelnde Seite von Coaching

Weshalb Kurzzeit-Interventionen kein eigenständiges Coaching darstellen

Die begleitende und entwickelnde Seite von Coaching
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Coaching findet im Kontext verschiedenster Settings, Methoden und themenspezifischer Ausrichtungen statt. Unabhängig davon zielt es immer auf eine Entwicklung ab, die charakteristischerweise auf Basis einer zeitlich begrenzten, aber dennoch prozesshaften Begleitung des Klienten durch seinen Coach realisiert werden soll. In einer häufig schnelllebigen Welt wird mitunter auch „Kurzzeit-Coaching“ angeboten, das dem Nachfrager schnelle Erfolge verspricht. Welchen zeitlichen Rahmen benötigt Coaching, um dem Klienten den Nutzen seines begleitenden Charakters zugänglich zu machen?

Vielfalt und Vitalität

Der Begriff „Coaching“ ist nicht geschützt. Noch umschreibt er eine trennscharfe Profession. Das mag man als Manko sehen. Andererseits führt dieser Umstand dazu, dass Coaching sich weitgehend unberührt von etablierten Zwängen ausdifferenzieren und entwickeln kann. Ob Coaching mit Pferden, Wingwave-Coaching, Introvisions-Coaching, Online- oder Flughafen-Coaching, Coaching durch Focussing, Klopftherapie oder Energy Psychology, Coaching mit NLP, Selbst-Coaching oder Trauer-Coaching: Die Szene brodelt, kocht und sie gebiert.

Manche der neuen Ideen, Ansätze und Konzepte entstehen und vergehen schnell. Andere bleiben randständig. Wiederum andere entwickeln sich aufgrund ihrer Wirksamkeit, Kraft und Praktikabilität schnell von der Peripherie hinein in zentralere Bereiche des Coaching-Kanons. Unterschiedliche Settings, Schulen und theoretische Grundlagen des Coachings differenzieren sich aus.

Die Vitalität von Coaching hat mit seiner Vielfalt zu tun. Da es die unterschiedlichsten Coaches, Coaching-Anlässe, Anliegen, Situationen und Klienten gibt, ist diese Vielfalt zu begrüßen – so die Szene umsichtig, professionell und damit verantwortungsvoll mit Neuerungen umgeht. Grund genug also, den Kern neuerer Entwicklungen in ein Verhältnis zu dem zu setzten, was bereits in der Szene existiert. Dies soll hier für das sogenannte lösungsorientierte Kurzzeit-Coaching vorgenommen werden, das sich seit ca. zehn Jahren als Teil der Szene etabliert.

Lösungsorientiertes Kurzzeit-Coaching

Eine Reihe von Publikationen zum Thema (Leão, 2014; Meier & Szabó, 2008; Szabó, 2015; Jumpertz, 2010) und ein Besuch im Internet eröffnen einen ersten Blick für das, was lösungsorientiertes Kurzzeit-Coaching ist. Sein Kern, seine innere Haltung, seine Prämissen und sein Prozess sind der lösungsfokus sierten Kurztherapie (Solution Focussed Brief Therapy, SFBT) entlehnt, die seit den späten Siebzigerjahren maßgeblich mit den Namen Insoo Kim Berg, Steve de Shazer und Peter de Jong sowie dem Brief Family Therapy Center (BFTC) in Milwaukee, USA verbunden ist.

Anders als in der systemischen Therapie wird in der lösungsfokussierten Kurztherapie das System von Klient und Therapeut als das relevante System betrachtet. Auf die Analyse des Klientensystems („Umfeldexploration“) wird weitgehend verzichtet.

Diesen Ansatz übernimmt auch das lösungsorientierte Kurzzeit-Coaching im Gegensatz zum systemischem Coaching, denn es fragt in seiner Lösungsorientierung strikt nach bereits vorhandenen Ressourcen und etablierten, gut funktionierenden Mustern des Klienten. Es nutzt pragmatische Prämissen und spezifische Frageformen, die dem Klienten helfen, sich effizient auf bereits vorhandene Kräfte und sein Ziel zu besinnen, ohne dem Umfeld oder „der Geschichte“ des Klienten viel Aufmerksamkeit zu widmen.

Es ist nicht eindeutig zu benennen, welchen Zeitrahmen lösungsfokussiertes Kurzzeit-Coaching ausfüllen darf, um noch als Kurzzeit-Coaching betrachtet zu werden. Eine Doppelstunde lang? Von vornherein geplante, aufeinander folgende zwei Doppelstunden an einem Termin? Drei Doppelstunden inklusive intermittierender Zeitintervalle zwischen den einzelnen Sitzungen, da sich nach Doppelstunde eins und zwei weiterer Bedarf ergeben hat? Vom Versprechen auf „Ultrakurzzeit-Coaching“ über Kurzzeit-Angebote von ein bis zwei Sitzungen à 30 Minuten bis zu lösungsorientiertem Kurzzeit-Coaching von drei bis acht Doppelstunden: Die Szene entwickelt und differenziert sich.

Die Gemeinsamkeit, die die genannten Angebote aufweisen, ist die zum Teil radikale Beschränkung der zur Verfügung stehenden Zeit. Es liegt auf der Hand, dass über diese strukturelle Vorgabe nur wenig Raum für die Exploration des Klientenumfeldes besteht und die entstehenden Coaching-Kontexte eine vehement hohe kommunikative Effizienz des Coachs erfordern.

Gemeinsamkeiten mit systemischem Coaching

Die genannten Unterschiede im Herangehen und in der zeitlichen Struktur von lösungsorientiertem Kurzzeit-Coaching und systemischem Coaching sind nicht paradigmatisch. Auch systemisches Coaching kennt Lösungsorientierung, Ressourcenfokussierung und kommunikative Stringenz. Auch in seiner begleitenden Form wird nicht der Versuch gemacht, den Klienten länger als notwendig an seinen Coach zu binden.

Über die Verknappung des Zeitfaktors im Kurzzeit-Coaching wird aber ein neues Nachdenken über das Selbstverständnis des Coachs und seine Realitätskonstruktionen eingefordert. Die Kürze der bereitstehenden Zeit macht einen hohen Anspruch an kommunikative Prozesse, deren Inhalte und Ziele unerlässlich und erfordert eine sehr präzise Gesprächs- und Frageführung, derer sich letztlich auch kein systemisch arbeitender Coach entziehen sollte:

Die Selbstkompetenz beim Klienten stärken? Richtig! Sich als Coach so wirksam als möglich überflüssig machen? Genau! Sich bewusstmachen und verstehen, wie u.a. das Selbstverständnis als Coach und die eigene Perspektive darauf, wie Veränderung geschieht, den Verlauf und die Dauer begleitender Coaching-Prozesse mitbeeinflussen? Sehr wichtig! Möglicherweise eingeschliffene Gesprächsführung, Vorannahmen und Hypothesen über einzelne Klienten erkennen und weiterentwickeln? Essentiell!

Kurzzeit-Coaching als eigenständige Alternative?

Den Gemeinsamkeiten zwischen Kurzzeit-Coaching und systemischem Coaching zum Trotz scheint es den Versuch zu geben, einmaliges lösungsorientiertes Kurzzeit-Coaching als eigenständige Alternative zu mehrmaligem und damit begleitendem lösungsorientiertem Coaching zu positionieren. Das ist möglicher weise für die Fälle stimmig, praktikabel und wünschenswert, in denen die Situation, die Person und das Anliegen des Klienten nach einem Kurzzeit-Coaching verlangen. Und, natürlich, der jeweilige Coach zugleich im Stande ist, ein solches Coaching professionell durchzuführen. Diese vier Bedingungen können aber nicht in jedem Falle vorausgesetzt werden. Darum ist Kurzzeit-Coaching als eine Variante von Coaching zu verstehen und somit weder ein alleiniges noch ein eigenständiges Herangehen. Als Variante gehört es gegebenenfalls in das Repertoire eines guten Coachs.

Wenn Kurzzeit-Coaching aber als alleiniges Herangehen begriffen wird, …

  • … beraubt sich der Coach einer Reihe von wertvollen Wahlmöglichkeiten und somit seiner Effektivität,

  • … verkennt man, dass unterschiedliche Klienten durchaus unterschiedliche Zugänge zur gemeinsamen Entwicklungsarbeit anbieten,

  • … verschließt der Coach seinem Klienten möglicherweise Entwicklungschancen.

Die Protagonisten von Kurzzeit-Coaching lassen diese Punkte nicht außer Acht. Doch die Imbalance, die durch eine auf sich selbst verweisende Betonung von Lösungsorientierung im Kurzzeit-Coaching und „dessen“ Fragetechniken entsteht, scheint die Relevanz von begleitendem Coaching in den Hintergrund zu entlassen.

Es gibt Aspekte, die lösungsorientiertes Kurzzeit-Coaching stark machen: Klarheit im Herangehen, „Einfachheit“ und Struktur. Das Versprechen, schnelle Erfolge zu erzielen. Der Zwang für den Coach, sich ob einer einmaligen, zwei- oder dreimaligen Intervention auf die Essenz von Coaching beschränken zu müssen, sprachlich wie von den Vorannahmen her.

Gleichwohl gibt es Aspekte, die ihre volle Wirkung vornehmlich in begleitendem Coaching entfalten: eine zeitlich begrenzte, tragfähige Verbindung zwischen Klient und Coach, Feedback, gegenseitiges Vertrauen und Empathie.

Tragfähige Verbindung zwischen Coach und Klient

Eine zeitlich begrenzte und tragfähige Verbindung von Klient und Coach ist beides: die beste Voraussetzung für offenes Feedback, Vertrauen und Empathie wie auch für deren Ergebnis. Sie entsteht aus „tatsächlicher menschlicher Interaktion“ – Gesprächs- und Interventionsarbeit im Sinne von Carl Rogers. Nicht um im Alten oder im Schwierigen zu schwelgen, sondern um eine Beziehung entstehen zu lassen, in der der Coach – über das, was er im Coaching hört, sieht und spürt – valide Rückschlüsse auf das ziehen kann, was gerade im „Hier und Jetzt“ des Klienten und damit zuzeiten auch in anderen Beziehungen des Klienten geschieht.

Somit führt diese Verbindung in ihrer Konsequenz zu einem Fundus von (zunächst oft unausgesprochenen) weiterführenden Hinweisen darauf, wer der Klient ist, wie er seine „Realitäten“ konstruiert, warum sein Anliegen ihn zum Coach geführt hat und welche Aspekte möglicherweise gegen die Erreichung dieses Anliegens arbeiten. Das ist eine der Goldgruben, die sich im begleitenden Coaching eröffnet.

Feedback

Eine bessere Grundlage für Hypothesenbildung und Feedbackprozesse des Coachs als die genannte Verbindung von Coach und Klient lässt sich im individuellen Coaching schwerlich finden. Rückmeldungen von Mensch zu Mensch, auf der Grundlage dessen, was der Coach mit seinem Klienten über einen verabredeten Zeitraum hinweg erlebt. Rückmeldungen, die dem Klienten im täglichen Leben häufig versagt bleiben (oder die nicht als solche anerkannt werden). Rückmeldungen, die den Klienten und dessen Fähigkeiten wahr- und ernstnehmen und gleichzeitig mögliche Entwicklungsansätze vor dem Hintergrund des Klienten-Anliegens ins Spiel bringen.

Vertrauen

Gegenseitiges Vertrauen und Empathie sind die beiden wohl wichtigsten Zutaten für eine gelungene Coach-Klienten-Beziehung. Das beruhigende Gefühl, einen Coach an der Seite zu haben, der mich in meinem Vorhaben professionell begleitet und unterstützt. Das Gefühl, dass der Coach tatsächlich mit mir arbeiten will – er an meiner Entwicklung als Rollenträger wie auch als Mensch Anteil nimmt und davon überzeugt ist, mich bezüglich meines Anliegens lösungsorientiert unterstützen zu können.

Empathie

Empathie ist ein respektierendes Verstehen der Erfahrungen des Anderen. Diese verstärkt sich über die gelebte Präsenz des Coachs, d.h. über seine Fähigkeit, von eigenen Erfahrungen, Perspektiven, Gefühlen und mentalen Modellen abzusehen und vollständig mit den Erfahrungen des Klienten sein zu können. Spätestens wenn Gegenwind die Umsetzung von Lösungsprozessen erschwert, kommt Empathie ins Spiel. Der Coach weiß aus eigener Erfahrung, dass individuelle Entwicklung und damit Veränderung möglicherweise mit Widerständen aus dem eigenen Innern oder den relevanten Umwelten einhergehen kann.

Weder wird er „vorschnell“ ungeduldig werden, noch mit gezielten Ratschlägen aus dem eigenen Erfahrungsschatz zu punkten versuchen. Er wird seinen Klienten empathisch durch mögliche Herausforderungen hindurch begleiten. Ihn ermutigen. Ihm aufzeigen, dass Ungeduld und Rückschläge natürliche Bestandteile von Veränderung sein können. Ihm vermitteln, dass nachhaltige Entwicklung Zeit und Raum beansprucht und man diese sich selbst wie anderen – als Mensch (!) – einräumen darf.

Methodenpluralität und Klientennutzen

Ohne die in den meisten begleitenden Coaching-Prozessen wichtige Verbindung zwischen Coach und Klient haben die genannten Aspekte Feedback, gegenseitiges Vertrauen und Empathie nicht viele Entfaltungschancen. Jedoch bilden diese Aspekte neben den beiden Säulen von Gespräch und Übung bzw. Intervention die Kernelemente begleitender und entwickelnder Coaching-Prozesse.

Im Falle von Fachberatung oder Kurzzeit-Coaching mögen diese Faktoren möglicherweise optional sein. Was aber in Fällen, in denen Anteile persönlichkeitsnahen Arbeitens für die Erreichung des Klienten-Anliegens wichtig werden? Wenn es darum geht, mich meinem Coach persönlich anzuvertrauen? Unter welchen Umständen möchte ich von mir und meinen (heimlichen) Zukunftsträumen einer besseren Welt oder eines strahlenderen, zufriedeneren Selbst erzählen?

Da sich die Aspekte Verbindung, Feedback, Vertrauen und Empathie im Kurzzeit-Coaching nicht ausreichend wiederfinden lassen, schleicht sich ein „ungutes“ Gefühl ein, das besagt: „ein wenig schnell, oberflächlich, unverbindlich, glatt.“ Andererseits scheinen Kurzzeit-Interventionen laut Anbieter-Aussagen gut zu funktionieren, und sie bedienen ein Bedürfnis in unserer schnelllebigen Welt. Schlussendlich sind sie immer dann ein probates Mittel, wenn sie zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem spezifischen Kontext und zum individuellen Klienten und seinem Anliegen passen.

Erfahrungsgemäß enden jedoch die wenigsten nachhaltigen Coaching-Prozesse nach einer ersten Intervention, sondern diese ist im Allgemeinen der Auftakt zu weiterem fokussiertem und lösungsorientiertem Arbeiten. Insofern überhöht der Begriff des „Kurzzeit-Coachings“ den Inhalt dessen, was transportiert wird. Die Mengenlehre gerät durcheinander: Eine Teildisziplin von Coaching, die Kurzzeit-Intervention, wird selbst zum Coaching (Kurzzeit-Coaching) ausgerufen.

So Coaches für den Klienten arbeiten, sind sie dazu verpflichtet, diesem eine möglichst weite Bandbreite potenziell nachfragbarer Methoden bereitzuhalten. Welcher Teil dieser Methoden letztlich zur Anwendung kommt, wird über die tatsächliche Arbeit mit dem jeweiligen Klienten sichtbar und von ihm und seinem Anliegen mitbestimmt werden.

Prozess- und Entwicklungscharakter im begleitenden Coaching

Ein weiterer Aspekt, der im begleitenden Coaching eine wichtige Rolle spielt, ist sein Prozesscharakter. Das wirklich Wichtige geschieht zwischen den Sitzungen. Es ist dies die Magie der möglicherweise über eine Coaching-Sitzung angestoßenen inneren oder äußeren Veränderungsarbeit. Diese lässt sich durch eine Kurzzeit-Intervention genauso herstellen wie im begleitenden Coaching. In Letzterem aber bilden die Dauer und Intensität sowie die eingeräumte innere Reflexions- und Verarbeitungszeit in der Auseinandersetzung mit lösungsrelevanten Aspekten einen der entscheidenden Faktoren.

Der zweite entscheidende Faktor ist die begleitende Anwesenheit des Coachs während der Umsetzung neuer Denk-, Verhaltens- und emotionaler Muster in die Lebenswirklichkeit des Klienten, womit eine erhöhte Verbindlichkeit des beschrittenen Veränderungspfades einhergeht.

Beide Faktoren, der innere sowie der äußere Prozess, benötigen einen Rahmen, einen Korridor, innerhalb dessen sie sich organisch entfalten können – parallel zu möglichen hohen Anforderungen in den professionellen und privaten Lebensbereichen des Klienten. Es ist diese Prozesshaftigkeit, die begleitendes Coaching zulässt und miteinbezieht, während Kurzzeit-Coaching „nur“ erste Impulse setzten kann, deren zielgerichtete Weiterverfolgung sich dem Coach jedoch entzieht.

Daher bleiben auch vereinzelt durchgeführte Kurzzeit-Interventionen hinter begleitendem Coaching zurück, da diese weder die Verbindlichkeit noch die benötigten Reflexionsphasen institutionalisiert zur Verfügung stellen.

Neun Annahmen zur Konstruktion beteiligter Realitäten

Das derzeitige Arbeiten in Unternehmen und Organisationen ist geprägt von mindestens einer übergreifenden Restriktion: der Knappheit von Ressourcen und damit der Enge von Budgets (Annahme 1). Budgets im monetären wie auch im zeitlichen Sinne. Insofern läuft die gelebte Realität oft gegen die Überzeugung, dass individuelle Entwicklung Zeit und Raum benötigt (2). So man Coaching als einen Prozess begreift, der individuelle und teamspezifische Entwicklung ermöglichen hilft (3), wird in Verbindung mit den Annahmen eins (enge Budgets) und zwei (Entwicklung benötigt Zeit und Raum) schnell klar, dass Kurzzeit-Interventionen, die als Kurzzeit-Coaching vermarktet werden, durchaus eine wachsende Nachfrage am Markt bedienen.

Es mag in Zeiten knapper Budgets von Vorteil sein, seinen Klienten und Auftraggebern versprechen zu können, die Klienten „schnell“ voranbringen zu können (4). Das ist eine gute Nachricht für Kurzzeit-Coaches (5). Zugleich ist dies eine schlechte Nachricht für Klienten, die sich Aspekte wie Vertrauen, Empathie und Feedback wünschen, die aus einer längerfristigen Arbeitsbeziehung erwachsen (6). Gleiches gilt für Klienten, die sich unter Begleitung eines Entwicklungsprofis nachhaltig entfalten wollen und den prozesshaften Charakter von Selbstreflexion und Veränderung für sich als zielführend erkennen (7). Denn nicht jede Situation ist für Kurzzeit-Interventionen geeignet (8) und nicht jede Situation ist für begleitendes Coaching geeignet (9).

Der Punkt ist: Die genannten neun Annahmen sind so individuell wie jeder Coach in seiner Arbeit. Sie fußen auf individuellen Erfahrungen, Glaubenssätzen, mentalen Modellen und inneren Haltungen zum Thema Entwicklung, den vorhandenen Kompetenzen, auf privaten und professionellen Bedürfnissen, Zielen und Unsicherheiten.

Jeder Coach bringt seine Persönlichkeit und Konstruktion der Welt in Coaching-Prozesse ein und wie diese wollen auch Klienten in ihrem individuellen Sein wahrgenommen und akzeptiert werden. Und weil damit die gesamte Entwicklungsarbeit im Coaching ein so hochgradig individualisiertes Geschäft ist, wird klar, warum es generell weder eine „fixe“ Dauer noch einen „vorausgedachten“ Inhalt von Coachings geben kann.

Fazit: Die zeitliche Begrenzung dem Kontext anpassen!

Lösungsorientierte Kurzzeit-Interventionen sind keine neue eigenständige Methode. Gleichwohl existieren Situationen, in denen Coaching unter Nutzung von Kurzzeit-Interventionen die Bedürfnisse von Klienten sehr wohl zur vollen Zufriedenheit erfüllt. Warum also nicht ein Coaching-Portfolio anbieten, das je nach Anliegen und zeitlich-budgetärer Situation des Klienten von der kurzen über die mittlere bis hin zur längerfristigen Coaching-Distanz unterschiedliche zeitliche Formate bereithält?

Individuelle Fachberatung und spezifische Entscheidungsvorbereitungen wären eher im kürzeren Bereich zu vermuten. Je persönlichkeitsnäher die nachgefragten Themen werden, je mehr eine Erweiterung individueller Kompetenzen und Veränderungsschritte im Umfeld des Klienten miteinbezogen werden, desto mehr wird von einer mittleren bis längeren Dauer begleitenden Coachings auszugehen sein; so möglicherweise bei Themen aus den Bereichen Leadership, Transition, Bewältigung interkultureller Konstellationen, individuelle Lebensthemen und deren Schnittmengen.

Solange Coaches ihren Klienten gegenüber verantwortungsvoll und transparent mit ihren Angeboten umgehen und mehr aus methodisch-kontextuellen denn aus marketingtechnischen Erwägungen heraus agieren, ist die Szene gut damit beraten, auch weiterhin vielfältig und damit entwicklungsvital zu bleiben.

Literatur

  • Jumpertz, Sylvia (2010). Wie kurz darf Coaching sein? In managerSeminare, 03/2010, 48–55.
  • Leão, Anja (2014). Lösungsorientiertes Kurzzeit-Coaching. In Anja Leão (Hrsg.). Trainer-Kit Reloaded. Die wichtigsten Theorien, Beratungsformate, Prozessdarstellungen – und ihre Anwendung im Seminar. Bonn: managerSeminare, 14–52.
  • Meier, Daniel & Szabó, Peter (2008). Coaching – erfrischend einfach. Norderstedt: Books on Demand.
  • Szabó, Peter (2015). Wie wir die Dauer von Coaching beeinflussen. In RAUEN Coaching-Newsletter, 01/2015, 1–4.