Coaching als Unterstützung schulischer Transformation

Bedarfsgerechte Weiterbildung von Lehrkräften „nach Corona“

Coaching als Unterstützung schulischer Transformation
© Foto: G-Stock Studio/Shutterstock.com

Für den digitalen Wandel und dessen Begleitung an Schulen gibt es keine fertigen Rezepte. Lehrende mussten im Zuge der Pandemie quasi über Nacht digitale Strategien entwickeln. Dabei wurden die individuelle Situation und die Beeinflussung systemischer Koordinaten oft nachgeordnet. So gilt es nun, die Begleitung von Lehrkräften konzeptionell den veränderten Bedingungen anzupassen. Coaching kann hierbei Unterstützung leisten.

Drei Schulhalbjahre mit gravierenden Neuerungen liegen hinter deutschen Schulen – allen voran hinter Lehrkräften und Schulleitungen, aber auch Eltern und Erziehungsberechtigten und nicht zuletzt Schülerinnen und Schülern. Wo man hinkam und etwas von der Situation an Schulen und in Elternhäusern erhaschen konnte: Selten waren Zeit und Muße gegeben, diese – für alle – herausfordernde Zeit angemessen zu reflektieren.

Eine Rückmeldung zog sich – unabhängig von Fächerkombination, Schulart oder Alter der Lernenden – durch alle Fortbildungen und Coachings von Lehrenden in dieser Zeit: „Ich bin unsagbar müde (…) wie in meinem ganzen Lehrerleben noch nie.“ So bemerkte es ein Kollege, dem sofort beigepflichtet wurde. Diese Beobachtung verweist zum einen darauf, wie sehr – unter den Herausforderungen der begonnenen Digitalisierung – Lehrergesundheit und Prävention wieder neu in den Blick genommen werden müssen. Zum anderen macht sie aber auch deutlich, wie schnell diese wichtigen Aspekte krisenbedingt offensichtlich ins Hintertreffen geraten (können). Darüber hinaus ist dieses übergreifend wahrnehmbare Phänomen jedoch auch ein Ausdruck dessen, was in den drei Schulhalbjahren alles „gestemmt“ und neu organisiert worden ist: ein Kraftakt eben, der auch die Kräfte aller Beteiligten – oft über Gebühr – forderte.

Die Lehrerfortbildungen hatten zu Beginn und in der Krise naturgemäß andere Schwerpunkte und stellenweise auch eine veränderte Gesprächskultur. Die Entwicklungen in diesem Bereich sind – wenn auch heterogen – vorangeschritten, können aber auch noch nicht als abgeschlossen gelten. An diesen Schnittstellen zeigen sich aber bereits fruchtbare Überschneidungen zwischen Coaching und Bedarfen für die Weiterentwicklung von schulischen Online-Kontexten, und zwar auf verschiedenen Ebenen: erstens der Reflexion kollektiver und persönlicher Anforderungen, zweitens der Reflexion aller maßgeblichen Auswirkungen des – mit dem Online-Unterricht neu formatierten – Lehrens und Lernens auf das System Schule und die Schulentwicklung. Und drittens auch, aber nicht (mehr immer) an erster Stelle, inhaltliche Aspekte.

Im Folgenden sollen diese Bereiche konzeptionell angedacht werden. Das Ziel ist, für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung von Lehrkräften und Schulen mit bewährten Instrumenten und Formaten aus dem Coaching zu werben.

Sieben Thesen des Wandels

Diese Annäherung soll thesenhaft erfolgen, wobei die Thesen aus der Praxis der Weiterbildung mit Lehrerinnen und Lehrern – aller Schularten und über Bundeländer hinweg – und aus Coachings mit Lehr- und Führungskräften sowie mit Eltern und Erziehungsberechtigten entnommen sind. Zudem speisen sich diese Beobachtungen durch eigene Umfragen (Hanstein & Lanig, 2020a; 2020b; 2021).

  • Die Implementierung des Online- und Hybrid-Unterrichts war – und ist stellenweise nach wie vor – von Negativbegriffen geprägt.
  • Die begonnene Digitalisierung an deutschen Schulen stellt(e) einen gesamtgesellschaftlichen Veränderungsprozess dar, der bislang kaum reflektiert worden ist. Aspekte der „digitalen Anreicherung“ oder auch schon der „digitalen Sättigung“ (Hanstein & Lanig, 2020b, S. 86) sind derzeit (noch) relativ heterogen vertreten.
  • Fortbildungen im Kontext Online-Unterricht, besonders in der ersten und zweiten Phase der Pandemie, waren wichtig, aber vor allem auf inhaltliche und technische Aspekte beschränkt.
  • Die größte Unterstützung holten sich deutsche Lehrende von Kolleginnen und Kollegen, die oft nicht in den eigenen Fächern unterrichten und auch oft nicht im System der „eigenen“ Schule ihren Dienst verrichten.
  • Lehrende ließen sich relativ unterschiedlich auf die Herausforderungen des Online-Unterrichts ein. Neue Konzepte haben dabei ihre Wurzeln in den eigenen berufsindividuellen Überzeugungen.
  • Diese „teacher beliefs“ sind bislang, bezogen auf den Digitalisierungsprozess, zu wenig berücksichtigt. Ein Grund dafür liegt darin, dass es im Krisen-Modus insbesondere darum ging, den Unterrichtsbetrieb aufrechtzuerhalten.
  • Fort- und Weiterbildungen in digitalisierten Kontexten bedürfen neuer, adäquater Formate und sollten vermehrt auf Konzepte aus dem Coaching zurückgreifen, da es neben inhaltlichen, technischen und methodischen in starkem Maße auch um berufsindividuelle Fragen geht.

Diese Erfahrungen werden im Folgenden zu zwei vorläufigen Konzepten führen, die der schulischen Praxis und den schulischen Unterstützungssystemen zur weiteren Erprobung (und Fortschreibung) angeboten werden sollen.

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