Achtsam in Führung gehen

Die Bedeutung achtsamer Selbstführung im Coaching

Achtsam in Führung gehen
© Foto: Yuganov Konstantin/Shutterstock.com

Achtsamkeit und Selbstführung starten mit dem Blick nach innen und ermöglichen Coaches ein Arbeiten auf tieferen Ebenen mit Führungskräften. In diesem Artikel wird die Notwendigkeit der Integration von Achtsamkeit und Selbstführung auf Coaches und Führungskräfte bezogen und damit eine Einladung zu einer neuen Haltung im Coaching- und Führungskontext ausgesprochen. 

Selbstführung startet mit dem Blick nach innen

Mit Achtsamkeit ist es so ähnlich wie mit dem Glück oder der Stimmigkeit – sie muss immer wieder neu hergestellt werden. Auch unsere Selbstführung wird jeden Tag aufs Neue auf die Probe gestellt. Nichts daran ist fix oder wird uns fertig geliefert. Deshalb ist es so herausfordernd, immer wieder unser Bewusstsein zu erneuern und zu schulen.

Führung und Selbstführung starten mit dem Blick nach innen. Viel zu schnell wird unsere Aufmerksamkeit von Projekten, dem Tagesgeschäft oder dem nächsten Auftrag abgelenkt. Der Alltag suggeriert, dass die Schwerpunkte unseres Tuns im Außen liegen: Geld verdienen, Karriere machen, das nächste Projekt stemmen oder eine Marktposition anstreben. Parallel dazu stehen uns in unserer multimedialen Welt tägliche Ablenk-Hilfen wie Handys, Tablets oder Smartwatches zur Verfügung. Übernehmen wir keine Kontrolle und eigene Verantwortung für unsere Aufmerksamkeitssteuerung, so liefern wir uns den Apps aus, die am häufigsten rote Pünktchen anzeigen. Und wir laufen den Projekten und Projektionen nach, die am lautesten und dringlichsten Handlungsbedarf suggerieren. Burn-out, sinnlose Tätigkeiten und in die Krise geratende Geschäftsmodelle können die Folge sein, da der innere Abgleich mit dem eigenen Empfinden und die Verbundenheit der Verantwortlichen untereinander unter der Außenorientierung leiden.

Dabei hilft auch kein Wechsel der Programme – vom Fernseher zu Netflix, von Wasserfall-Projekten zu Scrum, von transformationaler zu agiler Führung. Stattdessen geht es um einen Wechsel der Ebenen. Hin zur Wahrnehmung von Mustern und Gewohnheiten, die alle Verhaltensweisen steuern, und damit zu bewusster Selbstführung.

Der achtsame Blick nach innen ist entscheidend. Wie aufmerksam ist man als Coach für die eigenen Impulse, Wünsche und Ideen? Wie viel Zugang hat man im Alltag als Führungskraft zu den inneren Stimmen? Wie viele Zeitpunkte und Möglichkeiten gibt es in Führungsteams, um gemeinsam tiefere Ebenen zu betrachten und Veränderungen stimmig einzuläuten?

Im Bewusstseins-Modell (siehe Abb.) werden die unterschiedlichen Ebenen nach außen und innen deutlich. Hier sieht man, dass Achtsamkeit den Zugang zum inneren Bewusstsein öffnen kann und sich Selbstführung aus diesem speist. Natürlich braucht es für Stimmigkeit und Handlungsfähigkeit den dualen Blick – nach innen und nach außen. Beide können nicht voneinander getrennt betrachtet werden. Ist nur der Blick nach innen vorhanden, könnte ein Hang zum Narzissmus entstehen. Ist nur der Blick nach außen vorhanden, so würde man selbst zum Spielball.

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