Coaching meets Research

Die Themen „Organisation, Digitalisierung und Design“ bestimmten den fünften Internationalen Coachingkongress „Coaching meets Research“ der FHNW am 12. und 13. Juni 2018 in Olten (Schweiz). Ein Vor-Ort-Bericht von Thomas Webers.

„Eine Idee wird zur Marke“, so konstatierte die Direktorin der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), Prof. Dr. Agnès Fritze, zum Auftakt die Lage. Und sie hatte zweifelsohne recht: Der Internationale Coachingkongress „Coaching meets Research“ in Olten (Schweiz) hat sich etabliert. Er bietet als Biennale der Coaching-Szene die Möglichkeit zum Austausch, zum Netzwerken und zum Blick über den Tellerrand. Und so wartete die fünfte Ausgabe des Kongresses vom 12.–13.06.2018 mit einer guten Mischung aus Bewährtem und Neuem auf. Das Raumdesign und die Zeitstruktur wurden beibehalten, die Internationalität gesteigert und die Riege der Veranstalter um die Kollegen von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erweitert. Die Mischung an Formaten und Themen ließ keine Langweile aufkommen. Organisation und Moderation waren perfekt.

Coaching meets Research: 5. Internationaler Coachingkongress "Organisation, Digitalisierung und Design"

Der Start mit moderierten Forschungskolloquien ermöglichte ein erstes Warm-up für die zirka 180 Teilnehmenden. Erstmalig wurde ein deutsch- und ein englischsprachiges Kolloquium angeboten. Der wissenschaftliche Fortschritt, das zeigte sich hier, bewegt sich inzwischen in gutem, breitem Fahrwasser. Nach der offiziellen Eröffnung boten sich dann zwei Keynoter einen rasanten Hypothesen-Slam zum Thema „Zukunft der Arbeit – Zukunft des Coachings“: Die Arbeits- und Organisationspsychologie-Professoren Prof. Dr. Carsten Schermuly und Prof. Dr. Matthias Schmidt. Hier wurden die rhetorischen Langschwerter geschwungen und eine These nach der anderen pariert.

5. Internationaler Coachingkongress «Organisation, Digitalisierung und Design»

Foto: ©Marlen Gsell

Gleich nach einer Kaffeepause konnte sich das Publikum dann in fünf parallel stattfindende Themen-Labs vertiefen. Die Keynote des Briten Prof. Dr. Jonathan Passmore gegen Abend präsentierte sodann Ergebnisse einer europäischen Vergleichsstudie des European Mentoring and Coaching Council (EMCC). Diese Studie hatte im Vorfeld unter Wissenschaftlern schon für Kritik gesorgt; insbesondere wegen des Stichprobendesigns: Coaches, Mentoren, aber auch Sicherheitsfachleute sowie Fahrlehrer landeten in einem Topf. Die Ergebnisse, die Prof. Dr. Passmore mit viel Emphase und erhobenem Zeigefinger präsentierte, wurden anschließend auf dem Flur in kleinerem Kreise deutlich ad acta befördert. Man kann Chancen eben auch verspielen.

Der zweite Kongresstag startete wieder mit einer interaktiven Kontroverse. Im Zentrum der Auseinandersetzung zwischen Barbara Josef und Dr. Joël Luc Cachelin standen die Chancen und Risiken der digitalen Arbeitswelt: „von rosarot bis rabenschwarz“. Es schloss sich wieder ein fünffach paralleles Themen-Lab zum Vertiefen an.

 Internationale Coachingkongress „Coaching meets Research“

Foto: ©Marlen Gsell

Das Finale eröffnete nach der Mittagspause der Brite Prof. Dr. David Clutterbuck mit der provokativen Frage: Wann übernimmt Künstliche Intelligenz das Coaching? Die anschließende Podiumsdiskussion beleuchtete, welche Herausforderungen an Coaching und die Coaches sich damit ergeben. Unter der Moderation von Prof. Dr. Martina Hörmann und Prof. Dr. Eric Lippmann diskutierten Prof. Dr. David Clutterbuck, Prof. Dr. Carsten Schermuly, Prof. Hansjörg Künzli und Prof. Dr. Elke Berninger-Schäfer. ZHAW-Forscher Prof. Künzli warnte, jeden Tag würden neue Beratungsangebote von Selbsthilfegruppen im Internet aufgemacht, in der Psychotherapie sei „online“ lange schon angekommen, die Wirksamkeit sei mit der „Offline“-Form definitiv vergleichbar, deshalb dürften etablierte Coaches den neuen Herausforderungen nicht vornehm aus dem Weg gehen.

Die zukünftige Entwicklung bleibt spannend. Daher kann man sich heute schon auf den Kongress im Jahr 2020 freuen. (Thomas Webers)


Information:

www.coaching-meets-research.ch


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