Fragen an Dr. Wolfgang Krahé und Heinz-Jürgen Weigt

Die Coaches Dr. Wolfgang Krahé & Heinz-Jürgen Weigt beantworten Fragen aus der Praxis

Fragen an Dr. Wolfgang Krahé und Heinz-Jürgen Weigt
© Foto: Tashatuvango/Shutterstock.com

Hat sich die Situation der Coaching-Klienten im digitalen Zeitalter verändert?

Wir treffen auf Führungskräfte und Mitarbeiter, die – bedingt durch die Möglichkeiten der Digitalisierung – einerseits die Freiheit, Vernetzung und Empathie aller Protagonisten im Berufsleben einfordern und andererseits mit der dann notwenigen persönlichen Verantwortungsübernahme für sich selbst und ihre beruflichen Rollen konfrontiert werden. Besonders klagen viele darüber, dass haltgebende Strukturen wie eigenes Büro, vertrauter Vorgesetzter und Kollegenkreis oder langfristige feste Aufgabenzuordnung wegfallen. Verantwortung heißt dann auf einmal, viel persönlicher und in wechselnden Arbeitsgruppen mit Themen konfrontiert zu werden, da eine Rolle nicht mehr die (Kommunikations-)Struktur vorgibt und so die Person nicht „schützt“.  Eine Führungskraft muss daher jetzt in der Lage sein, ihren Mitarbeitern auf einer menschlichen Ebene zu begegnen. Das bedeutet, dass es unmöglich wird, eine Führungsposition nur aus der Rolle heraus auszufüllen.

Welche Rolle spielt das Thema Agilität aus Klientensicht? 

Ein auch von vielen Coaches geteiltes Ideal stellt die möglichst weitgehende Abschaffung von Hierarchien dar. Agilität, verstanden als eine von solchen Werten getragene innere Haltung, könnte – nimmt man sie als Ziel ernst – allenfalls am Ende eines langen Entwicklungsprozesses stehen. Dieser Prozess würde über mehrere Entwicklungsstufen von rein hierarchischen über gemäßigte bis hin zu vollständig agilen Organisationsformen führen. Es geht dabei darum, am eigenen Menschenbild zu feilen und so ein wesentlich höheres Maß an Achtsamkeit, Wertschätzung und Respekt für seine Mitarbeiter zu entwickeln. Den Mitarbeitern wiederum ermöglicht das, in einer neuen, persönlichen Weise jenes Vertrauen zu entwickeln, das unabdingbar ist, wenn das Ziel sein soll, dass sich jemand voll mit seinem Unternehmen identifiziert und authentisch sein gesamtes kreatives Potenzial in seine Arbeit einbringt. Allerdings sind agile Ideale häufig schwer durchsetzbar, weil diesen eine Fülle an Widerständen gegenüberstehen, deren Ursprung in der Reife der jeweils betroffenen Menschen und der Organisation liegt. Auch auf Teamebene ist es keineswegs so, dass primär alle davon begeistert sind, gleiche Verantwortung zu tragen, in ihrem Tun völlig transparent zu sein und angesichts erlebter Unterlegenheit in eine Position der Augenhöhe versetzt zu werden, die sie evtl. als zutiefst unauthentisch empfinden. Genau hier kann Coaching unterstützend eingreifen.

Was bedeutet das für die Weiterbildung von Coaches?

Nicht nur bei Coaches und Psychotherapeuten, sondern auch bei Führungskräften wird Kompetenz zunehmend definierbar durch das Ausmaß der persönlichen Selbsterfahrung. Genau diese verlangt aber nach Angeboten, die den Klienten einen geschützten Rahmen bieten, um sich selbst, oft erstmals im Leben, neu und tiefer kennenzulernen. Für Coaches, die im agilen Feld arbeiten wollen, wird weder Intervision noch Supervision langfristig ausreichen. Sie werden nicht umhinkommen, für sich selbst intensive und persönliche Selbsterfahrungsräume zu schaffen. Sehr hilfreich ist eine selbsterfahrungsorientierte Langzeitgruppe mit – auf die Dauer zunehmend vertrauten – stabilen Teilnehmern.

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