Beruf Coach

Coaches auf Social Media

So klappt es mit dem Content

Social Media hat sich zu einem wichtigen Kommunikationskanal für Coaches entwickelt. Doch wie nutzt man die digitalen Plattformen gezielt und effektiv, um potenzielle Klienten zu erreichen? Wie trifft man den richtigen Ton und findet das Gehör der eigenen Zielgruppe? Die Gestaltung passender und hochwertiger Inhalte ist durchaus komplex, baut jedoch zunächst auf einigen grundlegenden Aspekten auf, die hier dargestellt werden sollen.

7 Min.

Coaching-Magazin Online, 15.06.2021

Viele Coaches hegen zu Social-Media-Plattformen ein zwiespältiges Verhältnis. Sie wissen, dass ihre Präsenz in sozialen Netzwerken Reichweite schaffen und in der Folge Kunden bringen kann, haben aber Probleme, die passenden Inhalte zu posten. Während mancher Coach es versteht, sein Publikum zu begeistern, und regelmäßig viele Likes und Kommentare bekommt, finden andere Social-Media-Profile praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Wäre es nicht großartig, wenn es eine Zauberformel gäbe, mit deren Hilfe es gelingen würde, dass einem die Zielgruppe an den virtuellen Lippen und Beiträgen hängen bliebe? Natürlich hat das Ganze in Wirklichkeit nichts mit Magie und Zauberei zu tun. Guten Content zu erstellen, der eine Brücke ins Herz der potenziellen Kunden baut, ist gar nicht so schwer – wenn man weiß, wie es geht und vor allem einige grundlegende Aspekte verinnerlicht.

Klarheit

Die wichtigste Grundlage für den Content jedes Coachs oder Unternehmens ist Klarheit in Bezug auf die Zielgruppe und die hier Anklang findenden Inhalte. Coaches können vielen Menschen helfen, aber „Menschen“ sind im Marketing als Zielgruppe nicht spezifisch genug. Wer versucht, alle anzusprechen, spricht schlussendlich niemanden an.

Daher lautet die Faustregel: Konzentrieren Sie sich auf Ihre zentralen Zielgruppen und die Anliegen und Kontexte, in denen Sie tätig sind bzw. werden wollen. Nur wenn Sie klar definieren, wen Sie bei welcher Art von Themenstellung begleiten wollen, können Sie auch die passenden Beiträge schreiben. Beiträge, die von Ihrer Zielgruppe als Mehrwert wahrgenommen werden. Bei der Gestaltung der Inhalte sollten sich Coaches an den Bedürfnissen und Interessen der Zielgruppe orientieren. Ein Fehler ist es beispielsweise, wenn hauptsächlich über das eigene Angebot gesprochen wird.

Keine Allgemeinplätze in der Kundenanalyse

Erfahrene Coaches und solche, die über eigene Kompetenz im Tätigkeitsfeld potenzieller Klienten verfügen, dürften ein sehr gutes Bild von ihren Zielgruppen haben. Dieses können sie bei der Erstellung ihrer Inhalte abrufen. Wer jedoch gerade erst damit beginnt, sich zu positionieren, ist leicht versucht, einfach Annahmen über die potenziellen Kunden zu treffen, was schnell in die Formulierung von Allgemeinplätzen münden kann.

  • Waren Sie schon einmal in derselben Situation wie Ihre Zielgruppe? Falls ja, dann versuchen Sie, sich daran zu erinnern. Was haben Sie gefühlt? Was waren Ihre Wünsche?
  • In Gesprächen mit Personen aus Ihren Zielgruppen sollten Sie genau zuhören: Was beschäftigt sie gerade? Was bereitet ihnen Sorgen? Das gleiche gilt für Ihr Social-Media-Netzwerk. Nehmen Sie sich Zeit, zuzuhören und smarte Fragen zu stellen.
  • Bitten Sie Ihr Netzwerk um Unterstützung (online und offline) bei Ihrer Recherche. Fragen Sie, für welche Inhalte sich das Netzwerk interessieren würde. Menschen lieben es, anderen zu helfen.

Begegnen Sie den Kunden auf Augenhöhe

Ein weiterer Aspekt, der vermieden werden sollte, ist, von oben herab oder belehrend zu schreiben. Content, der nicht nur hilfreich ist, sondern auch Verständnis, Mitgefühl und Empathie demonstriert, ist am wirkungsvollsten. Augenhöhe ist ein zentraler Grundsatz im Coaching. Gleiches gilt im Social-Media-Marketing.

Dieser Grundsatz beinhaltet auch, als Mensch sichtbar zu werden. Zeigen Sie, dass Sie ein Mensch mit Ecken und Kanten sind. Indem Sie Ihre eigene, persönliche Reise teilen, kann sich Ihre Zielgruppe mit Ihnen identifizieren.

Wählen Sie die richtige Plattform

Nach dem „Wie“ kommt das „Wo“. LinkedIn funktioniert hervorragend für Coaches, wie bereits in dem Artikel „Wie man mit LinkedIn Coaching-Klienten gewinnt“ ausgeführt wurde. Ob die Plattform sich tatsächlich auch für Sie und Ihr Thema eignet, finden Sie beispielsweise heraus, indem Sie den Jobtitel der Zielgruppe in das allgemeine Suchfenster auf LinkedIn eingeben. Werden einige hundert Suchergebnisse angezeigt, sind Sie am richtigen Platz.

Wichtig ist, dass Sie sich auf der Plattform wohlfühlen. Viele Coaches sind mit Facebook-Gruppen sehr erfolgreich, während andere mit der Plattform überhaupt nicht zurechtkommen. Wichtig ist zu wissen, wo die eigene Zielgruppe ist.

Auch sollte das Posten Spaß machen. Wenn Sie Freude daran haben, regelmäßig auf Instagram live zu gehen, und es lieben, sich, in Video- und Foto-Formaten auszuprobieren, kann die Plattform eine Bereicherung darstellen. LinkedIn ist im Vergleich zu Instagram oder auch TikTok jedoch deutlich pflegeleichter, da auch reine Text-Formate erfolgreich sind. 

Wählen Sie die passenden Content-Formate

Bei LinkedIn können Sie Text, Text mit Bild, Videos, Präsentationen im PDF-Format und seit letztem Jahr auch Stories veröffentlichen. Der Kreativität sind also fast keine Grenzen gesetzt und auf LinkedIn ist es leicht, schnell eine große Reichweite zu erzielen.

Promo Post

Im Bestreben, dem Netzwerk den gepriesenen Mehrwert in Form von Tipps und Storytelling zu bieten, vergessen Coaches gerne die naheliegendste Strategie: Sie vergessen, ihr Coaching anzubieten. Ein unangenehmes Gefühl von dem „sich anbiedern“ oder der Marktschreierei, kann einem dabei auch im Wege stehen. Dabei ist es absolut legitim und unerlässlich, regelmäßig die eigenen Dienste einzuflechten. Wie zuvor beschrieben wurde, sollten dies jedoch nicht zu häufig geschehen. Hier gilt es, ein Gefühl für das richtige Maß zu finden. 

Ebenso gilt es dabei, wie immer klar zu kommunizieren, für welche Klientengruppen das Coaching gedacht ist (z.B. Führungskräfte, Unternehmer etc.), welche Themen, Probleme und Anliegen aufgegriffen werden können (z.B. Konflikte im Team, Überlastung, Nachfolgeregelung etc.) und wie man mit Ihnen in Kontakt treten kann. Mein Tipp hier: Um die richtigen Menschen anzusprechen, vermeiden Sie Spezialpreise und Rabatte, sondern demonstrieren Sie die Veränderung, die durch ihr Coaching möglich ist.

Social Proof

Empfiehlt ein Bekannter ein Produkt oder eine Dienstleistung, dann steigt automatisch dessen wahrgenommene Glaubwürdigkeit. Kein Marketing-Instrument ist wertvoller als Mund-zu-Mund-Propaganda. Haben Sie eine Empfehlung für ihr Coaching erhalten oder schwärmt ein Kunde öffentlich – zum Beispiel auf Social Media – von Ihnen, dann teilen Sie dies mit ihrem Netzwerk. Lassen Sie Ihre Follower an Ihrer Freude darüber teilhaben und Ihnen dadurch mehr Vertrauen schenken. 

Andere Formen von Social Proof sind: Auszeichnungen, das Teilen Ihrer Social-Media-Beiträge, Erwähnungen in Beiträgen von Fachkollegen oder in der Presse. 

Videos

Last, but not least – Video! Manch einem wird beim Gedanken, ein Video zu veröffentlichen, flau im Magen, dabei lohnt es sich hier, aus der Komfortzone auszubrechen. Kein Medium schafft es schneller, eine Verbindung zwischen zwei Menschen aufzubauen. Über Video kommunizieren wir unser Alleinstellungsmerkmal auch nonverbal und das Gegenüber merkt schnell, ob die Chemie stimmt oder nicht. Gerade im Coaching, das in starkem Maße von der Beziehung zwischen Coach und Klient lebt und in dem nicht selten sensible Inhalte zur Sprache kommen, ist die menschliche Passung ein wichtiges Kriterium. Über Videos können sich potenzielle Klienten ein erstes Bild von Ihnen und davon machen, ob sie es sich vorstellen können, eine Arbeitsbeziehung mit Ihnen einzugehen. Außerdem ist es bei der Veröffentlichung von Videos wie bei vielem im Leben, je regelmäßiger man es tut, desto einfacher fällt es einem.

Fazit

Für Ihre erfolgreiche Content-Strategie brauchen Sie weder Zauberstab noch manipulative Techniken, sondern ein offenes Ohr und – was für einen Coach ohnehin selbstverständlich sein sollte – ein echtes Interesse an den Menschen, denen Sie mit Ihrem Coaching helfen möchten. Zeigen Sie Verständnis für Ihre Zielgruppe und vermitteln Sie, dass Sie dafür geeignet sind, die spezifischen Probleme potenzieller Klienten zu lösen.

Dieser Artikel gefällt Ihnen?

Dann unterstützen Sie unsere redaktionelle Arbeit durch den Abschluss eines Abonnements und ermöglichen Sie es uns, auch in Zukunft fundiert über das Thema Coaching informieren zu können.

Nach oben