Visionsbasiertes Coaching

Das Zukunftsbild als wertvolles Instrument im Business-Coaching

Visionsbasiertes Coaching
© Foto: kudla/Shutterstock.com

Ziele zu ermitteln und an ihnen zu arbeiten, gehört zum Coaching. Wie hier beschrieben wird, kann es den Prozess unterstützen, diese – unter der Berücksichtigung zentraler Werte – in Form eines Zukunftsbildes auszuformulieren. Die Vision als Coaching-Instrument erfüllt demnach vielfältige Funktionen. So bietet sie u.a. Orientierung, wirkt sinn-, motivations- sowie identitätsstiftend und kann darüber hinaus die Fokussierung des Klienten auf die wesentlichen Aspekte der Begleitung stärken.

Ein erstrebenswertes Zukunftsbild erlangt für Unternehmen in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung, um die Herausforderungen einer immer volatileren, komplexeren und unsicheren Umwelt bewältigen zu können. In einem Interview (Harris, 2010) führte Elon Musk zur ehrgeizigen Agenda des Raumfahrtunternehmens „Space X“ an: „People work better when they know what the goal is and why. It is important that people look forward to coming to work in the morning and enjoy working.“ Aus diesem Zitat lässt sich erkennen, welchen Stellenwert einer der erfolgreichsten Unternehmer unserer Zeit dem übergeordneten Handlungsrahmen des Unternehmens einräumt. Hierbei bildet die beschriebene Vision das Idealbild der Zukunft und stiftet Sinn, indem sie nicht nur die Frage nach dem „Was“, sondern auch nach dem „Warum“ beantwortet (Wittmann, 2013).

Auch im Business-Coaching, welches darauf abzielt, Menschen im beruflichen Kontext bestmöglich zu unterstützen, kann auf die Kraft der Vision und ihr Prinzip der Aspiration zurückgegriffen werden. Im visionsbasierten Coaching werden Personen und Unternehmen gecoacht, sich in Richtung ihrer Träume zu entwickeln, anstatt sich auf ihre Defizite zu konzentrieren. In diesem Zusammenhang kann diese Art des Coachings, welche auf einer klaren und umfassenden persönlichen Vision basiert, sowohl für Führungskräfte als auch das gesamte Unternehmen diverse Entwicklungsressourcen mobilisieren (Passarelli, 2015). Im individuellen Austausch mit dem Coach gewinnt der Klient Orientierung bei Veränderungen, stärkt seine persönlichen Ressourcen und verbessert den Blick auf sich selbst und seine Zukunft. Hierbei stellt sich für viele Coaches die Frage, was dieses auf den ersten Blick möglicherweise spirituell anmutende Konstrukt einer Vision eigentlich ist und welche Potenziale sich durch dessen Einsatz als Tool im Business-Coaching verwirklichen lassen. Um diese Thematik näher zu beleuchten, lohnt es, sich die Definition einer Vision vor Augen zu führen und sich mit ihren Funktionen im Zusammenhang mit Coaching näher auseinanderzusetzen.

Was ist eine Vision?

Visionen werden in der Führungsliteratur in unterschiedlicher Weise definiert. So betonen einige Forscher den zukunftsorientierten Charakter der Vision. Hier werden Visionen als idealisierte Bilder der Zukunft verstanden. Andere Forscher legen mehr Wert auf den ideologischen Charakter und führen aus, dass Visionen gemeinsame Werte – beispielsweise einer Organisation – repräsentieren, an denen sich Mitarbeiter orientieren und denen sie sich verpflichtet fühlen. Eine Vision kann aber auch als ein unspezifisches Ziel aufgefasst werden, an dem das eigene, individuelle Handeln ausgerichtet werden soll. (Hajas, 2013)

Visionen sind mentale Bilder von einer erstrebenswerten und erreichbaren Zukunft, welche regelmäßig im Gedankenfluss auftauchen. Sie werden von und für Individuen, Gruppen und Organisationen generiert (Rawolle, 2010). Dadurch ist die Vision als Tool für das Coaching von Einzelpersonen, Gruppen oder sogar ganzen Organisationen von Relevanz, wobei sich die nachfolgenden Ausführungen auf die Einzelperson des Mitarbeiters oder der Führungskraft beziehen.

Die Frage, welche Zielgruppe eine Vision adressiert, ist ebenfalls ausschlaggebend für ihre spezifischen Charakteristika. Zur Unterscheidung kann beispielsweise eine Differenzierung von persönlicher Vision und Unternehmensvision vorgenommen werden. Persönliche Visionen fokussieren sich auf Individuen. Sie beschreiben nach Hajas (2013) einen attraktiven und wünschenswerten Zustand, den eine Person anstrebt. Die Basis bilden die elementaren Wertvorstellungen und Bedürfnisse des jeweiligen Individuums (ebd.). Demgegenüber spiegelt die Unternehmensvision ein Idealbild der Zukunft eines Unternehmens wider und repräsentiert die Vorstellung dessen, was das Unternehmen in Zukunft erreichen (Brumagim, 1994) und wie es mit anderen umgehen möchte (Gehrke, 2018).

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