Coaching ist in vielen Organisationen etabliert, wird von Führungskräften aktiv nachgefragt und gilt als wirksames Instrument der persönlichen und beruflichen Entwicklung. Parallel dazu zeigt sich jedoch ein wiederkehrendes Muster in der Struktur vieler Coaching-Businessmodelle.
Ein Großteil der Coaches startet nebenberuflich, begleitet erste Klientinnen und Klienten aus dem eigenen Umfeld und generiert neue Aufträge vor allem über persönliche Empfehlungen. Die RAUEN Coaching-Marktanalyse zeigt, dass die befragten Coaches Mund-zu-Mund-Propaganda durch zufriedene Klientinnen und Klienten sowie Auftraggeber als wichtigsten Akquisekanal erachten (Rauen et al., 2023). Empfehlungen gelten als Zeichen von Qualität und Vertrauen, sind jedoch nur begrenzt steuerbar.
Genau an diesem Punkt entsteht für viele Coaches eine strukturelle Herausforderung. Nicht fehlende fachliche Kompetenz begrenzt das Wachstum, sondern die Abhängigkeit von zufälligen Kontaktanlässen und das Fehlen eines kontinuierlichen, planbaren Ansatzes zur Kundengewinnung. Phasen mit guter Auslastung können sich mit Zeiten geringer Nachfrage abwechseln. Dieses Muster erzeugt Unsicherheit und erschwert eine nachhaltige unternehmerische Entwicklung.
Coaching unterscheidet sich grundlegend von vielen anderen Dienstleistungen. Es handelt sich um ein stark beziehungsorientiertes Marktsegment, in dem Vertrauen eine zentrale Rolle spielt. Die Ergebnisse der RAUEN Coaching-Marktanalyse zeigen dazu passend, dass Coaches in der Qualität der Beziehung zur Klientin beziehungsweise zum Klienten den wichtigsten Wirkfaktor hinsichtlich des Coaching-Erfolgs sehen. Die Beziehungsqualität liegt damit noch vor anderen relevanten Wirkfaktoren wie unter anderem der Ressourcenaktivierung oder Zielklärung (Rauen et al., 2024). Lediglich angemerkt sei an dieser Stelle, dass eine zu einseitige Fokussierung von Coaches auf die Beziehungsqualität als Coaching-Wirkfaktor kritisch gesehen werden kann (ebd.).
Unabhängig davon gilt: Wer sich für ein Coaching entscheidet, investiert nicht in ein standardisiertes Produkt, sondern in besonderem Maße in die Begleitung durch eine bestimmte Person. Entscheidungsrelevant sind dabei weniger Zertifikate oder Methodenvielfalt als vielmehr Denkweise, Kommunikationsstil und persönliche Passung. Potenzielle Klientinnen und Klienten möchten einschätzen können, ob sie einem Coach vertrauen, ob sie sich verstanden fühlen und ob sie sich vorstellen können, sensible Themen in diesem Rahmen zu bearbeiten.
Sichtbarkeit allein reicht in diesem Kontext nicht aus. Entscheidend ist, ob es gelingt, vor einer formalen Kontaktaufnahme eine Beziehungsebene aufzubauen. Genau hier setzt Personal Branding an.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Wahl des Kommunikationskanals an Bedeutung. LinkedIn nimmt im Coaching-Kontext eine besondere Rolle ein. Die in der RAUEN Coaching-Marktanalyse 2023 befragten Coaches sprechen LinkedIn unter den digitalen Plattformen den höchsten Nutzen zu (Rauen et al., 2023).
Ein wesentlicher Grund dafür dürfte in der Zusammensetzung der Nutzerinnen und Nutzer liegen. Auf LinkedIn sind Personen aktiv, die Coaching nachfragen und finanzieren können. Dazu zählen Führungskräfte, Unternehmerinnen und Unternehmer, Selbstständige, Freelancer sowie hochqualifizierte Fachkräfte. Diese Zielgruppe nutzt die Plattform zur beruflichen Orientierung, zum Austausch und zur Einordnung relevanter Themen.
LinkedIn wird nicht primär zur Unterhaltung genutzt, sondern als Informations- und Beziehungsraum. Coaches begegnen ihrer Zielgruppe dort, wo sie sich ohnehin regelmäßig aufhält, ohne diese aktiv auf eine andere Plattform lenken zu müssen.
In der Praxis eines Coachs ist mitunter folgender Zyklus zu beobachten. Phasen erhöhter Sichtbarkeit führen zu neuen Anfragen und Aufträgen. Sobald neue Coaching-Prozesse beginnen, rückt das eigene Marketing in den Hintergrund. Die zeitlichen und emotionalen Ressourcen fließen in die Arbeit mit den Klientinnen und Klienten. Enden diese Projekte, entsteht ein spürbarer Leerlauf. Der Fokus verschiebt sich erneut auf Akquise, häufig unter erhöhtem Druck.
Dieses Muster ist nicht nur ineffizient, sondern belastend. Es verstärkt die Abhängigkeit von Empfehlungen und erschwert langfristige Planung. Ein strategisch angelegter Ansatz – z.B. auf der Plattform LinkedIn – kann diesen Zyklus durchbrechen, indem Sichtbarkeit, Beziehungspflege und Vertrauensaufbau nicht punktuell, sondern kontinuierlich stattfinden.
Die Basis dieses Ansatzes bildet das LinkedIn-Profil. Es fungiert – neben der eigenen Website – als zentrale Anlaufstelle für potenzielle Klientinnen und Klienten und prägt den ersten Eindruck einer möglichen Zusammenarbeit. Für Coaches geht es dabei nicht ausschließlich um die Darstellung von
Entscheidend ist, dass das Profil Persönlichkeit transportiert. Interessierte möchten nachvollziehen können, wie ein Coach denkt, wofür er steht und welche Werte seine Arbeit prägen. Im Coaching-Kontext ist diese persönliche Ebene unverzichtbar, da häufig sehr private oder sensible Themen angesprochen werden. Ein professionell gestaltetes Profil schafft Orientierung und bildet die Grundlage für weiteres Vertrauen.
Auf diesem Fundament baut die kontinuierliche inhaltliche Arbeit auf LinkedIn auf. Inhalte übernehmen die Aufgabe, Persönlichkeit und fachliche Kompetenz miteinander zu verbinden. Besonders wirksam ist eine ausgewogene Mischung aus persönlichen Einblicken, Reflexionen, beruflichen Erfahrungen und fachlichen Einordnungen.
Coaches profitieren davon, nicht nur ihre Arbeitsweise zu erklären, sondern auch die Hintergründe ihres Handelns sichtbar zu machen. Der individuelle Weg in den Beruf, prägende Lernprozesse oder typische Fragestellungen aus der Praxis schaffen Nähe und Wiedererkennung. Ergänzt wird dies durch Inhalte, die fachliche Tiefe vermitteln, etwa durch die Einordnung psychologischer Modelle, anonymisierte Beobachtungen aus Coaching-Prozessen oder die Beschreibung typischer Entwicklungsdynamiken. Solche Inhalte ermöglichen es potenziellen Klientinnen und Klienten, ein realistisches Bild der Zusammenarbeit zu entwickeln, noch bevor ein persönlicher Kontakt entsteht.
Neben Profil und Inhalten spielt der Aufbau eines relevanten Netzwerks eine zentrale Rolle. Viele Coaches verfügen zu Beginn über ein Netzwerk, das überwiegend aus privaten Kontakten, Kolleginnen und Kollegen oder früheren beruflichen Stationen besteht. Für nachhaltige Kundengewinnung ist jedoch entscheidend, gezielt Beziehungen zu Personen aufzubauen, für die das eigene Angebot relevant ist.
Die Such- und Filterfunktionen von LinkedIn ermöglichen es, Führungskräfte, Selbstständige oder Personen in beruflichen Veränderungsphasen systematisch zu identifizieren. Ein thematisch passendes Netzwerk erhöht nicht nur die Reichweite von Inhalten, sondern beeinflusst auch deren Ausspielung. Beiträge werden häufiger Personen angezeigt, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen oder in vergleichbaren beruflichen Kontexten tätig sind.
Ein weiterer Bestandteil dieses Ansatzes ist Social Selling, verstanden als beziehungsorientierte Kontaktaufnahme. Im Coaching-Kontext unterscheidet sich diese Form deutlich von klassischer Kaltakquise. Persönliche Nachrichten dienen nicht dem unmittelbaren Verkauf, sondern dem Dialog.
Im Vordergrund stehen Interesse, respektvolle Fragen und ein ernsthaftes Verständnis für die Situation des Gegenübers. Erst wenn sich ein konkreter Bedarf zeigt und eine Beziehung entstanden ist, kann ein Erstgespräch sinnvoll sein. Diese Vorgehensweise entspricht der Logik des Coaching-Marktes, in dem Vertrauen Voraussetzung für Zusammenarbeit ist.
Psychologisch lässt sich dieser Prozess unter anderem durch den Mere-Exposure-Effekt erklären. Menschen entwickeln Vertrauen zu Personen, denen sie regelmäßig begegnen. Auf LinkedIn entsteht diese Vertrautheit durch wiederholte Sichtbarkeit, durch Beiträge, Interaktionen und persönliche Einordnungen.
Anfragen resultieren daher häufig nicht aus einzelnen Inhalten, sondern aus einem längeren Zeitraum kontinuierlicher Präsenz. Coaches berichten nicht selten, dass Klientinnen und Klienten angeben, Inhalte über Monate verfolgt zu haben, bevor sie Kontakt aufgenommen haben. Diese zeitliche Verzögerung ist Ausdruck eines reifenden Vertrauensprozesses.
LinkedIn stellt für Coaches keine kurzfristige Marketingmaßnahme dar, sondern eine langfristige Investition in Reputation, Vertrauen und Bekanntheit. Wer Personal Branding strategisch entwickelt, Inhalte bewusst einsetzt, das Netzwerk gezielt erweitert und den Austausch pflegt, schafft ein System, das kontinuierlich Anfragen ermöglicht.
Auf diese Weise kann ein Coaching-Business entstehen, das weniger von Zufällen abhängt und stärker auf planbarer Sichtbarkeit basiert. Empfehlungen bleiben weiterhin wertvoll, werden jedoch durch einen stabilen Kommunikations- und Beziehungsaufbau ergänzt.