Fragen an Dr. Christine Kaul

Coaching-Expertin Dr. Christine Kaul beantwortet Fragen aus der Praxis

Fragen an Dr. Christine Kaul
© Foto: Klöpper

Das Erstgespräch fand mit dem Klienten und seinem Vorgesetzten statt. Bei einem zufälligen Zusammentreffen fragt der Vorgesetzte: „Und, wie macht sich unser Sorgenkind?“

Dies ist insofern eine schwierige Situation für den Coach, als er mit dem Klienten selbstverständlich Vertraulichkeit vereinbart hat, andererseits aber dem für das Coaching zahlenden Auftraggeber (hier der Vorgesetzte) gegenüber in der Pflicht steht, die Qualität der erbrachten Leistung darzustellen.

Das Ignorieren der Frage ist ebenso wenig eine Option, wie sinnfreies Antworten: „Wir hatten gerade unser viertes Treffen“. Was gar nicht in Frage kommt, ist ein Berichten darüber, wie der Coach den Klienten erlebt. Der einzig gangbare Weg ist die ehrliche, direkte Antwort: „Dies ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann und möchte. Wir haben Vertraulichkeit vereinbart. Bitte fragen Sie Ihren Mitarbeiter selbst nach seinen Fortschritten.“ Damit beweist der Coach im Übrigen am überzeugendsten seine professionelle Qualität.

Der Vorgesetzte meines Klienten wünscht, dass ich zusätzlich ein Konflikt-Coaching durchführe mit meinem Klienten und drei Kollegen. Zwischen ihnen laufe es unrund.

Versetzt man sich in die genannten Beteiligten hinein, so ergibt sich vermutlich folgendes Bild: Die Gefühle des Klienten sind hoch ambivalent. Einerseits kennt er den Coach, seine Vorgehensweisen. Er kann hoffen, dass der Coach ihn selbst ohne weiteres versteht. Andererseits wird er die Sorge nicht los, dass der Coach versehentlich Aspekte erwähnt, die er aus dem Coaching-Prozess heraus kennt. Weiterhin beunruhigt die Überlegung, wie der Coach reagieren wird, wenn die Wirklichkeitskonstruktion des Klienten nicht kongruent mit der der Kollegen ist.

Die Hierarchiekollegen des Klienten stehen dem Coach vermutlich eher ablehnend und wachsam gegenüber. Wird er – wenn auch nicht offen – eher auf Seiten seines Klienten stehen? Welche Informationen zu seinen Kollegen hat der Klient dem Coach gegeben? Was wir bereits zu wissen meinen, können wir nicht aus unseren Aktionen herausschneiden: die Arbeit mit dem Klienten und die daraus resultierende engere Beziehung ist für den Coach immer relevant in diesem Kleingruppen-Coaching, wenn auch vielleicht nur untergründig.

Und nicht zuletzt: Wie gut auch immer der Coach seine professionelle Neutralität wahren kann, der Argwohn der Beteiligten wird den Prozess immer begleiten.

Kunden wollen natürlich am liebsten einen Coach mit möglichst viel Erfahrung. Wie kann ich diese sammeln?

Für junge Coaches ist das eine Fragestellung von drängender Bedeutung. Lebensältere Coach-Anfänger können auf Berufserfahrungen verweisen, die Relevanz für angefragte Coaching-Themen haben. So ist in vielen Unternehmen ein Coach, der viele Jahre Führungserfahrung mitbringt, aber neben einer Coaching-Ausbildung nur wenig Coaching-Praxis, häufig hoch willkommen.

Jungen Coaches ist zu raten, mit offenen Augen Möglichkeiten zu suchen, wo sie für geringes Geld oder auch ehrenamtlich mit ihrem Coaching-Knowhow von großem Nutzen sein können. In Einrichtungen und Institutionen, die von Bedeutung für unser Gemeinwesen sind, gibt es ohne Frage Coaching-Bedarfe: ein Angebot an Arbeitslose, in caritativen Einrichtungen, im eigenen Sportverein, Bekannte mit Einstiegswunsch nach ihrer Elternzeit … Ernstgemeinte und ehrliche Angebote werden Klienten finden, die im Anschluss auch bereit sind, Weiterempfehlungen auszusprechen.

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