Wer kennt sie nicht, die Neujahrsvorsätze, die bereits am 2. Januar über den Haufen geworfen werden, die Sportschuhe, die im Schrank verstauben, weil nach einem anstrengenden Arbeitstag doch wieder das gemütliche Sofa dem Fitnessstudio vorgezogen wird, oder das Gemüse, das vor sich hin schimmelt, da man im hektischen Alltag nicht die Zeit zum Kochen gefunden hat? Auch im Coaching können Ziele, die Klienten sich in guter Absicht gesteckt haben, manchmal auch bei bestem Willen nicht erreicht werden. Eine Begründung für dieses Verhalten liefert die Annahme, dass die Rationalität des Menschen begrenzt ist. Der sogenannte homo oeconomicus, ein perfekt rational handelnder Mensch, der „denkt wie Albert Einstein, Informationen speichert wie IBMs Supercomputer Big Blue und eine Willenskraft hat wie Mahatma Gandhi“ (Thaler & Sunstein, 2009, S. 16), existiert schlichtweg nicht in der Realität. Stattdessen geht die Verhaltensökonomik unter Einbeziehung psychologischer Erkenntnisse über den Menschen davon aus, dass der Mensch fehlerhaft ist und irrationale Entscheidungen trifft.
Als einer der bedeutendsten Vertreter der Verhaltensökonomik gilt Richard Thaler, der 2017 für seine Arbeiten in diesem Bereich mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften geehrt wurde. Zusammen mit dem Rechtswissenschaftler Cass Sunstein verfasste Thaler das Buch „Nudge“, das 2008 veröffentlicht wurde (deutsche Erstveröffentlichung 2009) und als Grundwerk für die Nudging-Methode gehandelt wird. Seither hat sich Nudging in verschiedenen Bereichen, z.B. dem Gesundheitswesen oder der Politik, als Mittel zur Durchsetzung bestimmter erwünschter Verhaltensweisen etabliert – jedoch nicht ohne Gegenstimmen, worauf im Verlauf dieses Artikels noch eingegangen wird.
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