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Konzepte

Achtsamkeit im Business-Coaching

Die Macht von Mindfulness im arbeitsweltlichen Kontext

In Zeiten zunehmender Komplexität und Unplanbarkeit liegt es nahe, dass Achtsamkeitsthemen auch in Business- bzw. arbeitsweltlichen Kontexten an Bedeutung gewinnen. In diesem Praxisbericht wird u.a. anhand zweier Fallbeispiele erläutert, wie Achtsamkeit in entsprechenden Coachings zum Tragen kommen kann. Im Zentrum steht der ganzheitliche Blick, denn nicht zuletzt die vergangenen drei, von der Pandemie geprägten Jahre haben die Privat- und die Businesswelt enger verbunden. 

14 Min.

Erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 2 | 2023 am 17.05.2023

Warum ist Achtsamkeit (englisch: Mindfulness) im Business-Kontext relevant? Und wie kann Achtsamkeit sinnvoll in die Kultur von Unternehmen integriert werden? U.a. diesen Fragen widmet sich der folgende Beitrag, der Einblick in zwei Coaching-Fälle gibt und weitere Erfahrungen aus der Praxis aufgreift.

Die Arbeitswelt hat durch die Technologisierung, Globalisierung und Digitalisierung tiefgreifende Veränderungen erfahren, die sowohl Beschäftigte als auch Unternehmen vor enorme Herausforderungen stellen. Um mit dem rasanten Wandel Schritt zu halten, müssen sich sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber ständig weiterentwickeln und auf veränderte Anforderungen reagieren. Auch wenn dies mit Chancen verbunden ist, führt es zugleich zu einer Mehrbelastung und Überforderung vieler Mitarbeiter. Dies zeigt z.B. der DAK Psychreport 2023 (DAK, 2023). Demnach haben die durch psychische Erkrankungen verursachten Fehlzeiten im Job 2022 gegenüber dem Niveau von vor zehn Jahren um 48 Prozent zugenommen. Die Auswirkungen sind nicht nur auf das Individuum beschränkt, sondern haben auch Konsequenzen für unsere Volkswirtschaft. In dieser Situation stehen Unternehmen in der Verantwortung, ein Umfeld zu schaffen, das einen angemessenen Umgang mit Stress und anderen Belastungen ermöglicht. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Thema Achtsamkeit, um einen gesunden Umgang mit sich selbst und seinem Umfeld zu erlernen bzw. zu verstärken und krankheitsbedingte Ausfälle zu reduzieren.

Unter Achtsamkeit versteht man gemeinhin das bewusste Wahrnehmen und Erleben des aktuellen Moments. Jon Kabat-Zinn, der die Achtsamkeitsbewegung maßgeblich geprägt hat, definiert Mindfulness als „the awareness that emerges through paying attention on purpose, in the present moment, and nonjudgmentally to the unfolding of experience moment by moment”. (Kabat-Zinn, 2003, S. 145) Achtsamkeit heißt, sich darüber bewusst zu sein, was gerade im Hier und Jetzt passiert – mit einem selbst und der Umgebung –, und dies wert- sowie vorurteilsfrei zu betrachten. Wie kann dies auch im Business-Kontext gelingen?

Praxisfall 1: Achtsamkeit im Team-Coaching

In diesem Praxisfall geht es darum, ein männerdominiertes Umfeld im Team-Coaching für Achtsamkeit zu sensibilisieren und eine gesunde Performance zu etablieren. Die Teilnehmenden sind Projekt- und Teamleitende in der Sandwich-Position zwischen Management- und Teamebene. Insgesamt nehmen über 70 Personen teil, die in sechs Gruppen standortübergreifend gematcht wurden. Der Ablauf des Coachings folgt dem modularen Ansatz von „Mindfulness@business“ und ist dreistufig aufgebaut:

  1. Team-Coaching in Präsenz
  2. Online-Reflexion nach drei bis vier Wochen
  3. Möglichkeit des persönlichen Gesprächs mit dem Business-Coach (Face-to-Face)

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Literatur

  • DAK (2023). DAK-Psychreport 2023: Erneuter Höchststand bei psychisch bedingten Fehltagen im Job. Abgerufen am 20.03.2023: www.dak.de
  • Eggers, T. (2022). Perspektive PatchWork. Wiesbaden: Springer.
  • Grawe, K. (2004). Neuropsychotherapie. Göttingen: Hogrefe.
  • Kabat-Zinn, J. (2003). Mindfulness-based interventions in context: Past, present, and future. Clinical Psychology: Science and Practice, 10(2), S. 144–156.
  • Narbeshuber, E. & Narbeshuber, J. (2019). Mindful Leader. München: O.W. Barth.
  • Neubrand, S. (2014). Impathie. Vortrag. Müllheim: Auditorium Netzwerk.
  • Schmid, B. (2003). Systemische Professionalität und Transaktionsanalyse. Bergisch Gladbach: EHP.

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