Das Coaching-Index-Qualitätsmodell. Teil 2

Faktoren und Qualitätsdimensionen

Das Coaching-Index-Qualitätsmodell. Teil 2
© Foto: Khakimullin Aleksandr/Shutterstock.com

Im letzten Coaching-Newsletter wurde die Entwicklung des Coaching-Index-Modells zur Erfassung der Qualität von Coaching-Weiterbildungen vorstellt. Als Ergebnis einer Faktorenanalyse von 170.000 Einzelantworten konnten 12 Faktoren identifiziert werden, mit denen die Qualität von Coaching-Weiterbildungen beschrieben werden kann. Der erste Faktor ist dabei in vier Subfaktoren unterteilt, um eine bessere inhaltliche Interpretation zu gewährleisten. Auf diese Weise ergeben sich 15 Faktoren, die den Qualitätsdimensionen der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität zugeordnet werden konnten. In einer ersten Validierung der Ergebnisse der Faktorenanalyse konnten alle Qualitätsfaktoren des Coaching-Index-Modells bestätigt werden.

Hier eine tabellarische Übersicht der gefundenen Faktoren und Qualitätsdimensionen:

Zum besseren Verständnis der Qualitätsdimensionen mit ihren jeweiligen Qualitätsfaktoren werden diese folgend detailliert dargestellt:

Qualitätsdimension "Strukturqualität"

In der Qualitätsdimension "Strukturqualität" finden sich fünf Faktoren, die beschreiben, was man benötigt, um eine gute Coaching-Weiterbildung durchzuführen. Die fünf Faktoren sind:

Faktor "DozentInnenkompetenz"
Die Faktorenanalyse bestätigt mit der Kompetenz der Dozenten ein auch augenscheinlich richtiges Beurteilungskriterium für die Güte einer Weiterbildung. Zu diesem Faktor gehören Kommunikationsfähigkeiten, die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Konfliktbewältigungskompetenz, Beobachtungsgabe, Lebenserfahrung und persönliche Reife, diagnostische Kompetenzen, pädagogisches und didaktisches Können, gute Vorbereitung, Flexibilität in der Vorgehensweise, rhetorische Gewandtheit, psychologisches Wissen sowie Moderations- und Präsentationsfähigkeiten.

Faktor "Markt-Image"
Dieser Faktor präzisiert, woran die vorhandene DozentInnenkompetenz von den Teilnehmern festgemacht wird, solange man die Dozenten noch nicht persönlich kennt (also i.d.R. vor der Weiterbildung). Dabei ist folgendes ausschlaggebend: Kooperationen mit anderen Weiterbildungseinrichtungen, öffentliche Vorträge und Informationsveranstaltungen, Empfehlungen durch KollegInnen des Anbieters und Publikationen des Weiterbildungsanbieters bzw. seiner DozentInnen in Fachzeitschriften.

Faktor "Marketing-Aktivitäten"
Bei diesem Faktor zeigt sich, dass das Image eines Coaching-Weiterbildungsanbieters deutlich zur empfundenen Qualität beiträgt. Je bekannter ein Anbieter ist und desto positiver sein Image eingeschätzt wird, umso vorteilhafter die Qualitätseinschätzung. Naheliegend ist auch der Umkehrschluss: Je besser ein Anbieter ist, desto bekannter wird er und desto positiver entwickelt sich sein Image. Hier finden sich gängige Image-Dimensionen wie "fair", "sympathisch", "seriös und vertrauenswürdig", "kompetent", "innovativ", "flexibel", "erfahren und praxisorientiert".

Faktor "Prägnante Außendarstellung"
Dieser Faktor präzisiert, über welche Marketing-Aktivitäten das Image und das Kompetenzimage vermittelt werden. Von maßgeblicher Bedeutung sind hier die Güte des Internet-Auftritts, ein wiedererkennbares Logo und Informations- bzw. Werbebroschüren.

Faktor "Räume und Ausstattung"
Hier ist die Klimatisierung und Beleuchtung der Räume, die technische Ausstattung, arbeitsgerechte Stühle und Tische, ein Arbeiten ohne äußere Störeinflüsse, genügend große sowie eine ausreichende Anzahl von Räumen und genügend Visualisierungsmaterialien entscheidend. Auffällig: der Einsatz von technischen Geräten wie z.B. Beamer, Videokamera, TV usw. hat keinen maßgeblichen Einfluss auf die Qualität. Ein entsprechendes Equipment ist "nice to have", aber nicht elementar wichtig. Man könnte daraus auch schlussfolgern, dass Technik bzw. die Art der eingesetzten Medien eben keine Inhalte ersetzen, sondern bestenfalls unterstützen können.

Dimension Prozessqualität

Diese Qualitätsdimension bezieht sich auf alle Prozesse, die notwendig erscheinen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Grundfrage: Wie führt man eine Coaching-Weiterbildung durch?

Faktor "Beziehungsqualität der DozentInnen zu TeilnehmerInnen"
Die Beziehungsqualität zwischen den Teilnehmern und Dozenten ist von großer Bedeutung für die Qualität einer Coaching-Weiterbildung. Diese Bedeutsamkeit (bzw. die Existenz) dieses Faktors deckt sich mit den Ergebnissen aus dem klinischen Kontext, in denen die Beziehungsqualität den größten Varianzanteil unter den gestaltbaren Faktoren aufweist (Hubble, Duncan & Miller, 1999 - The Heart and Soul of Change. What Works in Therapy? Washington, DC: APA). Für die Beziehungsqualität ist es notwendig, dass die Dozenten über Beziehungsgestaltungskompetenzen verfügen, vertrauenswürdig und authentisch sind und das Verhältnis zu den Teilnehmern durch Vertrauen, Akzeptanz Wertschätzung, Offenheit und Ehrlichkeit, konstruktive Zusammenarbeit, Sympathie und persönliche Passung geprägt ist.

Faktor "Beziehungsqualität in der Teilnehmergruppe"
Neben der Beziehung zu den Dozenten ist die Beziehung innerhalb der Teilnehmergruppe bedeutsam. Arbeitsfähige Gruppen zeichnen sich dadurch aus, das Vertrauen und Akzeptanz, Offenheit und Ehrlichkeit Sympathie, Wertschätzung, Zusammenarbeit und Gleichwertigkeit gegeben sind. In Fern- und Einzel-Weiterbildungen ist diese Skala natürlich nicht erfassbar. Da derartige Ausbildungen aber nur ca. 3% der am Markt vorhandenen Coaching-Weiterbildungen ausmachen ist dieser Umstand vernachlässigbar.

Faktor "Gegenseitige Erwartungs- und Zielklärung"
Maßgeblichen Einfluss auf die Prozessgüte hat die Erwartungs- und Zielklärung. Damit ist sowohl gemeint, deutlich zu überprüfen, welche Erwartungen ein Teilnehmer an die Weiterbildung stellt, als auch welche Erwartungen an die Teilnehmer gestellt werden. Dazu sollten sich die Dozenten vor der Weiterbildungen ein genaues Bild von den Teilnehmern machen (z.B. durch Fragebögen oder Interviews) und verständlich darüber aufklären, welche Ziele durch die Weiterbildung erreichbar sind.

Faktor "Transparente Teilnahmebedingungen"
Dieser Faktor präzisiert, ob und wie deutlich mit den Teilnehmern die Rahmenbedingungen bzgl. der Kosten und Nebenkosten(z.B. für Zertifikate, Einzel-Coachings, Supervision, Unterkunft, Verpflegung), Stornogebühren und der Dauer der gesamten Weiterbildung geklärt wurden, um unliebsame Überraschungen möglichst auszuschließen.

Faktor "Coaching-Übungen"
Hierunter fallen alle konkreten Aktivitäten, die für die Durchführung eines Coachings von Belang sind. Dies umfasst z.B. die Durchführung und schriftliche Dokumentation eigener Coaching-Fälle, dass Verfassen einer Abschlussarbeit bzw. Absolvieren einer Abschlussprüfung, die Erledigung von "Hausaufgaben" zwischen den Abschnitten der Weiterbildung und das Üben konkreter Coaching-Situationen während der Weiterbildung.

Dimension Ergebnisqualität

Die Ergebnisqualität bezieht sich auf den Grad des erreichten Ergebnisses einer Coaching-Weiterbildung, z.B. anhand eines Vorher-Nachher-Vergleichs (hier zeigt sich, wichtig es im Sinne einer Evaluation sein kann, bereits bei der Erwartungs- und Zielklärungen eine entsprechende Dokumentation zu starten).Grundfrage: Was ist das Ergebnis einer Coaching-Weiterbildung?

Faktor "Spezialtechniken"
Ein Merkmal von Ergebnisqualität ist der Erwerb methodischer Kompetenz. Interessenterweise wird hier zwischen speziellen Coaching-Methoden und Grundtechniken unterschieden. Die Coaching-Methoden umfassen dabei z.B. das konfrontative Arbeiten, den Einsatz von Rollenspiele, die Visualisierung komplexer Zusammenhänge und Zielsetzungsmethoden.

Faktor "Grundtechniken"
Die Grundtechniken unterscheiden sich von den Spezialtechniken, da hier grundlegende kommunikative Kompetenzen vermittelt werden, auf denen spezifische Methoden dann aufbauen. Zu den Grundtechniken gehören das aktive Zuhören, Fragetechniken, Feedback geben und Anregen von Reflexionen.

Faktor "Coaching-Kompetenz"
Dieser Faktor klärt, ob am Ende der Weiterbildung ein Teilnehmer in der Lage ist, eigenständig komplexe Coachings durchzuführen und als Coach zu arbeiten. Dazu gehört auch, dass dem Teilnehmer klar geworden ist, mit welchen Klienten und Methoden er erfolgreich arbeiten kann und dass er ein eigenes Coaching-Konzept entwickelt hat, welches ein individuelles Verständnis von Theorie, Methoden und Techniken ausdrückt. Idealerweise ist zudem einen Einbindung in ein vorhandenes Netzwerk gegeben.

Faktor "Persönliche Entwicklung"
Neben der Coaching-Kompetenz erwarten die Teilnehmer von Coaching-Weiterbildungen auch eine persönliche Entwicklung und Reifung. Konkret drückt sich dies so aus, dass man am Ende der Weiterbildung bewusster handelt und denkt und die eigene Selbstreflexionsfähigkeit ausgeprägter geworden ist. Dies geht für den Teilnehmer einher mit dem Erkennen neuer Aspekte über sich selbst (beruflich als auch privat) und dem weiteren Entwicklungs- und Lernbedarf. Daraus resultiert auch eine "Berufshygiene", die ein gesundes Berufsleben und Berufsentwicklungen stärkt (auch im Sinne einer Vorbeugung z.B. gegenüber Burnout).

Faktor "Gesamtzufriedenheit"
Die Gesamtzufriedenheit mit einer Coaching-Weiterbildung drückt sich insbesondere in Form der Empfehlungsbereitschaft aus, d.h. wie sehr ein Teilnehmer bereit ist, "seine" Weiterbildung an Dritte zu empfehlen und aus Zufriedenheit "Mundpropaganda" zu betreiben. Zur Gesamtzufriedenheit gehört aber auch ein allgemeiner "Wohlfühlfaktor", die abwechslungsreiche Gestaltung der Weiterbildung sowie der Einsatz transparenter und erklärbarer Methoden und die Vermittlung einer angemessene Haltung für den Methodeneinsatz.

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Fazit

Mit Hilfe der 15 Faktoren des Coaching-Index-Qualitätsmodells ist es nun möglich, systematisch Aussagen über die Qualität von Coaching-Weiterbildungen zu machen. Ausbildungsanbieter können via Benchmarking eine Rückmeldung darüber erhalten, welche spezifischen Eigenheiten sie aus Kundensicht auszeichen. Ferner zeigt das Coaching-Index-Modell, in welchem Bereich Qualitätsverbesserungen die größte Hebelwirkung entfalten.