Coaching-Vordenker Sir John Whitmore verstorben

Der britische Coaching-Pionier Sir John Whitmore ist Ende April im Alter von 79 Jahren verstorben. Bekanntheit erlangte Whitmore vor allem durch sein vielfach verkauftes Buch „Coaching for Performance“.

Sir John Whitmore, © Foto: Thomas Webers

Er war professioneller Sportler, Unternehmer, Sportpsychologe, Autor und Coach: Sir John Whitmore (16.10.1937–28.04.2017) gilt als einer der Vordenker des Business-Coachings – insbesondere aufgrund des Einflusses, den das wesentlich durch seine Publikationen bekanntgemachte Coaching-Phasenmodell GROW und sein Buch „Coaching for Performance“, das als Whitmores wichtigstes Werk gilt, entwickelt haben. Nach Angaben des Londoner Coaching- und Beratungsunternehmens „Performance Consultants International“, dessen Gründer und Chairman Whitmore war, wurden bis dato 800.000 Exemplare des in 23 Sprachen vorliegenden Buches verkauft. Im Alter von 79 Jahren ist Whitmore am 28.04.2017 verstorben.

Zum geistigen Vermächtnis des Nachkommens einer englischen Adelsfamilie zählt nicht zuletzt ein humanistisch geprägtes Coaching-Verständnis, das Achtsamkeit im Sinne eines „bewussten Seins“ ins Zentrum rückt. „Wer ein Coaching-Konzept vorstellt, in dem Awareness (Achtsamkeit, Bewusstsein) und Responsibility (Selbstverantwortung, Nachhaltigkeit) fehlen, der hat nicht verstanden, worum es im Coaching geht. Es geht um existenzielle menschliche Belange“, so Whitmore, der sich in verschiedenen Coaching-Verbänden engagierte, sich nach eigener Aussage zugleich jedoch stets als Freigeist begriff, im Interview der Ausgabe 3/2009 des Coaching-Magazins.

Vom Rennfahrer zum Coaching-Vordenker

Whitmore war professioneller Touren- und Sportwagenrennfahrer und nahm u.a. mehrfach am populären 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Mit dem Ende seiner Rennfahrerkarriere schlug der Brite den Weg des erfolgreichen Unternehmers ein. Er übernahm das Geschäft seines zwischenzeitlich verstorbenen Vaters, eine Farm, und baute weitere Unternehmen auf, darunter – der bisherigen Leidenschaft entsprechend – ein Autohaus. „Doch innerlich kamen Fragen auf: Wirst Du glücklicher werden, wenn Du ein noch größeres Auto fährst oder ein noch größeres Flugzeug besitzt?“, zeichnet Whitmore seinen Weg in Richtung des Coachings im Coaching-Magazin Schritt für Schritt nach: „Das war der Zeitpunkt, an dem ich begonnen habe, mich für Psychologie zu interessieren. Ich wollte verstehen, was mich im Inneren beschäftigt. Deshalb ging ich dann nach Kalifornien, wo zu der Zeit alle wichtigen psychologischen Denker lebten, wie zum Beispiel Carl Rogers oder Abraham Maslow.“ In der Rolle des Psychotherapeuten, die er hätte anstreben können, sah sich der ehemalige Rennfahrer jedoch nicht. Stattdessen wurde er Sportpsychologe. „Und dann geschah es, dass Geschäftsleute (…) mich fragten, ob ich nicht auch in deren Unternehmen tätig werden könnte“, so Whitmore.

In Deutschland wurde Whitmore durch sein Buch und insbesondere durch seinen Workshop „International Executive Coaching“ auf dem DBVC Coaching-Kongress 2005 in Frankfurt einem breiteren Publikum bekannt.

Auf der LinkedIn-Präsenz Whitmores gingen nach Bekanntgabe dessen Todes zahlreiche Kommentare und Trauerbekundungen ein, die die offensichtliche Bedeutung des Verstorbenen im Coaching widerspiegeln. So schreibt beispielsweise ein Besucher: „Sir John's book Coaching for Performance set me on the road to becoming a professional coach. Thank you for the legacy you have left with us all, Sir John.” (de)

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