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Eine Begegnung von Coaching-Forschung und -Praxis

03.02.2014

Vom 17.–18. Juni 2014 findet der 3. Internationale Coaching-Fachkongress "Coaching meets Research ... " der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten statt. Coaching-Report stellte dem Leiter der Coaching-Fachkongresse, Robert Wegener, einige Fragen zum diesjährigen Event:

Das Thema des 3. Internationalen Coaching-Fachkongresses „Coaching meets Research“ lautet „Coaching in der Gesellschaft von morgen“. Erwartet die Teilnehmer ein Blick in die Zukunft?

Auf jeden Fall (lacht)! Im Rahmen des 3. Internationalen Coaching-Fachkongress möchten wir herausfinden, wie die Zukunft von Coaching aussieht und welche Bedeutung Coaching für die Gesellschaft von morgen hat. Im Kern des Kongresses steht dazu die zu prüfende Vermutung, dass Coaching eine Kraft gesellschaftlicher Entwicklung ist. Und immer mehr werden wird. Wie bereits 2012 im Rahmen des 2. Internationalen Coaching-Fachkongress erkennbar, breitet sich Coaching immer mehr aus und zwar in ganz unterschiedliche Gesellschaftsbereiche. Vermehrter Leistungs-, Innovations- und Veränderungsdruck, Forderung nach Selbststeuerung und Flexibilität sind omnipräsent. Hintergrund für diese Entwicklung auf individueller Ebene sind mitunter gesamtgesellschaftliche Phänomene wie die Globalisierung und Individualisierung, steigender Wettbewerb, Migration oder die Wirtschaftskrise. Entsprechend überrascht es nicht, dass längst nicht mehr nur Sportlerinnen und Führungskräfte gecoacht werden, sondern auch Professorinnen, Doktoranden, Sozialarbeiterinnen und deren Klienten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, welche Bedeutung Coaching eigentlich für unsere Gesellschaft mittlerweile hat? Und in der Zukunft haben soll. Ist es vielleicht tatsächlich so, wie es die Journalistin Schmid einmal provokant formulierte, dass wir dank einer boomenden Coach- und Beraterbranche so einfache Dinge verlernen wie leben (2010)? Oder aber sind die Wurzeln für die zunehmende Verbreitung von Coaching deutlich tiefer und Coaching als die dringliche Antwort auf immer komplexere Herausforderungen zu verstehen, denen gegenüber sich nicht nur Top-Manager sondern jede und jeder heute konfrontiert sieht? Würde sich Letzteres bewahrheiten, dann würde auch die oft negativ konnotierte Coaching-„Container“-Metapher eine neue Bedeutung erfahren. Die Frage, die sich dann aber auch stellt, ist, welchen Ansprüchen Coaching gerecht werden muss, um tatsächlich zu einer wertvollen Kraft gesellschaftlicher Entwicklung zu werden.

Und genau diesen Fragen nach der gesellschaftlichen Bedeutung und der Zukunft von Coaching gehen wir am kommenden Kongress 2014 nach. Der Blick in die Zukunft von Coaching gehört damit selbstverständlich dazu!

Was ist das Besondere an dem mittlerweile 3. Coaching-Kongress?

Das Besondere am Coaching-Fachkongress „Coaching meets Research …“ ist, dass es die wohl größte, international ausgerichtete Plattform im deutschsprachigen Raum ist, in der sich Coaching-Forschung und -Praxis begegnen. Die Ermöglichung dieser wichtigen aber auch herausfordernden Begegnung ist unser zentrales Anliegen. Immer wieder bin ich auf englischen Coaching-Tagungen. Kürzlich zum Beispiel war ich zur 4. Europäischen Konferenz der Coaching-Psychologen in Edinburgh. Dabei fällt mir immer wieder auf, wie selbstverständlich der Austausch von Praxis und Forschung dort stattfindet. Da gibt es nicht „die einen“ da und „die anderen“ dort. Wissenschaftliche Fundierung der Coaching-Praxis ist eine Selbstverständlichkeit. Genauso wie die praktische Reflexion wissenschaftlicher Erkenntnisse. Davon sind wir im deutschsprachigen Raum (leider!) noch meilenweit entfernt. Die Verbreitung von Coaching wird aber auch hier weiter steigen, gleichzeitig – im Sinne eines Professionalisierungsbedarfs (Kühl 2008, 18) – aber auch der an Coaching gestellte Qualitätsanspruch. Und auch die Coaching-Forschung wird unter der Prämisse der steigenden gesellschaftlichen Bedeutung von Coaching an Relevanz gewinnen. Zum Beispiel in Bezug auf die Fragen, was Coaching tatsächlich leistet (Ergebnisforschung), wie diese Leistung zustande kommt (Prozessforschung) oder verbessert werden kann (Innovationsforschung).

Der Dialog zwischen Coaching-Forschung und -Praxis stellt im Sinne einer Antwort auf diese Entwicklung das Fundament des Internationalen Coaching-Fachkongresses „Coaching meets Research …“ dar.

Wen sprechen Sie mit dem Fachkongress an?

Alle, die sich für die Zukunft von Coaching interessieren! Wer in Zukunft als Praktikerin, Verantwortlicher oder Forscherin im Bereich Coaching erfolgreich tätig sein will, sollte den 3. Internationalen Coaching-Fachkongress auf keinen Fall verpassen.

Neben den Keynotes und Plenumsdiskussionen weist das Programm auch Themen- und Forschungslabs auf, die Coaching für verschiedene Bereiche, z.B. „Moderne Medien“, „Frauen in Führung“, „Health Coaching“ oder „Wissenschaft“ betrachten. Für welchen Bereich glauben Sie aus Ihrer persönlichen Sicht, kann Coaching zukünftig „ungeahnte gesellschaftliche Kräfte“ entfalten?

Diese Frage kann ich so nicht abschließend beantworten. Entsprechende Entwicklungen werden immer unübersichtlicher und Systematisierungen zwingend notwendig. Ein Ziel der Internationalen Coaching-Fachkongresse ist es deshalb ja auch, entsprechende Erkenntnisse in Form von Publikationen zu sichern. Zudem spielen auch politische Aspekte in diesem Zusammenhang eine ganz wichtige Rolle. So bin ich mir beispielsweise recht sicher, dass Coaching im Gesundheitssektor immer wichtiger werden wird. Oder aber auch im Bereich der Arbeitsintegration. Grundsätzlich zeigen sich aber meines Erachtens erst erste Konturen entsprechender „Coaching-Praxisfelder“. Der Kongress vom 17.–18. Juni 2014 wird allen, die daran teilnehmen, in Bezug auf ihre Frage interessante Antworten liefen. Bereits jetzt haben wir neben den vier Top Keynote-Referaten Beiträge von über 80 Coaching-Persönlichkeiten aus Forschung und Praxis. Ich bin selbst sehr gespannt, und freue mich  sehr auf den kommenden Kongress.

Informationen zum 3. Internationalen Coaching-Fachkongress:

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Literatur

Kühl, Stefan (2008). Vom Wunsch, eine Profession zu sein. Der Coaching-Markt aus soziologischer Perspektive. Wirtschaftspsychologie aktuell. 2. 17-21.

Schmid, Brigitte (2010). Nimm mich an die Hand. Dank einer boomenden Coach- und Beraterbranche verlernt man so einfache Dinge wie: leben. Das Magazin. 23, 30-33.

Wegener, Robert/Fritze, Agnès/Loebbert, Michael (2014). Coaching entwickeln. Forschung und Praxis im Dialog. Wiesbaden: Springer VS.

Wegener, Robert/Fritze, Agnès/Loebbert, Michael (2014) Coaching-Praxisfelder. Forschung und Praxis im Dialog. Wiesbaden: Springer VS. Zusätzlicher kostenloser Online-Teil: http://www.coaching-meets-research.ch/publikationen

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