Forschung: Mit Emotionaler Intelligenz richtig Entscheidungen treffen

23.01.2013

Die Yale University forscht auf dem Gebiet der Emotionalen Intelligenz.

Es war die Yale University, die zusammen mit der University of New Hampshire den Begriff „Emotionale Intelligenz“ in den 1990er Jahren einführte. Der Terminus beschreibt die Fähigkeit, seine eigenen und Gefühle anderer (richtig) wahrzunehmen und zu verstehen. Spätestens seit dem Erscheinen des Buches „EQ. Emotionale Intelligenz“ des amerikanischen Psychologen und Wissenschaftsjournalisten Daniel Goleman im Jahre 1995 hat der Begriff bis heute enorm an Popularität gewonnen.

Die wissenschaftliche Beforschung auf dieses Gebiet geht indes weiter und bleibt ein wichtiger Bereich der Yale University. Eine jüngste Studie der Universität dazu beschäftigt sich mit dem Aspekt der Emotionalen Intelligenz, der einen Einfluss auf riskante Entscheidungen haben könnte. Dabei handelt es sich um Entscheidungen, die wir nicht aus Gewohnheit („Ich nehme heute den Bus, weil ich das immer tue, wenn es regnet.“) oder persönlicher Neigung („Ich weiß, dass ich gerne weiße Schokolade esse, also kaufe ich heute weiße Schokolade.“) fällen. Riskante Entscheidungen sind solche, die neu sind, die ins Ungewisse führen, deren Konsequenzen wir nicht abschätzen können. Dieser Art Entscheidungen begegnen uns im privaten wie auch im beruflichen Leben immer wieder.

Welchen Einfluss hat der "EQ" auf die Entscheidungsfindung?Die Forscher der Yale University fanden heraus, dass Emotionale Intelligenz durchaus einen Einfluss auf riskante Entscheidungen hat – und zwar insofern, dass sich Menschen mit ausgeprägter Emotionaler Intelligenz bei (riskanten) Entscheidung nicht von Gefühlen beeinflussen lassen, die nichts mit der Entscheidung zu tun haben.

Zur Durchführung der Studie entschied man sich für die Emotion Angst. Ein Teil der Studienteilnehmer sollte in sehr kurzer Zeit eine Rede vorbereiten, die dann – aufgezeichnet auf Video – von anderen bewertet wurde. Für viele Menschen löst das öffentliche Präsentieren (plus dem Faktor Zeitdruck) einen hohen Stress- und Angstlevel aus. Der andere Teil der Gruppe sollte in derselben kurzen Zeit lediglich einen Einkaufszettel schreiben. Danach erhielten alle Teilnehmer zwei Fragebögen, die zum einen den Grad der Angstgefühle erfasste und zum anderen Entscheidungsaufgaben beinhaltete.

Im Ergebnis zeigte sich, dass Personen mit starker Angst eine geringe Risikobereitschaft in Bezug auf die Entscheidungsaufgaben aufwiesen. Offensichtlich wurden ihre Entscheidungen, die nichts mit der vorherigen Präsentationsaufgabe und den damit verbundenen Angstgefühlen zu tun hatten, von den „Lampenfieber“-Gefühlen beeinflusst. Menschen mit hoher Emotionaler Intelligenz (Aspekt wurde gesondert erfasst) waren dann besser darin, ihre Angstgefühle von den Entscheidungsaufgaben zu trennen und sich nicht davon beeinflussen zu lassen.

Mehr Achtsmakeit für bessere Entscheidungen
Das Experiment ging sogar noch einen Schritt weiter: In einer weiteren, ähnlich angelegte experimentellen Durchführung wurden einige Studienteilnehmer ausdrücklich darauf hingewiesen, sich bei den Entscheidungsaufgaben nicht von ihren Angstgefühlen leiten zu lassen. In den Ergebnissen schlug sich dieser Aspekt entsprechen nieder, sodass diese Personen sich nicht von ihren Gefühlen beeinflussen ließen.

Es spielt demnach keine Rolle, ob wir uns selber – emotional intelligent – unsere Gefühle bewusst machen und die Ursache dafür kennen oder ob wir von außen auf unsere Gefühle aufmerksam gemacht werden: Achtsamkeit hilft, wahrhaftigere Entscheidungen zu treffen. (aw)

Publikation der Studie:
Yip, J. a. & Cote, S. (2013). The Emotionally Intelligent Decision Maker: Emotion-Understanding Ability Reduces the Effect of Incidental Anxiety on Risk Taking. Psychological Science, 24/1, S. 48-55.

Quelle:
www.psychologie.uzh.ch/fachrichtungen/angpsy/erleben/berichte/emotionale-intelligenz.html  

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