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ESMT Coaching Kolloquium: Spannend wie ein Krimi

10.01.2013

Das Center for Leadership Development Research (CLDR) der European School of Management and Technology (ESMT) und das Kets de Vries Institute (KDVI) luden Ende November 2012 zum vierten “ESMT/KDVI Coaching Kolloquium” ein.

Bereits zum vierten Mal lud das ESMT zur zweitägigen Veranstaltung „ESMT/KDVI Coaching-Kolloquium“ Ende November / Anfang Dezember 2012 nach Berlin ein. Das Thema des Kolloquiums hieß „Different! Coaching Across Dissimilarities“ und wurde unter der Leitung des ESMT-Präsidenten, Professor Jörg Rocholl, des CLDR-Direktors, Professor Konstantin Korotov, und des Programmdirektors der ESMT, Andreas Bernhardt, am 30. November 2012 eröffnet. Den knapp 50 anwesenden Akademikern, Coaches, Personalleitern und Unternehmensberatern wurde ein kurzer Ablauf über die folgenden zwei Tage präsentiert, die geprägt sein würden von aktuellen Forschungsergebnissen und deren praktischer Bedeutung für Coaches, der Vorstellung eines anonymisierten Präzedenzfalls durch den Direktor des INSEAD Global Leadership Centre (IGLC) der Business Schule INSEAD, Professor Dr. Manfred Kets de Vries, der Präsentation der besten durch die Teilnehmer eingereichten Fallstudie und natürlich vielen Gelegenheiten zum Aufbau und Vertiefung sozialer Netzwerke.

Professor Dr. Manfred Kets de Vries ist einer der bekanntesten Professionellen für Motivation, Führung und Organisationspsychologie, der unter anderem an der Harvard Business School doziert. Zusammen mit der Programmdirektorin des IGLC, Elisabet Engellau, reflektierte er das Veranstaltungsthema „Coaching Across Dissimilarities“. Kets de Vries brillierte durch seine gestochen scharfe Wahrnehmung und Intuition, gepaart mit jahrelanger Erfahrung und fundiertem Wissen. So erhält der Zuhörer den Eindruck, dass er auf eine Entdeckungsreise mitgenommen wird, die voller unerwarteter Wendungen und Erkenntnissen ist. Eine Teilnehmerin des Kolloquiums, Dr. Sabine von Oesterreich, die durch den ESMT-Bericht im Coaching- Magazin 3/2011 auf das Kolloquium aufmerksam wurde und 2012 zum ersten Mal daran teilnahm, fasste ihre Eindrücke zu Kets de Vries so zusammen: „Ein weiser Mann, der im Leben viel gesehen hat. Man merkt seine enorme Erfahrung und seine Gelassenheit, wie er auch ganz schwierige Dinge angeht. Er bleibt sich selbst, lässt sich nicht verbiegen oder einnehmen für etwas. Er bleibt immer ganz bei sich.“

Im Anschluss darauf folgte ein Beitrag der stellvertretenden Direktorin des IGLC, Elizabeth Florent-Treacy, und Massimiliano Saccarelli, Gründer von B-Motion Consulting, deren Erfahrungen eines Business Modells („Vom Atom zum System - für psychodynamische organisatorische Interventionen“) dem Zuhörer neue Perspektiven eröffnen sollten. Es wurde aufgezeigt, wie ein Unternehmen von den gelebten Prozessen der Teilnehmer eines Business Modells profitierten. Vom “Atom zum System” bedeutete in diesem Falle, wie einzelne Mitarbeiter entscheidend zum Erfolg aller beitragen konnten.

Dr. Sabine Demkowski (The Coaching Centre) beschäftigte sich dann mit der Ökonomie von Executive Coaching. Sie unterhält ein Büro in Köln und London und verglich die unterschiedlichen Herangehensweisen in Deutschland und Großbritannien. So stellte sie fest: Während es in England üblich ist, dass sich Coaches zu kleinen Beratungsgesellschaften zusammenschließen und sich die Ressourcen Zeit und Geld teilen, ist in Deutschland der Coach noch verstärkt als Einzelkämpfer anzutreffen. Sie stellte zudem eine Studie vor, deren Ergebnis zeigt, dass ein Coach in einer etablierten Praxis eine zeitliche Investition von 2,66 Stunden (Reisezeit nicht eingerechnet) für eine Stunde Coaching-Präsenzzeit mit dem Klienten kalkulieren muss.

Ein weiterer Schwerpunkt des Kolloquiums war die Präsentation von Dr. Tatiana Bachkirova unter dem Titel „Coaching according to developmental differences: a new framework“. In einer ausführlichen Darstellung führte sie die Teilnehmer durch die verschiedenen Stufentheorien, wies auf die Implikationen für Coaches hin und auf unterschiedliche Denkweisen, die einen neuen Ansatz in der Entwicklungstheorie erforderlich machen, auf den sie dann auch näher einging.

Als neues Konzept wurde erstmalig eine Poster Präsentation eingeführt – dargestellt auf Pinnwänden und von den jeweiligen Autoren oder Verantwortlichen erklärt. Hier gab es dann zum Beispiel den günstigen Zeitpunkt den Autor Karsten Drath kennenzulernen, der sein aktuelles Buch „Coaching und seine Wurzeln: Erfolgreiche Interventionen und ihre Ursprünge“ (Haufe Verlag, 2012) erläuterte. Drath beschreibt in seinem Buch das Coaching von gestern, heute und morgen in praktischer und konkreter Weise und verschafft einen guten Überblick über die verschiedenen Theorien, die Coaching nachweislich beeinflusst haben. Eine Besonderheit dieses Buches sind die beschriebenen „Coaching-Paten“ und ihre Werdegänge, wobei man Gandhi genauso begegnet wie Hesse, Rogers und Rosenberg.

Zwischen den Beiträgen luden Networking-Pausen immer wieder zum regen Austausch in den Räumen der internationalen, privaten Business Schule ESMT ein, dessen Hauptgebäude sich seit 2002 im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR befindet. Es herrschte eine lockere Atmosphäre, die maßgeblich auf die ESMT-Mitarbeiter Korotov und Bernhardt zurückzuführen war. In diesen gezielt gesetzten Pausen gab es sehr viele Möglichkeiten, sich mit hervorragenden Persönlichkeiten aller vertretenen Bereiche zu unterhalten.

Insgesamt waren sehr viele positive Stimmen der Teilnehmer zum Kolloquium zu vernehmen. So bezeichnete Erstbesucherin Carina Muskolus, (HR Business Partner DTAG, Bonn) das Kolloquium als „eine gelungene Mischung aus Inspiration, Vernetzung und professionellem Austausch über die tägliche Coaching-Praxis.“ und fügte hinzu, was ihr besonders gefiel: „Die offene Auseinandersetzung mit kritischen Coaching-Situationen und die gelebte Feedbackkultur hat mich nachdrücklich beeindruckt. Selten habe ich in ähnlichen Foren eine so hohe Bereitschaft erlebt, sich kritischen Überlegungen zur eigenen Person zu stellen. Ich habe viele Impulse mitgenommen – alles in allem eine gute Investition, die es zu wiederholen lohnt.“

Teilnehmerin Dr. Sabine von Oesterreich fasst treffend zusammen: „Das Kolloquium besticht durch den spannenden Mix der Menschen aus Wirtschaft, Coaching und Wissenschaft. Die internationale Gruppe ist klein genug, um effektiven Austausch zu ermöglichen. Die Fallstudien lesen sich spannend wie ein Krimi.“

Ich selber erlebte die aktuellen Beiträge und intensiven Netzwerkmöglichkeiten des Coaching-Kolloquiums bereits zum zweiten Mal als wertvolle Erfahrung. Die Teilnahme an dem Kolloquium wird durch das Akzeptieren einer eingesandten Fallstudie zum jeweiligen Thema reguliert. Nur wenige Beobachter werden ohne eine solche Studie zu der Veranstaltung zugelassen. Der Aufwand lohnt sich allemal, sodass ich einen Kalendervermerk des nächsten ESMT Kolloquium-Termins vom 14.-15.12.2013 empfehlen kann. (Mona Haug, MA)

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