Führungskräfte mit Suchtproblemen: Ein Suchtcoach leistet keine Therapiearbeit

In einem Interview geht Spiegel.de dem Thema „Sucht bei Führungskräften“ nach. Hartmut Stepputis, Managementcoach mit Erfahrung im Suchtcoaching, beschreibt dabei die besondere Situation von Top-Managern. Auch wenn sich das Suchtverhalten an sich bei Führungspersönlichkeiten nicht von dem Verhalten anderer Suchtkranker mit Alkohol- und Drogenproblemen unterscheidet, existieren bei  Managern häufig Extremfaktoren, die Abhängigkeiten leichter verursachen können: wirtschaftlicher Erfolgsdruck, öffentliche Präsenzerwartungen, soziale und personelle Verantwortung, usw. Wenig Rückhalt aus dem kollegialen Umfeld und eine gewisse Einsamkeit in der Führungsposition können das Suchtverhalten zusätzlich verstärken. Dass dann in der Regel keine öffentlichen Hilfsangebote genutzt werden, ist der Prominenz von Führungspersönlichkeiten geschuldet. In solchen Situationen kann der Einsatz von individuellen Suchtcoachings gerechtfertigt sein. Gemeinsam mit dem Coach sucht der Betroffene dabei eine geeignete Suchttherapie aus. Nach erfolgreicher Therapie begleitet der Coach dann Manager in ihre Führungsrolle zurück.

Leider kommt in dem Spiegel-Interview die Erklärung des Unterschieds zwischen Coaching und Therapie zu kurz. Der Begriff „Suchtcoaching“ ist zusätzlich irreführend. Denn ein Coach kann ein Suchtproblem zwar erkennen und benennen, um dann gemeinsam mit dem Betroffenen Therapiemöglichkeiten auszuwählen und nach erfolgreicher Behandlung der Krankheit in Therapie- oder Suchthilfezentren mittels Coaching-Prozess Führungskräfte in ihre berufliche Verantwortungsrolle zurückzuführen. Die Therapiebehandlung selber findet unabhängig vom Coach statt. (aw)

Zum Artikel:
www.spiegel.de/karriere/berufsleben/chefs-und-drogen-was-manager-in-die-sucht-treibt-a-866193.html