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Systemische Strukturaufstellung mit dem iPad

14.11.2011

Der Kölner Coach Stephan Holtmeier erschließt einen neuen Weg im Coaching.

Coaches haben Handwerkszeuge. Manchmal arbeiten sie einfach mit einem leeren Blatt Papier, mal nutzen sie ein Flipchart und dann und wann verwendet man auch eine Metaplanwand. Die Methoden sind mal kreativ-erlebnisorientiert, dann wieder eher analytisch-strukturierend. Doch die Meisten arbeiten mit analogen Medien. „Warum“, fragt Stephan Holtmeier, „setzen nicht mehr Coaches gezielt einen Tablet PC im Coaching ein?“ Sprach‘s und ging ans Basteln.

Im Coaching verwendet Holtmeier relativ häufig die Methodik der systemischen Strukturaufstellung in Anlehnung an Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer. Dabei werden räumliche Abbildungen eines „Systems“ mit seinen internen Strukturen, beispielsweise die Dynamik in einer Arbeitsgruppe, „aufgestellt”. Die Beziehungen der beteiligten Personen untereinander werden durch Nähe versus Distanz und Blickrichtung ausgedrückt. Holtmeier schätzt an dieser Methode, dass Probleme prägnant auf den Punkt gebracht werden können. Konflikte werden sichtbar und (be)greifbar. Perspektivenwechsel gelingen leicht. Erste Schritte in Richtung einer positiven Veränderung können gedanklich „erprobt“ werden.

Bislang arbeitete Holtmeier ausschließlich – wie viele andere auch – mit kleinen Holzfiguren unterschiedlicher Farbe und Größe. Christiane Grabow war offenbar die Erste, die ihr 2007 von der Initiative Mittelstand ausgezeichnetes Aufstellungstool „LPScocoon“, bestehend aus dreizehn verschiedenen, abstrakten Symbolsteine aus Lava und anderen Materialien, internetfähig machte. Das 3D-Programm von LPScocoon simuliert eine System-Aufstellung über das Internet, die parallel telefonisch unterstützt wird. Coaches können die Software in Lizenz für die eigene Arbeit nutzen.

Seitdem Stephan Holtmeier das iPad nutzt, entdeckte er den Multitouchbildschirm des handlichen Tablet PCs als interessantes Medium für Aufstellungsarbeit. „Auf dem Display lässt sich wunderbar spielerisch mit den Fingern die Konfiguration eines Systems aufstellen und verändern“, so Holtmeier. Lange habe er nach einer geeigneten App gesucht und sich dann für „OmniGraffle“ entschieden: „Um mit dieser Software systemische Strukturaufstellungen sinnvoll visualisieren zu können, war allerdings etwas Handarbeit nötig, denn es fehlen geeignete Symbole.“

Für den technikaffinen Psychologen und Geschäftsführer des Kölner Unternehmens ki-bit, das sich auf Software zur Optimierung von Assessment Centern spezialisiert hat, kein Hindernis, sondern eher eine Herausforderung. Da „OmniGraffle“ sogenannte „Stencils“ verwendet, also Formen wie zum Beispiel Kreise, Rechtecke oder Dreiecke, glücklicherweise aber erlaubt, diese Standardelemente durch eigene zu ergänzen, kann sich jeder Coach mit überschaubarem Aufwand seine persönliche Semantik aufbauen. Holtmeiers Stencils können von seiner Website heruntergeladen und dürfen frei verwendet werden. Eine Anleitung zur Arbeit mit der iPad-App findet sich online.

Das „Killerfeature“ ist für Holtmeier die Möglichkeit zur Dokumentation: „Denn jede Momentaufnahme der Aufstellung kann als PDF gespeichert oder per E-Mail verschickt werden. Im Verlauf eines Coachings kann somit immer wieder auf einen Zwischenschritt Bezug genommen und an exakt dieser Stelle erneut eingestiegen werden. Außerdem habe ich schon mit Gruppen gearbeitet und dafür die Visualisierung per Beamer an die Wand projiziert.“ (tw)

Weitere Informationen:
www.holtmeier.de/ipad-aufstellung
www.holtmeier.de/ipad-aufstellung/aufstellung_stencil
www.omnigroup.com/products/omnigraffle-ipad
www.LPScocoon.de

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