Modediagnose oder schwere Krankheit?

Das Magazin „stern“ mit einem ungewöhnlich differenzierten Beitrag über Burn-out.

„Unaufhörlich wächst das Angebot an Coaching und Entspannungskursen, Wellnesskliniken und edlen Wohlfühl-Studios. Die Führungsetagen der Firmen, die Betriebsärzte und Personalmanager registrieren die diffuse Bedrohung. Philosophen sehen bereits das Zeitalter der Müdigkeit heraufziehen, mit dem Seeleninfarkt als Massenphänomen.“ Autorin Corinna Schöps konstatiert: das Volksleiden spaltet die Fachwelt. Damit hebt sich der „stern“ erfrischend ab von anderen Veröffentlichungen.

Psychologen könnten zwar inzwischen Persönlichkeitsfacetten benennen, die ein Burnout begünstigen, Arbeitsforscher immer besser verstehen, welche Bedingungen das Risiko erhöhen. Ärzte und Therapeuten wüssten auch etliches darüber, wie sich eine Burnout-Krise auffangen ließe. Doch keine der Disziplinen könne auf angemessene Standards zurückgreifen. Einen wissenschaftlich verbindlichen Kanon gebe es nicht.

Gehandelt würden diverse Hypothesen zur Erklärung von Burn-out: Globalisierung und eine Überbewertung der Arbeit, Optimierungszwang, Führungsstil der Chefs und der Verlust des Sozialen. Inzwischen wachse die Einsicht, vor allem auch in den Unternehmen, dass es so nicht weitergehen könne, Vorreiter unter den Unternehmen fangen an zu rechnen und erkennen: Der brutale Verschleiß von „Humankapital“ lohnt sich in Zeiten des demografischen Faktors (Stichwort: Fachkräftemangel) und nicht (mehr). Und sie beginnen zu handeln. (tw)

Weitere Informationen:
www.stern.de/gesundheit/koerper-und-seele-was-ist-ein-burnout-1685378.html