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Coaching im interkulturellen Kontext

13.02.2011

Interkultureller Coach und Autor Philippe Rosinski in Frankfurt: Ein Seminarbericht.

Philippe Rosinski war der erste Europäer, welcher als Master Coach (MCC) der International Coach Federation (ICF) zertifiziert wurde. Sein Buch „Coaching Across Cultures“ rückte die kulturellen Variablen im Coaching in den Fokus und genießt einen guten Ruf unter Praktikern. Mitte Dezember 2010 lud die Association for Coaching (AC) zu einem Tagesseminar mit Rosinski nach Frankfurt ein. Thema: sein neues Buch „Global Coaching“.

Rosinski teilte das Seminar in drei Abschnitte, jeweils gefolgt von Reflexion und Diskussion unter den Teilnehmern. Den Anfang machte er mit einer Einführung in die Krisen und Herausforderungen unserer Neuzeit. Er beschrieb dabei doch eher bekannte Probleme wie Umweltverschmutzung und die „Übergewichtsepidemie“. Neu war die Frage, inwiefern die Rolle des Coachs hier zur Veränderung beitragen könnte. Er warf die Fragen auf, ob ein Coach egal für welchen Auftraggeber arbeiten sollte; und welche Werte ein Coach vermitteln sollte. Er stellte damit die Neutralität des Coachs und dessen Nutzen in Frage. Sein Motto in diesem Segment lautete „Doing well by doing good“ und stellt einige Beispiele aus seiner eigenen Praxis vor. Unter anderem hob er einen Manager von Philipps hervor. Dieser fand die Bedeutung seiner Arbeit bestätigt, als es seiner Company gelang, durch den Einsatz von LEDs in Afrika den Bau neuer Kraftwerke unnötig zu machen. Die Teilnehmer nahmen dies kritisch auf. So schien Rosinskis Forderung nach Auswahl der Klienten und dem gezielten Erarbeiten bestimmter Werte nicht ihrem Bild vom Coach und Coaching zu entsprechen.

Im zweiten Teil ging es um das Coaching aus verschiedenen Perspektiven. Rosinski sprach die spirituelle, politische, psychologische, kulturelle, physische und die Managementperspektive an. Oft würden mehrere Perspektiven übersehen und der Einbezug aller Perspektiven ermögliche eine vollständigere Entwicklung des Klienten. Dies wurde von allen Teilnehmern sehr positiv angenommen und lässt sich als ein ganzheitliches Eingehen auf den Klienten, das echten Mehrwert verspricht, beschreiben.

Im dritten Teil des Seminars ging es um die Herleitung der Weltanschauung Rosinskis. Er beschrieb seine Denkweise als „holographisches Modell“ der Welt und bezog sich dabei auf die mechanischen Eigenschaften eines Hologramms. Mit diesem Modell bezieht er sich auf das „holographische Universum“ des Science-Fiction-Autors Michael Talbot, welches auf den Arbeiten des Neurophysiologen Karl Pribam und des Physikers David Bohm aufbaut. Rosinski unterstreicht eine Verbundenheit zwischen Perspektiven, Menschen und Systeme. Er beschreibt damit den Beobachtereffekt und andere Phänomene. Das „holographische Modell“ erscheint dem erfahrenen Beobachter jedoch wie eine Neuerfindung des Rads. Vor allem, weil systemisches Denken Rosinski fremd scheint. Auch der Versuch der Erklärung von UFO-Entführungen, C. G. Jungs Synchronizität, Psychosen, mystischen Erfahrungen – und nicht zuletzt sogar der Effekt der Quantenverschränkung – als Beispiele für die Anwendung der holographischen Sichtweise wurden vom Publikum eher mit Befremden als im Einklang mit dem Thema Coaching goutiert.

Insgesamt gab das Seminar einen guten Einblick in multiperspektivisches Coaching, jedoch den Teilnehmern kein neues Handwerkszeug an die Hand. Die Teilnehmer zeigten sich gespalten: So erlebte der eine ein Aha-Erlebnis, der andere jedoch fühlte sich „wie im falschen Film“. Rosinskis Modell hat ganzheitliche, systemische, kann aber auch esoterische Züge nicht verbergen. (Frank Taeger)

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