Supervision als Krisenopfer?

Ergebnisse einer Umfrage unter den Lesern der Zeitschrift „supervision“.

Wie erfahren Supervisoren die gegenwärtige Wirtschafts- und Finanzkrise in ihrer eigenen Praxis? Welche Folgerungen ziehen sie daraus? Welche Themen spielen in Krisenzeiten in Supervisionen eine größere Rolle? Ändern Supervisoren krisenbedingt ihr Geschäftsmodell? Wie schätzen sie die Relevanz von Supervision für die Bewältigung von Krisenerscheinungen ein? Zu solcherlei Fragen führte die Redaktion der Zeitschrift „supervision. Mensch – Arbeit – Organisation“ unter ihren Abonnenten eine Untersuchung durch. Eine zufällige Auswahl von 600 Abonnenten wurde gebeten, einen Online-Fragebogen (14 Items) auszufüllen, 90 Leser haben geantwortet (Rücklauf: 15 Prozent).

Das Ergebnis erscheint gemischt. Es gibt zugleich Auftragsrückgänge und -zuwächse – in verschiedenen Bereichen und für verschiedene Stakeholder. In einer Perspektive der Interpretation der Daten, deren Repräsentativität von den Autoren selbst in Frage gestellt wird und deren Auswertungsmodus nicht nachvollziehbar offen gelegt wird, wird Supervision als Krisenopfer wahrgenommen. Zumindest kumuliere das Fazit darin, dass die gegenwärtige Krise bei den Supervisanden Ängste, Belastungen, Qualitätseinbußen und Entprofessionalisierung, die durch die anhaltende Ökonomisierung, Vermarktlichung und Flexibilisierung der Arbeitswelt schon eine geraume Zeit beobachtbar und spürbar seien, verschärfe, resümieren die Autoren Erhard Tietel und Dörthe Meyfeld.

Supervisoren können sich in der bestehenden Wirtschaftskrise nicht auf ihren Geschäftsmodellen ausruhen, so die Autoren, denn die Konkurrenz durch Coachs und Mediatoren sei in den letzten Jahren eben auch gewachsen. „Der stärkste Trend besteht in der Flexibilisierung des eigenen Angebots und der Kombination von Supervision mit anderen ‚Beratungsformen‘, vor allem aber mit Fort- und Weiterbildung“, bilanzieren die Autoren. Andererseits reagieren die Befragten auch schlicht mit Trotz: „Wir sind die Antwort – egal, welche Fragen oder Probleme unsere Supervisanden auch immer haben mögen“. Supervision sei sozusagen per se „Krisenintervention“. (tw)

Weitere Informationen:
www.beltz.de/de/weiterbildung/zeitschriften/supervision.html