Fernstudium und Qualität

Dr. Björn Migge widerspricht der Kritik des DCV.

Der Deutsche Coaching Verband (DCV) lehnt Fernstudien als Zertifizierungsgrundlage ab (wir berichteten). Dr. Migge: „Ein Fernstudium sowie die begleitenden Medien und auch das zugehörige Praxisseminar durchlaufen eine anspruchsvolle staatliche Prüfung bei der Zentralstelle für das Fernunterrichtswesen ZFU und erfüllen damit sicher sehr hohe erwachsenen-pädagogische Anforderungen. Es sollte auch bedacht werden, dass ‚Fernkurse‘ heutzutage in der Regel Verbundstudien sind (Blended-Learning).“

Dr. Migge, der den staatlich zugelassenen Lehrgang „Personal Coach“ geschrieben und „zusammen mit sehr kompetenten Erwachsenenpädagoginnen und Lektorinnen des Instituts für Lernsysteme GmbH in Hamburg entwickelt“ hat, der über Fernhochschulen und Fernschulen der Klett-Gruppe belegt werden kann, plädiert für eine differenziertere Wahrnehmung: „Sicher fehlt dann noch Praxis, bevor man die Tätigkeit professionell ausüben kann. Doch das erwerben viele Fernstudierende meist noch zusätzlich zu oder nach ihrem circa 18- bis 24-monatigen Studium.“ Ein Teil der Studierenden wollten über Coaching auch nur theoretisch Bescheid wissen, ihnen reichten 50 Stunden Praxistraining. „Sie wollten vorerst gar nicht praktisch als Coach arbeiten“, so Dr. Migge. „Andere wollen Praktiker werden und belegen umfangreiche praktische Fortbildungen in Verbindung mit dem Fernstudium, engagieren sich in Intervisionsgruppen und regionalen Übungsgruppen.“ Die Kritik des DCV empfindet er daher als zu pauschal.

Allerdings gibt er dem DCV insofern recht, „dass ein Coach (die oder der auch praktisch als Coach arbeiten möchte) nicht nur gelesen haben sollte. Wer bisher nur gelesen und geschrieben hat, sollte sich nicht zur Zertifizierung vor einem Verband oder einer anderen Zertifizierungsstelle anmelden.“ Das spiegele sich ja auch bereits darin, dass die meisten Prüfstellen oder auch der Roundtable der Coach-Verbände wenigstens 150 Zeitstunden Präsenztraining, zu der auch Selbsterfahrung gehören soll, oft einige Jahre Coaching-Praxis und supervidiertes Coaching vor der Zulassung zu einer „Zertifizierung“ empfehlen. (tw)

Weitere Informationen:
www.coaching-report.de/news.php?id=724
www.ils.de
www.drmigge.de