Coaching-Literatur 2.0

27.12.2010

Das Google-Bücher-Projekt als Goldmine für die Veröffentlichungsstatistik.

Im Oktober diesen Jahres meldeten wir über 1.094 Bücher und Zeitschriftenbeiträge auf www.coaching-literatur.de und diskutierten die Statistik der Veröffentlichungswelle, die wir auch grafisch dokumentiert haben. Eine annähernd genaue Analyse ist allerdings mühsam, will man sie per Hand erledigen. Hier bietet sich inzwischen eine Möglichkeit an, die das bislang Gewusste an Mächtigkeit weit in den Schatten stellt: Google-Books.

Das Google-Bücher-Projekt ist bislang eher wegen Urheberrechtsstreitigkeiten in die Medien gekommen. Weniger bekannt ist, das es eine Volltextsuche über Abertausende von Büchern hinweg möglich macht. Erkannt werden Stichworte auch, wenn sie in Büchern vorkommen, die selbst gar keinen Index besitzen. Sogar Fußnoten werden gescreent. Das ermöglicht Untersuchungen und Statistiken mit verblüffenden Genauigkeitswerten und erschließt der Wissenschaft ungeahnte Perspektiven. Denn Google hat inzwischen mehr als 15 Millionen Bücher digitalisiert, die insgesamt circa eine halbe Billion Wörter beinhalten.

Mit dem Ngram-Viewer kann jeder eigene Analysen fahren – zum Beispiel mit dem Begriff „Coaching“. Dazu muss man lediglich den Begriff eingeben, ein Anfangs- und Enddatum sowie die Sprache. Suchen wir auf Englisch, zeigt sich der gewaltige Anstieg der Publikationszahlen seit den 1990er-Jahren in einer Grafik.

Überraschend dabei ist aber, dass es schon einen ersten Anstieg an Publikationen um das Jahr 1880 gibt. Sucht man nun für diese Periode in Google-Books – das geht über einen Link in der Legende der Grafik – erfährt man schnell, worum es den Autoren damals ging, um die (Pferde-) Kutsche: „Bristol was a great place for coaches; being connected extensively with the shipping-trade …,“ liest man in Stanley Harris Buch „The coaching age“ (1885).

Dann wandelt sich die Wortbedeutung: 1920 kann man schon im Harvard alumni bulletin über das Coaching im Sport lesen. Wenige Jahre später (1926) befasst sich Coleman Roberts Griffith schon mit „Psychology of coaching“. Anfang der 1990er-Jahre wird dann offenbar die Begriffsbedeutung immer mehr ausgedehnt und erobert sprunghaft die allgemeine Trainingsdomäne. Insgesamt listet Google-Books für den Zeitraum 1880 bis 2008 ungefähr 809.000 englischsprachige Ergebnisse auf.

Etwas anders stellt sich die Suche auf deutsch dar. Hier erkennt man erst ab Mitte der 1980er-Jahre einen leichten, und ab Mitte der 1990er-Jahre einen rasanten Anstieg der Ergebnisse. Zwischen 1980 und Ende 2008 listet Google-Books ungefähr 42.000 deutschsprachige Stichwortfunde auf.

Der Coaching-Veröffentlichungsboom lässt sich übrigens auch in Frankreich und Spanien beobachten – allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau. Russisch- oder chinesischsprachige Ergebnisse bringt Google-Books nicht ans Licht. (tw)

Weitere Informationen:
www.coaching-report.de/news.php?id=824

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